Kochbuch von Nik Williamson: The Grain Bowl

Kochbuch von Nik Williamson: The Grain Bowl ★★★★☆

The Grain Bowl
Nik Williamson
Fotos Andy Sewell
Phaidon (2016)
Mehr über den Verlag

Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Eine Mahlzeit aus einer Schüssel einzunehmen, hat etwas ungeheuer Befriedigendes. Erst recht, wenn sich in der Schüssel die verschiedensten Zutaten zu einem optisch und kulinarisch gelungenen Ganzen vermengen. Nik Williamson präsentiert in The Grain Bowl köstliche Ideen und Beispiele, auf die man so nicht gekommen wäre.

Es ist doch erstaunlich, welche aufwendigen Eskapaden wir in unserer Küche mit Bravour gemeistert haben. Aber anlässlich dieser Rezension wurde mein Kochkönnen von BREI in die Grenzen verwiesen, aber – eigene Schuld. Unterschätze nie die einfachen Dinge.

Ein holpriger Anfang

Dabei fing alles so gut an. Bereits abends hatte ich mir die benötigten Zutaten zurechtgelegt. Hatte Flocken und Amarant abgewogen. Hatte Walnüsse gehackt, Kakaonibs rausgesucht, das Espressokochen vorbereitet.

Am Morgen stellte sich dann jedoch der erste Schritt der Zubereitung als unerwartet betreuungsintensiv heraus. Da wird nämlich Getreide mit Mandelmilch und Wasser in einen Topf gegeben, aufgekocht und alsdann abgedeckt etwa 15 Minuten leise köchelnd sich selbst überlassen. Aber da Mandelmilch – ob mit oder ohne Deckel auf dem Topf – ein Hitze-Sensibelchen zu sein scheint, endete alles in einem Übergekocht-Fiasko. Demütig putzte ich meinen Herd.

Schnell war klar, dass eines also auf keinen Fall funktionieren würde: schnell mal den Brei aufsetzen und ab unter die Dusche. Daher – auf ein Neues.

Ein einfaches, stimmiges Konzept

Das Konzept der Gerichte ist schnell erklärt: Man nehme einen Getreidebrei (bzw. ein Getreide wie Reis oder Buchweizen), gebe ihn in eine Schüssel und garniere ihn mit den unterschiedlichsten Zutaten. Da Löffel sowieso mein liebstes Esswerkzeug sind, bin ich also sofort angefixt. Selbstredend sind es aber natürlich auch die tollen Toppings, die den Mund wässrig machen und mich morgens früher als gewohnt aus dem Bett hüpfen lassen.

Insgesamt 90 Rezepte verteilen sich auf die Kapitel Healthy Sweet Bowls, Meat Bowls, Vegetable Bowls und Indulgent Sweet Bowls, wobei die süßen Kapitel zusammen mit 58 Rezepten etwas mehr als die Hälfte ausmachen. Zu Beginn werden die im Buch vorkommenden Getreidesorten übersichtlich im Kapitel Grain Cooking Guide vorgestellt. Das Kapitel wäre aus meiner Sicht entbehrlich gewesen, da in den Rezepten keine vorgegarten Getreide verwendet werden. Die verwendeten Getreidezutaten werden stets als Rohgewicht genannt, das Kochen der Getreide wird im jeweiligen Rezept beschrieben Aber lieber ein bisschen zu viel Info als zu wenig.

Nur 24 der Rezepte sind nicht bebildert, alle anderen sind schlicht und auf den Punkt fotografiert: Vor einem stets einfarbigen Hintergrund wird eine Schüssel mit dem darin enthaltenen Gericht zumeist von einem Paar Händen ins Bild gehalten.

Kein Schnickschnack lenkt hier vom Schüsselinhalt ab. Umso witziger ist es, wie gut die unterschiedlichen darreichenden Unterarme passend zum Foto inszeniert sind: Mir gefällt der farblich so gut abgestimmte Wollpullover auf Seite 100 zum Rezept Farro with Braised Lamb, Asparagus and Garlic Cream, der gleichzeitig auch die passende Jahreszeit zum Rezept suggeriert (Foto links).

Schokolade zum Frühstück – ja, bitte!

Autor Nik Williamson, der im Frühjahr 2015 Londons erstes Porridge-Café eröffnet hat (das am Originalstandort mittlerweile wohl aber wieder geschlossen wurde), hat sich wahrhaft verführerische Kreationen einfallen lassen – öde Haferpampe war gestern. Die Basis besteht fast immer aus einer Mischung verschiedener Getreidesorten. Neben Hafer bekommen auch Buchweizen, Kamut, Hirse, Amarant, Gerste, Dinkel, schwarzer Reis, Quinoa, Roggen und Weizen Rollen zugewiesen.

Auch die krönenden Komponenten kommen nicht allein daher und werden farbenfroh kombiniert. Die süßen Breie sind garniert mit verschiedenen Sorten Obst, Nüssen, Honig, Joghurt, Schlagsahne, Clotted Cream, Schokolade gerieben oder in Form von Kakaonibs und vielem mehr.

Die herzhaften Getreideschüsseln mit Fleisch bestehen aus vielfältigen Details: Ob Graupen mit marinierter und langsam geschmorter Wodka-Ente, garniert mit dünn gehobelten Möhrenstreifen und Petersilie oder der schwarze Reis belegt mit Streifen saftig-knuspriger Hühnchenoberkeulen und bestreut mit fein geschnittenen Ringen von Frühlingszwiebeln und gerösteten und gesalzenen Cashewkernen – die Schüsseln sind schon optisch Kunstwerke für sich und überzeugen auch geschmacklich, sodass manche Mühe im Vorfeld verziehen wird. Und der Herd musste eigentlich sowieso mal wieder geputzt werden, wenn ich ehrlich bin.

Mein Problem mit dem überkochenden Brei konnte ich übrigens zwischenzeitlich lösen. Ich verwende jetzt einfach einen eigentlich viel zu großen Topf. Er fasst etwa 3,5 l und ist 20 cm hoch. Und seltsamerweise funktioniert es nun sogar mit aufgelegtem Deckel.

The Grain Bowl bietet Rezepte für alle, die gerne was zum Auslöffeln haben. Spektakuläre Frühstücksschüsseln, die viel zu schade sind, um nur an Sonntagen genossen zu werden. Aber auch wunderbare herzhafte Bowls, zu schade, um sie im Dunklen vorm Fernseher zu genießen. Es geht schneller, nur schnell eine Scheibe Brot in den Toaster zu werfen, aber der Aufwand sollte hier wirklich nicht das ausschlaggebende Argument sein. In der Dessertabteilung gibt es übrigens zahlreiche Rezepte, die sich auch für ein genussvolles Frühstück eignen – wer will da noch Langschläfer sein?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2017

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