Kochbuch von Nigella Lawson: Das Glück zu kochen

Kochbuch von Nigella Lawson: Das Glück zu kochen ★★★★★

Nigella – Das Glück zu kochen. Für
jede Stimmung das passende Rezept
Nigella Lawson
Fotos Keiko Oikawa
Dorling Kindersley (2016)
Mehr über den Verlag

Doris Brandl

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Allen Skandalen um sie herum zum Trotz, die prominente und zahlreich ausgezeichnete britische Köchin Nigella Lawson schreibt ein Kochbuch nach dem anderen. Ihr neues: Rezepte je nach Stimmungslage – man darf gespannt sein, wie sie nach dem Abgang eines unsanften Ehemanns und ausgabefreudigen Angestellten diese interpretiert.

Nigella in großen Lettern und höchstpersönlich schaut vom Cover des dicken Wälzers. Gute 400 Seiten stark und, wie bei Dorling Kindersley gewohnt, küchentauglich eingebunden und mit dem beliebten Lesebändchen versehen. Beim Durchblättern sprangen mir gleich die puristisch gestalteten, schönen Fotos der Gerichte ins Auge.

Und bevor ich mich überhaupt auf die Einführung und die Kapitel einlassen konnte, musste ich umgehend etwas davon ausprobieren. Käse habe ich immer im Haus und Thymian gehört zum Standardsortiment meiner Küchenkräuter. Also war das Start-Rezept klar: Ziegenkäse-Thymian-Topping. Die Taler genüsslich knabbernd, frisch aus dem Ofen – außen knusprig, innen zart und wirklich fix gemacht, konnte ich mich nun entspannt der Lektüre widmen. Man kann voraus schicken: Ja, das Buch lädt zu Spontanitäten sein.

kochbuch-nigella-lawson-glueck-zu-kochen-inside-valentinasEssen für die Seele

Einfach ruhig (einfache und schnelle Rezepte), Wohlbehagen (tröstende Suppen), Gäste einladen (zwanglose Atmosphäre schaffen), Atempause (langsam gegarte Gerichte, die sich gut vorbereiten lassen), Beilagen (Gemüse bringt Farbe ins Essen), Süßes (erklärt sich von selbst), Den Tag beginnen (Muffins, Müsli, Herzhaftes und Süßes) lauten die wirklich klassisch angedachten Kapitel der britischen Autorin. Es ist einige Zeit her, dass ich ein Kochbuch in der Hand hielt, in dem Gemüse als BEILAGEN betitelt wurde.

Dabei sind ihre Einführungen zu jedem Kapitel persönlich, sie wirkt ehrlich und sympathisch. Das Leben sei halt nicht immer nur ein Zuckerschlecken, Bitterkeit aber mag sie aber eigentlich nur im Radicchio. Dem stimmt man sofort zu. Ihre Botschaft an sich und uns ist: es geht nicht ums schnelle Zubereiten, wir sollen auch das Schnippeln, Rühren, Riechen und Probieren bewusst und entspannt wahrnehmen.

Von A-Z praktisch gedacht

Jedes Gericht wird mit einer Anekdote eingeführt. Mal zum Lachen, mal Neugierde weckend auf das kommende Rezept und manchmal aber auch etwas überflüssig. Danach folgen Zutatenliste und die exakt beschriebenen Arbeitsabläufe. Oftmals gibt es im Anschluss Tipps zur Aufbewahrung, Haltbarkeit, alternativen Zubereitungen und Einfriermöglichkeiten, übersichtlich in einem extra-Kästchen. Zusammen mit dem jeweiligen Foto des Gerichts kann sich also ein Rezept über mehrere Seiten verteilen.

kochbuch-nigella-lawson-2-glueck-kochen-cover-valentinasZwischendurch verrät Lawson auch kleine Tricks nebenbei, wie z.B. Zwiebeln in Essig ziehen lassen, um den Geschmack zu mildern. In vielen Rezepten hat sie ihre Vorliebe für Ingwer, Chili, Sojasauce und andere typisch asiatische Gewürze ausgelebt. Gluten- und/oder laktosefreie Rezepte sind gekennzeichnet, was aber meist nur für Gebäck und Kuchen zutrifft. Kurz: Praktisch wird der Leser rund um versorgt, gekocht wird hier aber frei von Ernährungstrends.

Die Rezepte sind dabei überraschend einfach und gut. Ob es um einen abgewandelten Caesar-Salat geht, der mit angeröstetem Salatherz, Spiegelei, Sardellenfilets, Knoblauch und gehobeltem Parmesan gekrönt wird oder das geniale Hähnchen-Fenchel-Gäste-Essen. Nicht nur komplett vorzubereiten, sondern durch die leicht säuerliche Marinade aus Orange, Zitrone, Fenchel und Senf wird das Fleisch super zart, genauso wie der Fenchel.

Die Hedonisten bitte vortreten

Ich mag dabei ihre kleinen Affronts gegen den Zeitgeist wie z. B. bei dem Pulled Pork-Rezept. „Sollten Sie eher der Magerfleisch-Fraktion angehören, dann ist das hier nichts für Sie. Mein Beileid.“ und fährt fort, dass Pulled Pork nicht gerade wenig Fett hätte, aber das wäre eben auch das Geheimnis seiner Zartheit.

Pulled Pork genossen hatte ich selbst bisher nur auf Street-Food-Märkten. Da war ich also neugierig, ob Nigellas Rezept auch zu Hause funktioniert. Und wirklich, das Fleisch wird sehr zart, lässt sich ganz leicht zerfleddern und durch die aufgestrichene scharfe Paste absolut köstlich, auch wenn der Backofen dafür einige Stunden in Betrieb war.

Ich mag aber nicht das Durcheinander der Rezepte. Egal ob Salat, Nudelgericht, Fisch oder Fleisch, die Rezepte können sich in jedem Kapitel befinden. Allein hilfreich ist hier das Rezeptverzeichnis am Ende. Hier wirkt das Buch etwas konfus. Das ist aber das Einzige, was ich kritisiere. Im Übrigen bin ich sehr begeistert und freue mich auf die weiteren Rezepte.

Nigella Lawson ist als Kochbuchautorin unverändert: Ihre Rezepte sind unkompliziert in der Zubereitung, praktisch gedacht und dabei charmant im Genuss – gerne überraschend durch feine Würzungen. Vieles geht schnell, manches braucht seine Zeit zum Schmurgeln, kann aber gut vorbereitet werden. Allerdings belässt sie keine Unklarheiten (mehr), wer welchen Schlamassel verschuldet: „Falls Sie meinen Rat in den Wind schlagen und das Ergebnis nicht überzeugt, denken Sie daran: es war Ihre Idee …“

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2016

4 Kommentare

  1. Magdalena

    Sehr interessante Rezension, die neugierig macht! Warum gibts denn gar keine Rezepte zum nachkochen? LG

    • Katharina

      Nicht wahr? Nigella Lawson Management ist leider sehr streng. Die Rezepte, die wir toll fanden, standen leider nicht oder nur für einen kurzen Zeitraum zur Verfügung. Daher werden wir leider künftig auf die Vorstellung von Nigellas schriftlichen Taten verzichten. Bedauerlich.

      • Magdalena

        Oh schade, danke für die Info! Wie bei Rachel Khoo, oder? Ich würde denken: viel mehr Nutzen als Schaden, wenn ein paar Rezepte in Umlauf kommen, und dafür die Leute Lust bekommen, das Kochbuch zu besitzen! Aber kann man wohl nichts machen. Nur gut, dass offensichtlich die Mehrheit der Verlage/Manager nicht der Meinung ist?!

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