Kochbuch von Nathan Williams: The Kinfolk Table

Kochbuch von Nathan Williams: The Kinfolk Table ★★★★☆

The Kinfolk Table
Entspannt gemeinsam kochen und genießen
Nathan Williams
Fotos: Parker Fitzgerald
Knesebeck Verlag (2018)

Ulrike Thyll

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

The Kinfolk Table wäre mir allein schon durch sein Volumen im Buchhandel aufgefallen. Ich hätte es interessiert durchgeblättert und dann beiseitegelegt. Mein übliches Suchschema: interessante Rezepte in dichter Folge, schön bebildert, wird hier nicht bedient. Hier sind die Rezepte und Fotos von Gerichten nur eingestreut in längere Texte und Bilder über und von Menschen, die gerne kochen, und deren Lebensräume. Eine Systematik oder einen kulinarischen Schwerpunkt gibt es nicht.

Es wäre ein Fehler gewesen, das Buch nicht weiter zu beachten. Auf den zweiten Blick vermittelt seine gesamte Aufmachung gekonnt den Aspekt der ‚Entspannung‘ aus dem Untertitel. Die Farben der Fotos, das Papier, die Umschlaggestaltung, alles wirkt beruhigend und entschleunigend auf den Betrachter.

Ein globales Kochbuch für den Alltag

Und genauso soll auch das Kochen sein. Schon im vierteljährlich erscheinenden Kinfolk Magazine geht es um zwangloses Essen ohne kommerziellen Schnickschnack in der Tischedeko oder komplizierte Gerichte der Hochküche. Im Kinfolk Table werden Hobbyköche verschiedenen Alters mit höchst unterschiedlichen Berufen aus vielen Teilen der Welt mit jeweils einigen wenigen ihrer Rezepte vorgestellt.

In dem umfänglichen Buch kommt so eine beträchtliche Anzahl von Rezepten zusammen, die ihren Reiz in eben diesen Personen und ihre Lebens- und Familiengeschichten haben. So kochen diese Menschen für sich selbst und für Freunde. Die Gerichte sind fast immer einfach, verwenden hochwertige lokale Produkte und spiegeln häufig den Migrantenhintergrund ihrer Köche. Der hier vorgestellte Aspekt unserer globalen Kultur will so etwas sein wie das Gegenstück zum hochtechnisierten, hochkommerzialisierten Hochglanz- und Hochgeschwindigkeitsleben, das die öffentliche Wahrnehmung über die Medien dominiert. (Foto links: Autor Nathan Williams)

Diese Alternative ist ebenso reizvoll, wie es bei genauerer Betrachtung die Rezepte sind. Die mögen ja traditionell für die jeweiligen Personen sein, aber das bedeutet hier alles andere als Würstchen mit Kartoffelsalat.

Was taugen die Rezepte?

Entscheidend sind und bleiben natürlich in einem Kochbuch die Qualität und der Reiz der Rezepte. Inspirieren diese den Leser zur Tat? Wie bewähren sie sich beim Kochen? In meiner Teststrecke habe ich nach Lust und Laune gewählt, je nach den jeweiligen Kochbedürfnissen in unserem Haushalt. Gerade weil die Rezepte alltäglich sein wollen, findet man leicht Anwendungsmöglichleiten.

Salate, Hauptgerichte, Gebäck und Desserts, alles war problemlos in der Herstellung und schmackhaft. Gerichte mit exotischen Zutaten gibt es allerdings auch, denen bin ich erst mal aus dem Weg gegangen, was angesichts der Fülle des Angebots kein Problem war.

Zum Weiterlesen

Zur Website von Kinfolk

Leseprobe beim Verlag

Die Rezepte sind einfach, ja, aber meist mit einem Twist, der dann doch raffiniert ist. Meersalz im Schokomousse oder Zucchini im süßen Kuchen sind aber auch nicht wirklich neu. Das Kochen selbst ist völlig unspektakulär. Es geht hier eben nicht um Wow-Effekte, sondern um einfach gutes Kochen in einem möglichst entspannten Alltag. Und um Gerichte, die so gut schmecken, dass man damit Freunde und Familie glücklich machen kann. Das tun sie in der Tat.

Dieses Kochbuch hat keine Ambitionen im kochtechnischen Bereich oder in der Weiterentwicklung von Geschmackskombinationen. Es bildet Traditionen ab. Wer nach einem Kochbuch sucht, welches eine Fülle von einfachen und schnell zu verwirklichenden Rezepten für den eigenen Alltag oder die Bewirtung von Freunden sucht, findet hier ein wirklich großes Repertoire. Für mich ist dieses Buch so etwas wie ein Standardwerk neuer Art, das nicht versucht, die üblichen Kategorien (Vorspeisen, Desserts) abzudecken, sondern vielfältige Angebote in allen Bereichen von Speisen macht. Die mangelnde Systematisierung muss bei der Rezeptsuche kein Nachteil sein. Man schmökert sich so durch und wird fündig. Ich glaube, das wird mir in den kommenden Jahreszeiten noch oft so gehen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2018

Meistgelesen

Themen A-Z