Kochbuch von Nigel Slater: eat

Kochbuch von Nigel Slater: eat ★★★★★

eat: Das kleine Buch der Fast-Food-Küche
Nigel Slater, Fotos Jonathan Lovekin
Dumont Verlag (2015)
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Stefanie Hofeditz

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Eingebunden in orangefarbenes Leinen, ein schwarzes Lesebändchen, in schlichter Typo steht auf dem Einband nur „Eat“. Optisch ist Nigel Slaters neues Kochbuch schon ein Genuss — aber kann der Inhalt mit dem Cover mithalten?

Der britische Journalist, Autor und Fernsehkoch Slater betitelt sein elftes Kochbuch „eat. Das kleine Buch der Fast Food Küche“. Der Name ist Programm: „Manchmal kochen wir aus purem Vergnügen — beschäftigen uns mit der Herkunft unserer Zutaten, suchen sie sorgfältig aus und begleiten sie bedachtsam auf ihrer Reise vom Laden auf den Teller. (…) Aber manchmal wollen wir einfach nur ESSEN.“

Das Zitat aus dem Vorwort kann ich nur unterschreiben, das Konzept ist zeitgemäß — fünf von sieben Mahlzeiten müssen die meisten Menschen nach einem stressigen Arbeitstag zubereiten, manchmal reicht die Energie abends dann nicht für viel mehr als die simple und sättigende Standard-Pasta. Oft kommt immer wieder das gleiche auf den Tisch, der Schritt zur Tiefkühlpizza ist nicht weit. Hier bei Slater sind alle Gerichte ebenfalls unter einer halben Stunde auf dem Tisch, die meisten Zutaten sind im gut sortierten Supermarkt erhältlich.

Ein Blick in den Kühlschrank, ein zweiter ins Buch – fast fertig

Strukturiert ist der 464-Seiten(!)-Band in Rubriken wie „Aus der Hand“, „Aus der Pfanne“ oder „Im Ofen“. Kulinarisch bewegt er sich auf der ganzen Welt: von italienischen Orecchiette mit Ricotta und Dicken Bohnen bis Hähnchenflügel mit japanischer Katsu-Soße. Und auch das finde ich sehr zeitgemäß, Slater kocht sich unbekümmert durch alle Kontinente, ohne allzu aufwendig zu besorgende Zutaten. Sehr zu loben ist das Register — für mich immer ein Lackmus-Test.

Oberbegriffe wie Spinat, Tomaten oder Rucola sind praktisch — ein Blick in den Kühlschrank, ein zweiter ins Buch und ich habe jede Menge Anregungen, was ich kochen könnte.

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Slater möchte mit seinen kurzen, einfachen Rezepten inspirieren — und schreckt auch nicht vor Fertigprodukten zurück. Damit gehe ich d’accord, nicht jede Mayonnaise muss ich selber machen (außer sie spielt die Hauptrolle im Gericht), Blätterteig sowieso nur, wenn ich sehr übermütig bin, und Dosentomaten oder- bohnen finde ich einfach oft aromatischer und einfach praktisch.

Er verwendet allerdings auch Béchamelsoße aus dem Tetra Pack, die habe ich bislang im Supermarkt links liegen gelassen, und auch fertige Soßen und Salatdressings wiegen mit ihrer Praktikabilität für mich nie den schlechten Geschmack und die obskuren Zusatzstoffe auf — aber die verwendet Slater auch nicht.

Immer dabei: Ein paar Gedanken

Die Anweisungen sind kurz und knapp, für geübte Köche stellt dies kein Problem dar — Anfänger würden von eingehenderen Beschreibungen profitieren. Die meisten Rezepte sind bebildert, für viele gibt es eine Reihe von Abwandlungen. Sehr schön seine begleitenden „Ein paar Gedanken“, in denen auch Kochprofis noch von seinen praktischen Erfahrungen und Expertise profitieren können.

Ein schönes, inspirierendes Alltagskoch-Buch für Foodies! Ich habe mir nach einigen Pasta- und Brotback-Sessions das Lesen von Kochbüchern im Bett abgewöhnt, aber wer disziplinierter ist, kann gut vorm Einschlafen drin Schmökern. Und ich muss einen Autor einfach lieben, der am Ende des Rezeptes Sätze wie „Fröhlich jubelnde Aromen“, „Sättigend, erdig und vergnüglich“ oder „Bescheiden und süß.“ schreibt!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2015

3 Kommentare

  1. Claudia

    Ein tolles Kochbuch, mein großer Dank dafür geht vor allem an die Übersetzerin. Es ist ihr wirklich gelungen, seine leidenschaftliche Sprache perfekt rüberzubringen.
    LG Claudia

  2. Thea

    Yes! Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen, und immer wieder blättere und lese ich mit Begeisterung. Die Rezension sagt eigentlich schon alles. Danke.
    Sobald es nicht mehr ganz so heiß ist, mache ich mich auf die Suche nach den erwähnten Unterschenkeln.
    Ich mag Herrn Slater sehr und dieses Buch besonders…

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