Kochbuch von Nicky Sitaram Sabnis: Achtsame Ayurvedaküche

Kochbuch von Nicky Sitaram Sabnis: Achtsame Ayurvedaküche ★★★★★

Achtsame Ayurvedaküche
Nicky Sitaram Sabnis
Fotos: Katrin Winner
Autorenfoto: Vivi D’Angelo
Dorling Kindersley Verlag (2019)
Mehr über den Verlag

Sabine Cikic

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Vorweg: Ich liebe die indische Küche. Zahllose Kochbücher stehen in meinem Regal. Aber die ayurvedische? Um die habe ich bisher einen Bogen gemacht. Das lag vor allem an den theoretischen Unterweisungen, die ich für meist aufgebläht und unpraktisch befand. Allerdings musste ich immer wieder bei außerhäusigen Gelegenheiten eingestehen, dass die Küche köstlich und wirklich bekömmlich ist. Mit der Neuerscheinung von Nicky Sitaram Sabnis in der Hand beschließe ich, ihr endlich einmal auf den Grund zu gehen.

Denn „Achtsame Ayurvedaküche“ fängt gut an. Als hätte es meine Vorurteile antizipiert, ist der Theorieteil übersichtlich und spannend geschrieben. Wer mag, kann einen Konstitutionstest ausfüllen und sein dominierendes Dosha, d. h. einen der drei Konstitutionstypen Vata, Pitta und Kapha, bestimmen, muss aber nicht. Das Buch funktioniert auch so.

Kochbuchautor Nicky Sitaram Sabnis

Ich vertiefe mich daher zunächst in die Doppelseite mit den Grundrezepten für die drei Gewürzpasten mit Öl (Khandwas) sowie zwei trockene Gewürzmischungen. Praktisch ist, dass Autor Nicky Sitaram Sabnis (Foto links) vermerkt hat, welche Rezepte in dem Buch diese Grundzubereitungen verwenden. Hier wird also nichts angerührt, was man dann nur für ein einziges Rezept im Buch verwendet. Eine gute Idee!

Aber es kommt noch besser: Diese Grundrezepte sollen von ihrer Komposition in der Art so ausgewogen sein, schreibt der Autor, dass sie für alle drei Doshas gleichsam harmonisierend und wohltuend sind. Das Zauberwort heißt „Tridosha-Küche“. Es ist also sehr wohl möglich, ayurvedisch zu kochen und damit jedem Konstitutionstyp gerecht zu werden, der am Tisch sitzt. Man muss eben nicht für jedes Dosha extra kochen, was ayurvedische Kochbücher zwar immer wieder empfehlen, was aber natürlich gar nicht praktisch ist.

Tridosha-Küche regional und saisonal

Das Buch ist klassisch strukturiert nach „Frühstück“, „Vorspeisen & Kleinigkeiten“, „Suppen“, „Vegetarisch“, „Körnerküche“, „Hülsenfrüchte“, „Fleisch & Fisch“, „Brot“, „Salate & Raitas“, „Chutneys & Pickles“, „Desserts“ und „Getränke“. Beim Durchblättern staune ich, zunächst über die Zutaten: Pfifferlinge etwa, grüner Spargel in Kombination mit Himbeeren oder Rotkohl-Bratlinge. Es finden etliche Gemüse und Obst Verwendung, die ich nicht erwartet hätte, denn die ayurvedische Heil- und Kochkunst stammt ursprünglich aus Indien. Die Erklärung: Kochbuchautor Nicky Sitaram Sabnis lebt seit über 20 Jahren in Bayern und leitet dort auch Kochkurse. Er achtet auf die Verwendung hiesiger regionaler und saisonaler Produkte im Rahmen seiner Ayurveda-Küche. Ein Pluspunkt, finde ich.

Jedes seiner Rezepte soll eine sorgfältige Komposition der sechs Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb/zusammenziehend (adstringierend) sein. Nach unserem ersten, ausgesprochen köstlichen Mahl, für das ich den Nussigen Spinat mit geräuchertem Tofu zu den Babykartoffeln mit Datteln serviere, bin ich hin und weg: Ist es genau diese Ausgewogenheit der Rezepte, die es möglich macht, dass man sich nach dem Essen so gut und wohlig genährt fühlt?

Zum Weiterlesen

Website des Autors

Mehr Kochbücher zur indischen Küche bei Valentinas

Zwei weitere Pluspunkte: Die Rezepte sind jeweils für 2 Personen berechnet, was es einfacher macht, sie miteinander zu kombinieren. Und sie sind sehr unkompliziert und schnell in der Zubereitung. Ich staune, wie oft ich das Buch spontan zur Mittagszeit zur Hand nehme – der neue Homeoffice-Alltag macht es möglich – und für einen unkomplizierten Lunch etwa eine leckere Suppe oder ein feines Linsen-Masala finde, für das alles zur Hand ist und was man mit ein wenig Joghurt oder Chutney immer wieder neu variieren kann.

Ok, in meinem Vorrat gibt es aber auch gefühlt wirklich alles, Hülsenfrüchte, Kichererbsen und Kokosmilch sowieso, jedes noch so absurde Gewürz, Kokosmehl, Ghee und auch frische Curryblätter im Tiefkühler. Je nach Ausgangslage ist hier natürlich der Gang in den gut sortieren Asia-Shop unerlässlich.

Mit Nicky Sitaram Sabnis’ Kochbuch „Achtsame Ayurvedaküche“ können insbesondere auch Anfänger die wohltuende Wirkung ayurvedischer Rezepte kennenlernen. Die Neuerscheinung ist im Hinblick auf die Theorie angenehm niedrigschwellig, aber der kulinarische Teil ist sehr praktikabel. Denn die Rezepte sind für alle Doshas gleichermaßen konzipiert. Der Autor verwendet dabei regionale und saisonale Zutaten, sodass auch bekannte, heimische Produkte ganz neu entdeckt werden können. Die Rezepte sind unkompliziert und schnell in der Zubereitung. Für mich eine echte Entdeckung!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2020

3 Kommentare

  1. Sabine

    Liebe Christiane, in der Karl-Marx-Straße 12 (U Hermannplatz) gibt es einen kleinen Laden, wo ich sie schon öfter gekauft habe. Ich glaube, sie auch schon bei Zora am Kottbusser Damm gesehen zu haben (https://www.zorastore.de/). Viele Grüße, Sabine

    • Christiane

      Oh, vielen Dank für den Tipp!! Das ist ja gar nicht mal so weit weg, prima!

  2. Christiane

    Liebe Sabine, hast du einen Tipp, wo man frische Curry-Blätter bekommt? Ich war schon in diversen Asia-Shops. Leider ohne Erfolg. Ich wurde immer zu den gefrorenen Lime-Leaves geführt. Aber das ist ja nun wirklich nicht das gleiche. LG, Christiane

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