Kochbuch von Natasha Corrett & Vicki Edgson: vegetarisch basisch gut


Kochbuch von Natasha Corrett & Vicki Edgson: vegetarisch basisch gut
 ★★★★☆

vegetarisch basisch gut

100 einfache basische Rezepte für Genießer

Natasha Corrett & Vicki Edgson
Fotos Lisa Linder, AT Verlag (2013)
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Stefanie Will

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ein Relikt aus meiner Vergangenheit als People-Journalistin ist meine chronische Schwäche für Victoria Beckham. Warum? Keine Ahnung. Außer tolle (wirklich tolle!) Kleider zu designen und ihren Körper auf gerade-noch-lebensfähig zu trimmen kann sie ja nicht viel, gestand sogar selbst einmal, noch nie ein Buch in der Hand gehabt zu haben. Insofern war ich überrascht, als sie vor zwei Jahren öffentlich von einem Kochbuch schwärmte: „’Honestly Healthy’ – ich liebe die Rezepte daraus!“ Sie kann lesen?! Sie kann kochen?! Sie isst?! Ich wusste zwar nicht, welche die größte Sensation war, dafür aber, dass ich dieses Buch unbedingt haben musste. Ich bestellte es, las es mit religiöser Inbrunst und kochte jedes einzelne Rezept nach. Meine Bibel, die nun unter dem Titel „vegetarisch basisch gut“ endlich auch hierzulande erschienen ist. 

Die Autorinnen Natasha Corrett und Vicki Edgson gelten in ihrer Heimatstadt London mittlerweile als absolute Gesundheitsgurus und führen einen äußerst populären Online-Lieferservice mit Gerichten, die im Körper basisch wirken und ihn somit in ein gesundes Säure-Basen-Gleichgewicht bringen sollen. Früher nannte man das auch einfach Basenfasten. Aber bevor Sie jetzt ihren Computer an die Wand pfeffern: Nein, dieses Buch hat nichts mit Hungern zu tun. Im Gegenteil: Schlemmen und dabei fit, schön und schlank werden, das ist das Ziel und vermutlich auch die Erklärung für das atypische Interesse von Frau Beckham. 

Klingt machbar

Der erste Teil des Buches ist eine in sieben Kapitel untergliederte Einführung in die basische Ernährungsweise. Welche Lebensmittel bilden im Körper sehr viel, welche nur ein bisschen, welche gar keine Säure und warum. Da wird der eine oder andere gleich das erste Problem sehen: Fisch, Fleisch und Geflügel stehen, wie der Buchtitel schon besagt, auf dem Index. Ebenso Kuhmilchprodukte, Zucker und Alkohol. Was aber nicht bedeutet, dass man das alles nie wieder essen darf. „Wir empfehlen die 80-20-Regel“, beruhigte mich Natasha Corrett, übrigens eine sehr attraktive Frau, der die Gesundheit quasi aus jeder Pore quillt, als ich sie im Zuge der englischen Veröffentlichung interviewte. Heißt: Wenn 80 Prozent des Essens aus basischen Nahrungsmitteln besteht, darf der Rest säurebildend sein. Klingt machbar. Und das ist es auch. Darauf erst einmal einen Sekt! 

corrett-portrDie Zutatenliste für eine basische Lebensweise ist lang: Sämtliches Obst und Gemüse, Bohnen, Sprossen, glutenfreie Getreidesorten wie Reis und Quinoa, Soja-, Kokosnuss-, Ziegen- sowie Schafmilchprodukte, Eier und, ja, sogar Schokolade ist erlaubt! Rohe Schokolade. Die ist zwar nicht billig, dafür aber vollgepackt mit Antioxidantien, Mineralstoffen und glücklich machendem Phenylethylamin. Zudem schmeckt sie extrem intensiv, weswegen man nur sehr kleine Mengen braucht – gerade mal zwei Esslöffel für die „Rohe Schokoladenmousse“ zum Beispiel. Und das ist nur eines von vielen köstlichen Desserts. Den „Kokos-Schokomousse-Kuchen“ etwa habe ich gleich drei Mal hintereinander gebacken. Ein Gedicht in einer Springform! 

