Kochbuch von Nicole Just: La Veganista

Kochbuch von Nicole Just: La Veganista ★★★★☆

La Veganista – Lust auf vegane Küche

Nicole Just, Fotos René Riis, GU-Verlag (2013)
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Patricia Rahemipour

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Unter unserem Dach schlagen zwei Herzen. Eigentlich noch mehr, aber die haben bislang noch nicht allzu viel zu sagen zu diesen Dingen. Da bin ich. Die Tiervertilgerin. Gesegnet mit einer bayerischen Mutter, die auch noch sehr gut kochen kann.

Meine carnivore Kindheit war eine krude Mischung aus bekanntermaßen fleischlastigen persischen Gerichten, die meine Oma weitergegeben hat und der Hausmannskost, wie man sie nur südlich des „Weißwurstäquators“ zubereiten kann. Der Name ist Programm: Bratkartoffeln ohne Speck, undenkbar! Schäufala, Wurstsalat, Hehnderl. Zu Ostern der frische Karpfen, zum Annafest die geräucherten Fische. Fleischlos geht anders. Und diese Vorlieben waren absolut prägend. Ausgerechnet ich gerate also an einen „Fleischablehner“. Auch nicht schlimm. Ein Kompromiss war schnell gefunden. Die Hauptmahlzeit war immer vegetarisch und bei den anderen Mahlzeiten hatte jeder so seinen Brotbelag.

Vegan zu essen ist aber noch etwas ganz anderes als das bisschen tierische Produkte zu reduzieren, wie es für ein vegetarisches Leben notwendig ist. Keine Butter, keine Milchprodukte usw. Ich brauche nicht alles aufzulisten. Die Problematik ist bekannt. Trotzdem habe ich mich freudig für „La Veganista“ gemeldet. Zum einen, weil ich Nicole Justs Blog kenne und schätze. Ich mag Berliner, die Teil der verzehrbaren Subkultur unserer Stadt sind. Zum anderen, weil ich natürlich einige Freunde habe, die vegan leben und ich mir hier tieferen Einblick versprach.

Der Titel und das Buch „La Veganista“ sind natürlich schön. Jede Doppelseite ist für ein Rezept reserviert und neben einem großen Bild wird zum Rezept ein Tip präsentiert. Durchfinden kann man sich schon deshalb schnell, weil die Gerichte nach Anlass bzw. Tageszeit gegliedert sind. Die Zusammenstellung eines großen Menüs ist also kein Problem.

Gesagt – getan. Leute eingeladen. Buch durchgesehen und das Kochen geplant. Die Vorspeise sollte schon der richtige Auftakt zum veganen Abend werden. Doch erstmal war ich ein wenig enttäuscht. Nicole Just kocht auch in einem veganen Dinnerclub in Berlin, wo ich einmal wirklich außerordentliches Essen gegessen habe. Die Rezepte hier im Buch lassen sich jedoch als absolute Einsteigerrezepte bezeichnen. Die muss es auch geben, aber wenn es dann Backkartoffelsalat, Brotsalat oder vegane Spargelsalat (!) sind, ist das nicht einmal vielversprechend.

Vor allem weil ich weiß, dass da mehr Potential ist. Ich stellte mich also auf ein Einsteigerbuch ein und so gesehen waren ein paar interessante Gerichte dabei. Der Cashew Ricotta zum Beispiel ist im Prinzip ein sehr wohlschmeckendes Nussmus, das ich aber lieber auf Brot gegessen habe statt mit Gemüse. Überhaupt gibt sich das Buch samt seiner Autorin Mühe, den Schritt vom „normalen“ Konsum zum veganen zu erleichtern. So ist die Namensgebung der Gerichte immer an ihrem tierproduktenthaltendem Original orientiert. Das hilft meiner Meinung nach leider nicht, sondern entwertet die vegane Küche eher und spricht ihr ihre Eigenständigkeit ab.

Nach den Einsteigergerichten wollte ich den echten Hauptgerichten und vor allem dem Süßen noch eine Chance geben. Hier wurde es schon etwas spannender. Doch insgesamt fiel mir der häufige Einsatz von Räuchertofu auf. Meiner Meinung nach ist der viel zu dominant, um beispielsweise mit leichtem Gemüsen verkocht zu werden. So funktioniert er beispielsweise mit Rahmwirsing – ohne allerdings sonderlich bereichernd zu sein – und geht gar nicht mit Rettich.

Der Blick auf die Süßspeisen machte schnell deutlich – hier ist sie also, die Leidenschaft. Doch was sagten eigentlich die Gäste? Man war zufrieden, so insgesamt. Vor allem, weil die Nachspeise zum Schluss dann doch sehr positiv nachwirkte. Davor ist man satt geworden. Geschmackserlebnisse waren das leider nicht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2013

2 Kommentare

  1. Backen macht glücklich

    Hallo Patricia,
    interessante Rezension, danke! Ich hatte bislang ein ähnliches Gefühl bei dem Buch wie du, vor allem hat mich auch gestört, dass sehr viele Fleisch-Ersatz-Rezepte in „La Veganista“ sind, das ist eigentlich auch nicht ganz der Sinn des ganzen, finde ich. Aber warum hast du dem Buch bei dieser Kritik denn 4 Sterne gegeben?
    Viele Grüße, Kathrin

    • Katharina

      Hallo Kathrin, ich erlaube mir zu antworten, weil ich immer die Meta-Ebene der Sterne-Vergabe im Auge habe. Wir unterscheiden bei unsere Kritiken nach subjektiven und objektiven Einwänden. Hier stehen die subjektiven im Vordergrund, die nicht so viel Gewicht haben: die Rezepttitel – da kann man drüber diskutieren, ebenso der Räuchertofu. Es ist übrigens ein zweifellos schönes Buch. Es hat manchmal „nur“ geschmeckt, aber es waren auch echte Highlights dabei. Bei der Gewichtung müssen wir selbstkritisch zugeben: wir sind Köchinnen mit viel Erfahrung und einem Gaumen, der schon einige Highlights erlebt hat und verwöhnt ist. Wie Patrcia schreibt, man war zufrieden. Dafür stehen auch vier Sterne.
      3 Sterne sind für uns gefühlt Bücher, die man NICHT empfehlen kann.

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