Kochbuch von Nigel Slater: Einfach genießen. Kochen Schritt für Schritt

Kochbuch von Nigel Slater: Einfach genießen. Kochen Schritt für Schritt ★★★★☆

Einfach genießen. Kochen
Schritt für Schritt
Nigel Slater
Fotos Jonathan Lovekin
Dumont Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wer kennt ihn nicht, den englischen Food-Journalisten Nigel Slater? Ein Teil seiner großartigen Kochbücher wurde bereits von Valentinas besprochen, reichlich gelobt und entsprechend besternt. Das lässt die Erwartungen steigen. Was wird uns jetzt Neues aufgetafelt?

Nein, nicht ganz neu. Die englische Originalausgabe erschien bereits im Jahr 2000. Bis zur ersten deutschen Übersetzung dauerte es 6 Jahre und nun liegt also die aktualisierte Neuauflage des Standardwerks vor. Sympathisch, leicht verschmitzt lächelt Nigel Slater von der Titelseite. Denkt er dabei gerade an das Gewicht, was ich hier in den Händen halte? Die broschierte Ausgabe mit gut 460 Seiten ist nämlich weder ein Leichtgewicht, noch ist der Wälzer besonders küchentauglich. Die aufgeschlagenen Seiten müssen jeweils rechts und links mit schweren Gegenständen offengehalten werden. Soviel zu den Äußerlichkeiten, aber wie sieht es mit den inneren Werten aus? Da fällt mir gleich bei der Suche nach einem ersten Rezept auf: viel Lesestoff – wenig Bilder! Und wo bleiben die Rezepte?

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Tja, mal so eben schnell ein Rezept raussuchen, Zutaten aufschreiben, einkaufen gehen, kochen – geht nicht. So einfach und übersichtlich, wie ich das von anderen Kochbüchern gewohnt bin, funktioniert das hier nicht. Erst mal hinsetzen und Zeit nehmen zum Lesen. Und dann aufpassen, dass man sich nicht festliest. So war ich also schnell eingefangen vom lebendigen und humorvollen Ton, mit dem Nigel Lust aufs Kochen vermittelt. Dass allein Schnippeln und Zubereiten schon Spaß machen kann und man mit eigener Kreativität, aber natürlich unbedingt besten Zutaten auf jeden Fall etwas Leckeres zustande bringen kann. Hier soll schon dem Anfänger die Scheu genommen werden, etwas Neues auszuprobieren.

„Machen Sie sich nicht so viel Arbeit.“ Schön gesagt, beziehungsweise geschrieben. Aber wie funktioniert das in der Praxis?

Beim Lesen höre ich es förmlich brutzeln und schmurgeln, zischen und spritzen (warum es manchmal spritzt, erklärt er hier auch). Fast kann ich es riechen, wie sich die Süße von gebratenen Zwiebeln, das kräftige Aroma von Knoblauch und Kräutern langsam in der Küche ausbreitet und lässt mir angesichts der Beschreibungen das Wasser im Mund zusammenlaufen.

„Gut essen heißt in Wahrheit nichts weiter als: Gute Zutaten, einfach zubereitet“.

Nach fast 200 Seiten der Einführung, Tipps, Anleitungen, Notationen und Grundrezepten geht’s endlich los mit den eigentlichen Rezepten. Sie sind einsortiert in die Kapitel Suppe, Nudeln, Reis, Gemüse, Fisch, Fleisch, Obst, Gebäck, Cremes & Pudding und Kuchen. Den Abschluss bildet das wirklich umfangreiche Register. Die einzelnen Rezepte ziehen etliche Abwandlungsmöglichkeiten nach sich. Sie wirken wie Inspirationen, selber weiter darüber nachzudenken, was noch passen könnte. Zum Schluss weiß ich schon fast nicht mehr, um was es eigentlich in der Hauptsache ging. Nigel (links) regt dazu an, sich nicht sklavisch an ein Rezept zu halten, sondern sich auszuprobieren und dem eigenen Instinkt zu folgen. Nach eigenem Gusto hinzuzufügen, wegzulassen, mehr oder weniger zu verwenden und damit einen Geschmack zu verstärken oder abzumildern. Fragt sich nur, ob ein Anfänger mit den gut gemeinten Mengenangaben wie z.B. ‚eine Handvoll‘ oder ‚so viel man möchte‘ klar kommt. Na ja, hier ist wohl doch ein wenig Erfahrung schon von Vorteil. Auch etwaige Zeitangaben wären hilfreich (bis es braun ist – hm, wie lange kann das dauern?).

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Was ich aber schön finde: hier wird alles wieder auf Normalmaß heruntergeschraubt. Keine Miniaturportionen mit getupften Saucenkleksen auf Platztellern à la Sternekoch. Weniger ist mehr! Lieber ein ‚knallfrischer‘ Fisch, oder bestes Stück Fleisch in einem Topf/einer Pfanne auf den Tisch, als komplizierte oder überladene Rezepte, wo die Hauptzutat unterzugehen droht. Diesem abgespeckten Ansatz entsprechen die Rezepte. Nigel geht sogar noch weiter, er bestärkt einen, nicht alles selbst machen zu müssen und fragt: „Wie oft haben Sie selbstgemachte Nudeln gegessen, die besser schmeckten als getrocknete Nudeln?“ Nun ja, da werden die Meinungen sicherlich auseinander gehen, aber egal.

Im Kapitel Gemüse beschreibt er Beschaffenheit, knackfrisches Aussehen und die Verwendungsmöglichkeiten. Rosenkohl scheint er allerdings überhaupt nicht zu mögen. Sein Kommentar dazu: „ Sie denken doch nicht ernsthaft daran, eine Tüte scharf schmeckender, wässriger Bällchen zu kaufen, die Blähungen verursachen?“ Da sollte er sich mal bei Hugh Fearnley-Whittingstall nach dessen Rezept für gerösteten Rosenkohl mit Schalotten erkundigen!

Bis auf einen Reinfall (dem gebackenen Mozzarella) sind mir alle Rezepte gelungen und einfach in der Umsetzung, überwiegend schnell gemacht und mit viel Freiraum für eigene Vorlieben klar formuliert. Überraschend gute Geschmacksergebnisse trotz weniger Zutaten. Da kann ich Nigel nur zustimmen: weniger ist manchmal mehr.

In diesem Grundlagenkochbuch mit über 100 Basisrezepten finden sich reichlich unkomplizierte Rezepte. Besonders Koch-Einsteiger werden ihre Freude haben und mit etwas Mut zur eigenen Kreativität auch schnelle Erfolgserlebnisse erzielen. Abgesehen davon, dass zunächst mind. 200 Seiten mit wirklich guten Tipps durcharbeitet werden sollten, bevor es richtig losgeht. Dann aber kann durchgestartet werden: mit wenigen Zutaten von der Bratwurst und Kartoffelpüree bis zum geschmorten Fasan, je nach Anspruch. Für erfahrene Köche fehlt den Gerichten wahrscheinlich etwas Raffinesse und wirklich Neues habe ich nicht gefunden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2016

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