Kochbuch von Nigel Slater: Das Küchentagebuch. Mit 250 Rezepten durch das Jahr.

Kochbuch von Nigel Slater: Das Küchentagebuch. Mit 250 Rezepten durch das Jahr. ★★★★★

Das Küchentagebuch.
Mit 250 Rezepten durch das Jahr.

Nigel Slater, Fotos Jonathan Lovekin
Dumont Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Dietmar Adam

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Nigel Slater war mir bisher unbekannt – ja, so etwas kommt vor. Natürlich hatte ich die Lobeshymnen gehört, die allüberall sein Werk begleiten, aber eines seiner Bücher habe ich noch nicht in Händen gehalten. Nun also doch. Ein Küchentagebuch, interessant, was es nicht alles gibt.

Und tatsächlich, es geht am 1. Januar los, mit einem Cidrebrot. 250 Rezepte sollen es insgesamt sein, also gönnt sich der Tagebuchschreiber mitunter Pausen, das ist vernünftig und sympathisch. Auch gesteht er in der Einleitung, dass das Buch Rezepte aus mehreren Jahren vereint. Überhaupt fällt gleich Slaters Bescheidenheit angenehm auf, etwa wenn er sich als „Amateurkoch, der über Essen schreibt“ bezeichnet. Ja, nicht einmal ein leidenschaftlicher Koch will er sein, und in der Küche „weder schludrig noch besonders pedantisch“. Auch erwartet er von seiner Leserschaft nicht sklavisches Befolgen seiner Anleitungen, sondern ist glücklich, wenn diese seine Rezepte als Inspiration versteht.

Anders als bei anderen Kochbüchern habe ich das Blättern, das mir sonst immer einen guten ersten Eindruck vermittelt, bald aufgegeben, denn prompt hatte ich mich irgendwo festgelesen und konnte kaum aufhören. Denn Slater gelingt es, weit mehr als eine Ansammlung von interessanten Rezepten zusammenzustellen. Seine Texte sind so plastisch, persönlich und stimmungsvoll, dass man sich als Leser in den Haushalt des Autors hineinversetzen kann, etwa seine Erlebnisse im Garten hautnah verfolgt, den prasselnden Regen spürt und seine Gedanken zu Kochutensilien und –techniken im Geiste mitdiskutiert. Schön, dass Slater dabei unprätentiös bleibt und überhaupt nicht belehrend wirkt, ja sogar Fehler offen eingesteht. Umso bereitwilliger habe ich seine diversen Tipps aufgenommen, z.B. zum Thema Fleisch bräunen, wie man am besten Zwiebeln gart oder dass man zum Bohnenkochen besser nicht das Einweichwasser nehmen sollte.

kochbuch-nigel-slater-kuechentagebuch-inside-valentinas

Was mich dann vollends begeistert hat, war die Einfachheit der Rezepte. Fast alle können auch nach einem stressigen Tag noch ohne dass Hektik aufkommt, nachgekocht werden. Die meisten Zutaten hat man in der Regel daheim oder kann sie leicht besorgen. Für die Zubereitung muss meistens nicht viel Zeit eingeplant werden und die oft wenigen Handgriffe kann auch ein Anfänger bewältigen. Es geht Slater jedoch nicht grundsätzlich darum, schnell fertig zu werden. Genauso wichtig ist es ihm, dass die Arbeit in der Küche Freude bereitet, dass Zufriedenheit entsteht, etwa beim bedächtigen Kneten von Teig. Sehr angetan war ich außerdem von der Kreativität, die viele Rezepte auszeichnet. Auf die Idee, Orangenmarmelade für ein Eis zu verwenden, wäre ich wohl nie gekommen. Oder Schweinebauch mit Granatapfelsirup zu kombinieren. Oder beim Beizen von Lachs rote Bete zu verwenden. Und und und.

Natürlich kann man das Buch wunderbar als Orientierungshilfe für saisonales Kochen hernehmen. Ich will jetzt nicht so vermessen sein zu behaupten, man könne nur mit diesem einen Buch auskommen – insbesondere als da noch wären die Vorgänger dieses Werks, Einfach gut essen, Tender | Gemüse und Tender | Obst… Aber bei mir wird es definitiv einen großen Einfluss auf meinen Kochalltag haben, davon bin ich überzeugt. Auf die Lektürequalität des Buches habe ich schon hingewiesen. Wer jedoch plant, liegend einige Kapitel zu lesen, wird kaum weit kommen, denn nicht weniger als 1,5 Kilogramm drücken dann auf den Brustkorb. Insofern wäre eine E-Book-Ausgabe zu begrüßen (vom Original gibt es eine zu einem äußerst günstigen Preis), die ihre Vorteile auch in der Küche ausspielen könnte. Auch weil die Fotos, die sonst oft zum Kauf eines Hardcovers verführen, nicht unbedingt zu den Stärken gehören.

Das stört aber keinen großen Geist, wie ich in Anlehnung an Karlsson vom Dach sagen möchte. Wenn es möglich wäre, würde ich mehr als fünf Sterne vergeben, da dieses Buch trotz seines etwas unhandlichen Formats in meiner Küche eine große Rolle übernehmen wird, bzw. schon übernommen hat. Wer eine einfache, aber kreative Küche bevorzugt, kommt an Nigel Slater nicht vorbei.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2014

Meistgelesen

Themen A-Z