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Viel Freude!
Katharina Höhnk

Kochbuch von Nigel Slater: Greenfeast – Frühling/Sommer ★★★

Greenfeast – Frühling/Sommer,
Nigel Slater,
Fotos: Jonathan Lovekin,
Autorenfoto: Christopher Terry,
DuMont Buchverlag (2020),
Mehr über den Verlag

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Isabel Geigenberger

Von

Gold und Pink – großer Auftritt, spritzender Pinselstrich, üppig. Darüber die rote Banderole, das schreit nach Aufmerksamkeit. Und dann der Untertitel „Das kleine Buch der grünen Küche“. Klein ist hier vielleicht das Format, der Auftritt ist groß. Vor mir liegt der erste Band von zweien: Frühling/Sommer, dazu gesellt sich in einem zweiten Band Herbst/Winter.

Nigel Slater (Foto unten) ist vermutlich einer der bekanntesten britischen Kochbuchautoren – BBC-Sendungen, eine Rezept-Kolumne bei The Guardian, um nur das Wichtigste zu nennen. Auch bei Valentinas ist er oft zu Gast, stets zur Freude der RezensentInnen.

Zum Weiterlesen

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Mehr von Nigel Slater bei Valentinas

Großer Auftritt in kleinem Format

In seinen großformatigen Büchern wie Tender | Obst und Tender | Gemüse nähert sich Slater den Rezepten in feuilletonistischen Geschichten, beginnend beim Garten hin zur Pflanze, zur Ernte und schließlich zum Rezept. Greenfeast hat einen schlichteren Angang: Es handelt sich eigentlich um ein Exzerpt aus seinen schwarzen Notizbüchern, in denen der Autor seit Jahren seine täglichen eigenen Mahlzeiten notiert. Etwas erstaunt bemerkt Slater selbst, dass er immer vegetarischer wurde – seine Rezepte beim Guardian sind das übrigens selten. Wie viele Menschen, die sich beruflich mit Kochen und Gastronomie beschäftigen, ist das eigene Feierabendessen oft eher schlicht, mit qualitativ hochwertigen Zutaten.

Kochbuchautor Nigel Slater

Einblicke in den privaten Speiseplan

Eingeteilt sind die Gerichte wie folgt: In der Schüssel (weil sie darin serviert werden), Aus der Pfanne (in der sie zubereitet werden), Mit der Hand (dreimal Brot mit was drauf), Am Morgen (einmal Joghurt mit was drauf), Im Ofen (allerlei eben darin Zubereitetes), Auf dem Teller (wo man fast alles draufpacken könnte), Vom Grill (ok, versteh ich), Auf dem Herd (steht da nicht auch eine Pfanne?), Zum Nachtisch (yes, please). Ein wenig erratisch, nicht wahr?

Zu Beginn jedes Kapitels erläutert uns Herr Slater seine Teller- oder eben Frühstücksphilosphie, -gewohnheiten und Ansichten. Fröhlich-freundliches Dahinplätschern von Nebensächlichkeiten, quasi ein Monolog-Smalltalk auf hohem Niveau. Die Übersetzerin Sofia Blind ist nicht zufällig in erster Linie Literaturübersetzerin und hat diese schwierige Aufgabe sehr gut gemeistert.

Ungewöhnliche Gerichte, neu interpretiert

Die ausprobierten Rezepte haben alle gut funktioniert, hier ist ein Profi mit Sachverstand und gutem Handwerkszeug unterwegs. Von den ersten fünf Rezepten war ich nicht so begeistert, doch mit dem Fideuá-Salat aus Nudeln und Tomaten und dem Freekeh-Gericht kam Freude auf. Dabei ist es weniger die exakte Kombination von Mengen und Aromen, sondern eher die eine oder andere Küchentechnik, die bleiben wird, z. B. kleine neue Kartoffeln vor dem Backen tief einzuschneiden oder Freekeh nach dem Kochen in Ras el-Hanout anzubraten.

Kochbuch von Nigel Slater: Greenfeast – Frühling/Sommer

Slaters Vorliebe für Lorbeerblätter (aha), Knoblauch (ja!!) und Koriandersamen (öh, nee) fand ich auffallend. Vermutlich haben wir einfach etwas unterschiedliche Geschmäcker, öfter hatte ich den Wunsch, die Gerichte mit etwas Zitrus, Sumach oder Chili noch mehr „Zing“ zu geben. Süßspeisen bestehen in Greenfeast vor allem aus gekochten oder gebackenen Sommerfrüchten – nicht so mein Fall.

Für Nigel-Slater-Fans sicher ein weiteres Schmuckstück in der überaus ästhetischen Sammlung seiner Werke. Ich nehme Nigel Slater seine Leidenschaft und Liebe fürs Kochen durchaus ab, aber vielleicht ist diese Verwertung seiner persönlichen Notizbücher eher die Sammlung der Rezepte, die es nicht in seine Kitchen Diaries geschafft haben? Keine unbedingte Kaufempfehlung, eher ein „nice to have“.

Veröffentlicht im April 2021

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