Weil es aber nunmal Menschen geben soll, die sich nicht ausschließlich von Desserts ernähren wollen, enthält der Rezeptteil von „vegetarisch basisch gut“ noch fünf weitere Kapitel: „Frühstück“, „Vorspeisen und Suppen“, „Salate“, „Hauptgerichte“ und „Süßes und Snacks“ – insgesamt 100 Gerichte, die allesamt mit wunderschönen Fotos von Lisa Linder bebildert sind. Schon das Covermotiv, Mini-Pizzen (ja, Pizza!) mit ausgefallenen Belägen wie Zucchini, Feta und Zitrone, macht mächtig Appetit. Morgens locken Köstlichkeiten wie „Buchweizen-Pfannkuchen“ oder „Rührei mit überbackenen Champignons“ sowie eine große Auswahl an selbstgemachten Müslis und Smoothies. Weiter geht’s mit Leckereien wie die „Falafel-Wraps“, die zwar außerordentlich gut schmeckten, ihre Kugelform aber leider nicht lange hielten, sondern zerfielen. Vermutlich wegen des fehlenden Bindemittels. Ein kulinarisches Highlight auch für’s Auge waren aber der farbenprächtige „Kichererbsen-Süßkartoffel-Eintopf“, die „Quinoa-Cranberry-Burger“ und der „Salat mit Linsen und karamellisierten Birnen“. 

Die Energie schoss durch die Decke

Wer’s wirklich wissen und seine Gesundheit richtig auf Hochglanz polieren will, für den gibt es noch die fünftägige Diät, nein, Reinigungsphase, wie die Kur in dem Buch heißt. Die muss nicht sein, kann aber und soll den Körper von Giftstoffen und Schlacken befreien, die sich aufgrund einer zu unausgewogenen, säurelastigen Ernährung eingelagert haben können. Ein genauer Tagesplan gibt vor, welche der Rezepte wann verzehrt werden sollen. Ich hab’s probiert und fühlte mich tatsächlich wesentlich besser als zuvor. Haut und Haare strahlten, die Energie schoss durch die Decke, und Hunger hatte ich nie. Perfekt für alle, die nach den Feiertagen die Altlasten des vergangenen Jahres loswerden oder sich einfach nur fitter fühlen wollen.  

Aber obwohl ich das Buch heiß und innig liebe – ein Manko hat es leider. Die Zutaten sind teilweise sehr speziell und nicht immer billig. Quinoaflocken zum Beispiel, die anstelle von Haferflocken benutzt werden, oder rohe Nüsse bekommt man nur im sehr gut sortierten Bio-Markt oder über’s Internet. Ich lebe in Hamburg und musste oftmals auf Letzteres zurückgreifen. Kein Problem hingegen war die rohe Schokolade, die mittlerweile jeder größere „Alnatura“-Markt führt. Hat man diesen Shopping-Aufwand erst einmal betrieben, beginnt schon der nächste Marathon: Ein Großteil der Rezepte lässt sich nicht mal eben auf die Schnelle zubereiten, sondern bedarf Zeit, guter Vorbereitung und Ausdauer. Schnippeln, reiben, mahlen – naturbelassene Zutaten kommen nunmal nicht verzehrfertig abgepackt daher. Aus diesem, und nur aus diesem Grund ziehe ich einen Punkt ab. Wer aber gern in der Küche steht, das Aufstöbern manch exotischer Ingredienz nicht scheut und Lust auf ausgefallene Köstlichkeiten hat, der darf diesen Abzug getrost überlesen und sich auf ein fantastisches Buch über Genuss und Gesundheit freuen! 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2013

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