Kochbuch von Nicola Graimes: Die neue vegetarische Küche

Kochbuch von Nicola Graimes: Die neue vegetarische Küche ★★★★★

Die neue vegetarische Küche:
Rohkost/Grillen/Braten/Dämpfen/Kochen/Backen
Nicola Graimes, Gerstenberg Verlag (2013)
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Annahita Aryafar

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Die vegetarische Küche erfreut sich derzeit einer stetig wachsenden Beliebtheit. Ob Meatless Monday oder hartgesotten vegan, der Büchermarkt wächst rasant, aber nach Ottolenghis Genussvoll vegetarisch war für mich als Fleisch-Verweigerin die Messlatte hoch gesetzt.

Rein visuell verspricht Die neue vegetarische Küche schon mal Pep. Die Farbe Grün spielt auch eine Doppelrolle als Blickfang wie auch als Metapher zum Gemüse, das in diesem Buch wirklich bis aufs letzte Quäntchen und Arömchen interpretiert und bespielt wird.

Dieses Buch widerlegt staubige Klischees: Warum nur heisst es, Vegetarier kämen nicht in den wahren Genuss von Gaumenfreuden? Einfach mal auf den Markt gehen, schlage ich vor. Nach Lust und Laune alles in den Korb wandern lassen, was Saison hat und einen anlacht, ohne zu wissen, was daraus mal werden soll – und zuhause wartet dieses Buch.

Roh, gedämpft, gebacken, gebraten, gegrillt oder gekocht

Denn: Es gibt keine Zubereitungsform, die hier nicht zum Einsatz kommt, keine geografische Geschmacksrichtung, die ausgelassen wird und wahrscheinlich auch kein Gewürz, das in den Vorratskammern sein Dasein fristet und hier nicht irgendwann mal die Hauptrolle spielt. Ob roh, gedämpft, gebacken, gebraten, gegrillt oder gekocht, ob thailändisch, mediterran, asiatisch, orientalisch, europäisch oder lateinamerikanisch, ob leichte Küche, Hauptspeise, Beilage oder Dessert – alles, scheinbar alles scheint Einzug in dieses Buch gefunden zu haben. Respekt! Die Aufteilung ist schlüssig nach Zubereitungsweise. Jedes Kapitel ist logisch gegliedert in Unterkapitel (Leicht, Hauptspeise, Beilage, Dessert).

Einziges Manko: Bei weitem nicht jedes Rezept ist bebildert, was bei der Rezeptfülle zunächst dazu führte, dass ich vieles nicht auf den ersten Blick wahrgenommen habe. Aber die Überschriften zu lesen bereitet schon so tüchtigen Appetit, als hätte man eine genaue Vorstellung von dem, was einen erwartet. Dies liegt sicher an der erfahrenen Autorin Nicola Graimes. So schreibt sie nicht nur seit mehr als 15 Jahren Kochbücher und Artikel zum Thema Food, sondern editiert und entwickelt Rezepte für und mit anderen.

Ich wagte mich an das erste Rezept, als ich aus dem Urlaub zurückkam und das lange Feiertag-Wochenende nichts als geschlossene (Super-)Märkte präsentierte. Dank Graimes Rezepten liess sich mit meinem Vorratsschrank und dem Gefrierfach die Sorge vor dem Verhungern besiegen.

Manches Rezept erfordert Vorausplanung, wenn man zum Beispiel seine Kichererbsen oder schwarzen Bohnen selber einweicht, meistens aber ist der Aufwand wenig zeitintensiv. Nach Anleitung zu kochen ist manchmal schwerer als rein intuitiv am Herd zu stehen, hier freute ich mich über die kurzen und verständlichen Anweisungen. Vor allem gefielen mir die Vielfalt und die Ideen, die Graimes zu den Gemüsesorten anbietet: Zucchini mal persisch im Reisgericht, mal nordafrikanisch in der Tajine und mal asiatisch in einer japanischen Nudelsuppe, da öffnen sich ganz neue Horizonte. Das gilt auch für die schwarzen Bohnen, die sowohl mexikanisch als auch chinesisch mit frittierten Nudelnnestern brillieren können.

Ein Grund mehr für meine Begeisterung ist, dass auch geschmacklich alles stimmte – ganz nach dem Motto: Spiel, Satz und Sieg. Denn ehrlich, was ist enttäuschender als die Verheißung zu Großem, wenn am Ende alles nur heisse Luft gewesen ist? Vielleicht liegt der klare Vorteil des Kochbuchs darin, dass einem nicht so schnell langweilig wird, weder in Hinblick auf die Menge noch die geschmacklichen Einflüsse – egal, woran es liegt, „Die neue vegetarische Küche“ hat nach einer Woche einen Ehrenplatz auf meinem Kochbuchregal, auch wenn es dort noch lange nicht zu stehen kommen wird, denn es wird noch häufig zum Einsatz kommen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2013

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