Kochbuch von Nadine Levy Redzepi: Downtime

Kochbuch von Nadine Levy Redzepi: Downtime ★★★★★

Downtime – Soulfood der Extraklasse
Nadine Levy Redzepi
Fotos: Ditte Isager
Knesebeck Verlag (2018)

Isabel Geigenberger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ein Erstlingswerk mit durchschlagendem Medienecho – Fernsehauftritte, Artikel, Rezensionen: So kann das sein, wenn der Ehemann René heißt und seine Butze namens Noma als bestes Restaurant der Welt ausgezeichnet wurde. „Was um Himmels willen …“, so die vielerorts gestellte Frage, „… kocht frau nur, wenn so ein verwöhntes Luxuszünglein nach Hause kommt?“

Die Antwort: bodenständig – with a twist. Nudeln, Kartoffeln, Rippchen und Kotelett. Gern mal mit ’ner ordentlichen Trüffelsauce, nicht an Butter gespart, und auch mal ein gebeiztes Eigelb. Und man verwurstet die gemeinsamen kulinarischen Urlaubserinnerungen. Das Ganze – mit drei Töchtern – bitte kinderkompatibel. Ein Konzept also, das ganz viele KochfreundInnen ansprechen dürfte.

Auch die Aufmachung gefällt: hochwertig in Dunkelblau und Gold der Umschlag, feine Fotografie und übersichtliches Druckbild. Persönliches nur dezent, keine Glamour-Hausfrauen-Lügenbilder. So fühlt sich jede meiner Freundinnen (und Töchter) von diesem Kochbuch angesprochen – Nadine Levy Redzepi (Foto links) scheint einen Nerv zu treffen.

1 kg gesalzene Butter gehört zum Vorrat

Auch ich freue mich am unprätentiösen Stil: die Aufteilung der Hauptkapitel in „Zu Beginn“, „Hauptgerichte“, „Desserts“ – so was hab ich ja schon länger nicht mehr gesehen. Die Einleitung samt Ergänzung zu „Vorratschrank“ und „Utensilien und Geräte“: einfach sympathisch und von gesundem Menschenverstand geprägt. Schon hier lässt sich erahnen, was sich später bestätigt: Kalorienzählen oder aktuelle Ernährungstrends sind absolut kein Thema – Frau Redzepi hat immer 1 kg gesalzene Butter auf Vorrat und verbraucht pro Woche sechs Dutzend Bio-Eier (3 Erwachsene, 3 Kinder im Haushalt).

Zu Beginn der drei Hauptkapitel erfolgt eine nochmalige Unterkategorisierung mit einer nützlichen Übersicht. Also etwa „Zunächst eine Kartoffel“ mit knollenlastigen Rezepten samt der jeweiligen Arbeits- und Zubereitungszeit. Das ist auch ganz nett. Nicht ganz so gelungen ist die Indexierung im Register, so finde ich das in Interviews gern erwähnte Rezept des ersten Dates von Nadine und René nicht unter „Leber“ oder unter „Hühnerleber“, sondern nur unter „Geflügel“. Wenn ich mir von einem Rezept beim Durchlesen nur eine der Hauptzutaten gemerkt habe, wird es so schwierig, es wiederzufinden.

Klare Gliederung – wertvolle Hinweise

Was mir super gefällt, ist die Methode, die einzelnen Schritte in einzelne Absätze zu nummerieren und Ausführlicheres/ Anmerkungen kursiv-grau dazwischen zu setzen. So werde ich nicht von einer Textwüste erschlagen und behalte die Übersicht, bekomme aber trotzdem die oft sehr hilfreichen Details. Weniger schön ist, dass ich bei fast jedem Rezept während des Kochens hin- und herblättern muss, einfach weil stets zuerst ein ganzseitiges Foto gesetzt wurde. Das ist echt ein Nachteil mit klebrigen Fingern oder wenn man wie ich einen schicken Kochbuchhalter nutzt, aus dem man das Werk dann erst wieder rausheben muss. Ganz nebenbei wird Weiterführendes vermittelt, so heißt es am Ende eines Rezeptes häufiger: „Glückwunsch, Sie können jetzt …“ – Beurre blanc zubereiten, Mayonnaise selbst machen, und dazu folgen Vorschläge für andere Einsatzmöglichkeiten.

Instagramwürdige Arrangements

Ich wurde gefragt, ob in diesem Familienkochbuch auch die Einflüsse des sternkochenden Ehemanns zu spüren sind – auf alle Fälle! Bei der selbstverständlichen Anwendung von eingelegten Trüffeln zum Beispiel, beim unendlich großzügigen Umgang mit Butter und Eiern, beim raffinierten Aufmotzen heimelig-einfacher Gerichte. So wird aus der Kürbis-Karotten-Suppe im Arrangement mit Pinienkernen, Paprikapulver, frittiertem Salbei und Parmesan eine instagramwürdige Augenweide. Sehr fein und lecker.

