Kochbuch von Natalie Slater: Abgefahrn vegan – Good Food for Bad Vegans

Kochbuch von Natalie Slater: Abgefahrn vegan – Good Food for Bad Vegans ★★★☆☆

Abgefahrn vegan – Good Food for Bad Vegans
Natalie Slater, Fotos Celine Steen
Umschau Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Sabine Cikic

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Oha! „Natalie hat die vegane Küche neu erfunden.“ Mit ihrem „hochexplosiven Kochbuch“ wird sie es uns zeigen. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mich eine solche Stimmungsmache ansprechen würde. Und wage zu behaupten, dass ich schon einmal über Natalie Slaters Namen „gestolpert“ wäre, wenn sie denn eine Revoluzzerin wäre (in Bezug auf veganes Kochen, versteht sich). Aber man soll sich ja nicht von Vorurteilen leiten lassen.

kochbuch-natalie-slater-abgefahren-vegan-blog„Good Food for Bad Vegans“ – so lautet das Motto von „Abgefahrn vegan“, einem weiteren Blogger-Werk am Kochbuchhimmel. Wobei Natalie Slater samt Blog in hiesigem Lande noch weitgehend unbekannt sein dürfte. Dass es sich um ein Blog aus den USA handeln dürfte, wird den meisten wohl dennoch schnell klar sein, wenn sie einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis werfen: Süße Sachen – Kapitel 1. Gefolgt von Schlemmerfrühstück, selbstverständlich mit Donuts, Muffins, Pizza & Co. Kapitel 3 – „Sattmacher“. Ich frage mich, wer nach einem solchen Frühstück vor dem Abend überhaupt Hunger entwickeln kann, Bauarbeiter? „Snacks & Partyfood“, yeah, Kapitel 4 – Pizza-Cupcakes, Nacho-Cupcakes, Chicago-Popcorn usw. Sogar an eine Vorgarten-Party ist gedacht: man nehme einen Pappteller, bestreiche ihn auf der Unterseite mit Erdnussbutter und tunke diese in Vogelfutter. Dann stelle man sich in den Vorgarten, esse irgendwas von der Oberseite des Tellers und werfe diesen anschließend ins Gras und schaue den Vögeln beim „wild drauflospicken“ zu. Ja, das wird so wirklich empfohlen. Kapitel 5 und 6, „Saucen& Beilagen“ (Chips, Dips, Dressing und mehr Muffins) bzw. „Tipps, Tricks & mehr“ (Wie ersetze ich Ei? Was mache ich mit Tofu? Der hier übrigens „Fu“ heißt; Hinweise zu Vorräten, Equipment, Bezugsquellen usw.) „runden“ das ganze ab.

Das Buch ist grafisch sehr ansprechend für ein jüngeres Zielpublikum gestaltet, damit meine ich Schriftarten und –größe, Layout, Fotos. Ob die ganze Story mit dem „ich-bin-eine-total-krass-tätowierte-Wrestlerin“ und “hey-schau-mich-an-vegan-kann-nicht-so-übel-sein-wenn-ich-noch-Wrestling-machen-kann“ so jedermanns Sache ist, sei dahingestellt – in jedem Fall aber ist sie schrill und originell. Auch hat es wohl noch kein halbnackter Profi-Wrestler (hier: „CM Punk“) zum Vorwort eines Kochbuchs gebracht.

kochbuch-natalie-slater-abgefahren-veganIch wundere mich über die Rezepte und sinniere über die Bedeutung von „good food“ und „bad vegans“. Ich beschließe, damit aufzuhören und einfach mal aus dem Buch zu kochen. Den Beginn macht die Taco-Lasagne und wir stellen beim Essen fest: deutlich besser als erwartet. Das macht Mut. Aber am Ende haben wir doch einen eher durchwachsenen Eindruck gewonnen. Die Mehrheit der nachgekochten Rezepte würde ich nicht wiederholen wollen. Zutaten wie Chick-O-Sticks, Nutter-Butter-Kekse, Tropical Punch Kool-Aid und Atomic Fireballs werde ich wohl nicht online bestellen, um sie kennenzulernen. Frau Slater schreibt, man könne sie einfach weglassen (??) oder ersetzen (wobei keine Ersatzprodukte angegeben werden).

Oft frage ich mich, was sich Frau Slater bei den Portionen-Angaben denkt, der US-amerikanische Klassiker Mac & Cheese zum Beispiel reicht in ihrer veganen Version mit 450 g Nudeln für 8 Personen. Vielleicht entspricht das der vertretbaren Kalorienzahl pro Mahlzeit, aber mit Sicherheit nicht einer normalgroßen Portion.

Ein Buch für Liebhaber der US-amerikanischen Küche, die auf Kuchen zum Frühstück stehen und sich nicht scheuen, die angefutterten Kalorien beispielsweise beim Wrestling wieder abzutrainieren.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2015

8 Kommentare

  1. Melanie

    Warum übersetzt man so ein Buch 1:1 ,das eigentlich für die USA gemacht wurde? Wahrscheinlich weil es auch Wrestling-Fans hier gibt und vielleicht vegan leben möchten? Gibt es hier davon so viele?
    Lieber Umschau-Verlag es gibt noch einige Kochbücher, die man nicht übersetzt hat und die es vielleicht eher verdient hätten.

    • Katharina

      Ach, ich finde verlegerischen Spielraum für Außergewöhnliches gut. Es kann ja nicht immer ein Treffer sein. 🙂

      • Melanie

        Das stimmt schon, aber müssen dafür wirlich Bäume sterben, ein Verlag sollte auch mal an die Umwelt denken (man hätte es auch als E-Book herausgeben können). 😉

        • Katharina

          .-)
          Zum Glück ist die Papierherstellung inzwischen so resoucenschonend. Aber wartet ab – demnächst kommt ein echter Hit von Umschau hier auf Val – da verzeiht man alles – auch verlegerische Fingerübungen. 🙂

  2. Claudia

    3 Sterne bei solch einer Bewertung?

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