Kochbuch von Nargisse Benkabbou: Casablanca

Kochbuch von Nargisse Benkabbou: Casablanca ★★★★★

Casablanca – Authentische Rezepte aus Marokko
Nargisse Benkabbou
Fotos: Matt Russell
Südwest Verlag (2018)

Julia Eckl-Dorna

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Als ich das Kochbuch „Casablanca“ in Händen halte, kommen mir unweigerlich als erste Assoziation „Ricks’s Café“ und Humphrey Bogart aus dem gleichnamigen Film in den Sinn. Allerdings wird in dem Film, der fast ausschließlich im Studio gedreht ist, zwar viel getrunken, aber wenig gegessen … und schon gar nicht marokkanisch. Bei genauerer Überlegung kenne ich die Küche Casablancas und Marokkos eigentlich kaum. Höchste Zeit auf Entdeckungsreise zu gehen – ob wohl die marokkanische Küche so vielseitig ist wie der Film berühmt?

Schon der Einband ist ansprechend – ein silberner Löffel mit leuchtend rotem Safran ist das Einzige, was ihn ziert und mich gleich in den Bann zieht. Nargisse Benkabbou ist Belgierin, aber seit frühester Kindheit dank marokkanischer Eltern mit der Küche ihrer Heimat vertraut. Eigentlich zog das Politikstudium sie nach London, nach einem Kurs an der „Leith School of Food and Wine“ jedoch beschloss sie, das Hobby zum Beruf zu machen und begann mit ihrem Blog „My Moroccan Food“ ihre Mission, die Düfte und Aromen Marokkos in andere Küchen zu bringen. Und so viel kann ich hier schon verraten: Meine Küche hat sie eindeutig erreicht.

Authentisch und alltagstauglich

Die angenehme Schlichtheit des Einbands setzt sich auch im Buch fort. Die Gerichte sind einfach, aber gekonnt in Szene gesetzt und hier Gerichte auszuwählen fällt mir aufgrund der Fülle köstlich klingender Rezepte wirklich schwer. Neben der üblichen Aufteilung in Vorspeisen, Fleisch, Fisch etc. gibt es interessanterweise auch ein eigenes Kapitel über Brot. Hier finden sich sowohl Brotsorten für die Zubereitung im Backrohr als auch in der Pfanne, die für viele Gerichte eine perfekte Beilage darstellen und ohne lange Gehzeiten einfach zuzubereiten sind. Für mich gab es hier viel Neues zu entdecken.

Angenehmerweise sind auch alle Zutaten einfach zu bekommen. Viele Gerichte sind rasch zubereitet und „alltagstauglich“, nur einige der Tajine-Rezepte müssen länger vor sich hin köcheln. Zu jedem Rezept finden sich ein paar einleitende Worte, die den Namen des Rezepts und auch Tipps zur Zubereitung erläutern. Alles in allem ein sehr bewusst gestaltetes Kochbuch.

Marokkanische Küche neu interpretiert

So wie die Stadt Casablanca laut Nargisse Benkabbou (Foto links) eine Mischung aus Tradition und Moderne darstellt, präsentiert die Autorin auch in ihrem Buch nicht nur traditionelle marokkanische Gerichte, sondern lässt sich von den Aromen ihrer Heimat zu neuen Interpretationen westlicher Gerichte inspirieren. Selten erlebe ich so einstimmige Begeisterung für Gerichte von Freunden und Familie wie bei den Rezepten dieses Kochbuchs.

Normalerweise ist es nicht ganz einfach, meine Kinder davon zu überzeugen, dass Pfannkuchen nicht zwingend süß sein müssen. Aber die marokkanischen Pfannkuchen „Baghrir“ mit cremiger Pilzsauce waren sofort ein Hit. Die Kombination aus Weizengrieß und Hefe machte sie luftig und leicht. Verblüffend einfach in der Zubereitung und vielschichtig im Endergebnis war auch das „Rauchige Zaalouk“ – ein cremiger Auberginen-Tomaten-Dip, dem die Kombi aus Honig, geräuchertem Paprikapulver und Kreuzkümmel das „gewisse Etwas“ verlieh. Dazu ist übrigens das selbst gemachte Fladenbrot fast ein Muss.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website der Autorin

In der Tajine mit Rindfleisch, Zucchini und Thymian durften sich die ansonsten öfters fad schmeckenden Zucchini von ihrer besten Seite präsentieren. Überhaupt haben uns die Tajines und Eintopfgerichte in diesem Kochbuch restlos begeistert und werden uns in diesem Herbst und Winter sicher noch häufiger wärmen. Um meine Beziehung zur marokkanischen Küche in Humphrey Bogarts Worten auszudrücken: „I think this is the beginning of a beautiful friendship.“

„Casablanca“ ist ein Kochbuch, in dem man die Begeisterung der Autorin für ihre marokkanischen Wurzeln auf jeder Seite spürt. Sowohl traditionelle Tajine-Gerichte als auch marokkanisch inspirierte westliche Gerichte (wie das Harissa-Zitronen-Hühnchen) überzeugen durch ihre ausgewogene geschmackliche Vielschichtigkeit. Das Buch wird sicher noch bei vielen Essenseinladung hervorgeholt werden, denn die Gerichte sind einfach in der Zubereitung, aber haben das „gewisse Etwas“.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2018

1 Kommentare

  1. Katja

    Hallo, Ihr lieben Tester toller Kochbücher, nach dieser Rezension MUSSTE ich mir dieses Buch bestellen, zudem wir im April/Mai 3 Wochen in der Nähe von Casablanca, in El Jadida, verbrachten. Allerdings wurden wir gastronomisch nicht besonders verwöhnt! Die Gastronomen dieser Gegend scheinen diese genialen Rezepte nicht zu kennen!
    Vor 2 Wochen musste ich einen orientalischenAbend gestalten – besonderen Anklang (ratzfatz weg) fand die Süßkartoffel-Feta Maakuda, eine unheimlich cremig, frittierte Art von Kartoffeltaschen (ich hab noch Jalapenos in der Füllung versteckt) mit einem Dip namens Shug (jemenitische grüne Chilipaste mit viel Koriander und Petersilie). Auch der Zucchini-Eier-Salat mit Kreuzkümmel schmeckt unglaublich würzig und spannender als der Name sich liest. Für die Liebhaber der orientalischen Küche (und solche die es werden wollen) kann ich dieses Buch vorbehaltlos empfehlen Danke für den Buchtipp!

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