Die Portugiesischen Schweinekoteletts mit Klebreis – supereinfach und schnell und zum Reinessen. Das verbinde ich ja am ehesten mit „Downtime –Soulfood“: ein warmes Gefühl im Bauch, Heimeligkeit und den Wunsch, einfach immer weiterzulöffeln. Apropos der Titel: „Soulfood“ – was soll das eigentlich sein? Ich hab mal nachgeschlagen: Im Englischen ist Soulfood die Küche des US-amerikanischen Südens – der englische Titel lautet entsprechend auch anders: „Downtime – Deliciousness at home“. Und im dänischen Original „Downtime – Heimeligkeiten op den Keuken“, also etwa „Leckereien aus der Küche“. Hätte man vielleicht auch im Deutschen lassen können.

Klebrig-süße Träume…

Der schöne äußere Eindruck setzte sich beim Nachkochen zunächst fort.
Bei den Desserts landete ich dann beim „Traumkuchen“. Dabei handelt es sich um eine dänische Tradition, als klebrig-süße Angelegenheit angekündigt. Ich hatte schon mal Trine Hahnemanns Version gebacken und die Familie viel Freude dran, wenigstens die Kokosfreunde. Beim Backen des neuen Rezepts wurde mir dann angesichts der addierten Zuckermengen – zum Einsatz kommen Kristallzucker und brauner Zucker – etwas schummerig. Neugierhalber hab ich die beiden Rezepte nebeneinandergelegt. Bei Frau Hahnemann 130 g Butter und 475 g Zucker – bei Frau Redzepi 310 g Butter und 800 g Zucker. Der Hammer, oder?

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Ich bin brav am Rezept geblieben – geht ja um Soulfood und nicht um Schlank-im-Schlaf. Das Ergebnis war zudem für einen Kuchenbasar bestimmt, damit sind die Kalorien dann kein Familienproblem. Aber für mich war das Ergebnis dann auch wirklich v i e l v i e l zu süß – geht eigentlich eher Richtung von orientalischen mit Honig oder Sirup getränkten Süßspeisen. Damit war das Kapitel Desserts für mich beendet, zumal auch beim Rezept für den Allroundkuchen die Zuckermenge die Mehlmenge übersteigt. Hier leben wir wohl auf verschiedenen kulinarischen Planeten.

Es ist ein wirklich liebevolles und schönes Buch – Nadine Levy Redzepis ursprüngliche Idee, einen Familienschatz an Rezepten zu schaffen, die tradiert und somit Teil der kulinarischen Familienerinnerung werden, liegt mir und ich werde mit Freude weitere Rezepte probieren, wie das gebeizte Eigelb auf Kartoffelpüree, die Muscheln mit Chorizo, das japanische Omelett mit Klebreis und anderes. Ein wirklich gelungenes Homecooking-Buch, jedenfalls für Butter-, Zucker- und Fleischfreunde. Für meinen kulinarischen Alltag bräuchte es mehr reine Gemüsegerichte, dafür etwas weniger Fleisch. Mit den Fettmengen kann ich umgehen, mit den Zuckermengen weniger.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2019

3 Kommentare

  1. Katja

    Da jetzt Spargelsaison ist,habe ich mich für mein momentanes Lieblingsrezept entschieden, mit hohem Suchtfaktor.
    Rezept von Margit Kunzke: Spargelspitzen mit Haselnuss-Zwiebel-Sauce einfach köstlich wie die anderen 102 Favoriten
    von mir hier.

  2. Margit

    Liebes Valentina-Team,
    musste länger nachdenken, aber ein Gericht kommt regelmäßig auf den Tisch: Rezept von den Reith-Schwestern: Hähnchen-Mango-Salat mit Raita. Wir lieben dieses Zusammenspiel von Frucht-Schärfe und Süsse.
    Aber, es gibt viele tolle Rezepte…..

  3. Birgitta

    Liebes Valentina Team, wo soll ich da anfangen, wo aufhören? Es gibt sooooo viele feine und leckere Rezepte!
    Ein geliebter Begleiter seit Jahren ist der Elsässische Apfelkuchen von Ilse König, höchst delikat auch der Rote-Bete-Karottensalat von Andy Harris, der Orangensirup von Bettina Mathaei, die Crostinis von Russel Norman……..
    Es gäbe noch viele andere Rezepte mehr, die Erwähnung verdienten.

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