Kochbuch von Nigella Lawson: Genießen auf Italienisch

Kochbuch von Nigella Lawson: Genießen auf Italienisch ★★★★☆

Genießen auf Italienisch: Meine besten Rezepte
Nigella Lawson, Dorling Kindersley Verlag (2012)
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Annahita Aryafar

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Nigella Lawson ist das weibliche Pendant zu Jamie Oliver – (fast) genauso populär, ebenso vermarktet und überall anzutreffen – in diversen TV-Shows, Hochglanzmagazinen oder in den Kochbuchabteilungen. Mit Nigellissima – so der originelle englische Titel – widmet die Britin diesmal ihre Ode an die Küche Italiens.

Nigellas Charme waren schon viele erlegen, aber international gab das 2011 erschienene Kochbuch „Nigella Express“ ihrer Karriere den letzten Kick. Selbst die Franzosen kannten sie nun – so erlebte ich es während meiner Zeit in Paris. Kochbuch und Titel passten damals super zusammen. Dieses Mal ist es aus meiner Sicht für die deutsche Ausgabe nicht so gelungen. Denn leider verzichtete der Verlag auf das Namensspiel der Originalausgabe, das Auge und Herz der Briten sicher mit einem Blick eroberte: Nigellissima – klingt super. Daraus ist ein braves „Genießen auf Italienisch“ geworden mit optischer „La dolce Vita“-Suggerierung: Frau Lawson gekleidet in sommerlicher Pracht, angelehnt an einem glänzenden Moped. Das verkörpert ein Klischee, leider ohne dabei auf den sinnlichen kulinarischen Aspekt einzugehen.

Rustikal wie bei Mamma statt Brit-Style

Mein Interesse wurde dann beim ersten Blick ins Innere geweckt, wo sich große Fotografien von saftigen Tomaten und ölig-glänzenden Nudeln präsentierten – nicht stylisch in Szene gesetzt, vielmehr heimelig und rustikal wie bei Mamma! in Italien. Ein echter Kontrast zum hellen Cover.

nigella-315Beim ersten Stöbern fühlte ich mich dann aber von der Textfülle überfordert, die sich durch das Buch zieht. Dabei handelt es sich um Einleitungen, die jedem Gericht vorausgehen, und persönliche Anekdoten, was mal zwar ganz nett sein kann, in dieser Form aber für meinen Geschmack zu langatmig wird bzw das Layout wird dem nicht gerecht. Wie auch bei der Zutatenliste, die neben der Kochanleitung fett gedruckt ist. Das unterstreicht für mich die Unübersichtlichkeit. Hatte da jemand nur Augen für die Kochbuchautorin und hat die Leser außer Acht gelassen?

Für die Einteilung nach Kapiteln hätte ich mir einen klaren goldenen Weg gewünscht. Den Auftakt machen – na klar – Pasta & Co., worunter sich auch Fisch- und Fleischgerichte tummeln. Im folgenden Fisch- und Fleischkapitel aber findet man wiederum Pastagerichte und als wenn das noch nicht genug Liebesbekundung wäre, tauchen unter den Gerichten für Party und Gäste weitere Inspirationen zu Nudeln und Fleisch auf, die sich nicht eindeutig von vorhergehenden unterscheiden. Das viele Hin- und Herblättern ist vorprogrammiert. Entweder eine Einteilung nach Zutaten oder nach Anlass – das wäre klarer für meinen Geschmack.

Zu den Rezepten

Um aber nicht in einer Tour zu meckern, will und muss ich jetzt loben und zwar die Rezepte. Die sind köstlich und praktisch. Es werden viele Ideen zum Austauschen und Abwandeln gegeben, eine Gemüsebeilage wird mal schnell zum Hauptgericht abgewandelt und wem mal der Arborio-Reis für ein Risotto fehlt, der kann auch auf Orzo oder gar Nudeln ausweichen. Hier wird das Credo unterstrichen, nichts muss 1:1 umgesetzt werden, Spontaneität und der Mut zur Kreativität bringen leckere kulinarische Neuentdeckungen!

Die größte Überraschung folgte dann aber beim Nachkochen: es waren die simpelsten Gerichte mit kürzester Zutatenliste und geringstem (Zeit-)Aufwand, die verzücktes Lächeln auf den Gesichtern und ein selig-sattes Gefühl im Magen hinterließen. Zum Grundrepertoire gehören in Nigella Lawsons Verständnis italienischer Küche Parmesan, Marsala und ein Vorrat an geschmacksintensiven Dosentomaten, hinzu kommen pro Gericht ein, zwei weitere Zutaten. So kann ein herrliches Essen in weniger als einer halben Stunde auf dem Tisch stehen, ganz so als ob es sich bei diesem Buch um eine Fortsetzung von „Nigella Express“ handeln würde. Es sind die bekannten Klassiker wie gutes Olivenöl, Mascarpone und saisonale Produkte, die sich zu einem Gericht verbinden und nicht nur zufrieden stellen, sondern glücklich machen, da geben weder Zeit noch Schnippelarbeit den Ton an!

Natürlich findet auch mein nach Süßem lechzendes Auge seine Genugtuung, verteilt auf die Kapitel Dolci sowie für Gäste. Unter den bewährten Desserts wie Tiramisu und Biscotti haben auch neuere und vor allem zeitsparsamere Rezepte Einzug erhalten; so mischen sich italienische Amarettis in ein britisches „Nationalgericht“, dem Crumble, und der typische Käsekuchen bekommt einen Hauch Piment mit Haselnüssen und Nutella. Dekadent? Na klar! Lecker? Und wie!

Die Rezepte sind Nigellissima-mäßig gut. Das deutsche Cover und der Titel – na, da hätte ich anders entschieden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2013

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