Kochbuch von Monica Medina-Mora und Angeles Ayala: Mexikanisch kochen

Kochbuch von Monica Medina-Mora und Angeles Ayala: Mexikanisch kochen ★★☆☆☆

Mexikanisch kochen
Monica Medina-Mora & Angeles Ayala, Fotos E. Neish, Umschau Verlag (2008)
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Katharina Höhnk

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Von der Rezeptsammlung Mexikanisch kochen hatte ich erhofft, dass sie sich als Geheimtipp entpuppt. Tatsächlich versetzt das Kochbuch den Leser in die permanente Lage darüber nachzudenken, wie dieses und jenes besser gemacht werden könnte. Die Rezepte, das Layout und prominent platzierte Kalorienangaben geben dafür die Vorlage. Zwar nicht in dem Maße, dass sie das Kochvergnügen knacken, aber so, dass andere Inspirations- bzw Informationsquellen aushelfen müssen. 

Avocado, Koriander, Limette, Chili, Tortilla, Bohnen – ich kann mir keine Geschmacksnerven vorstellen, die sich nicht von der mexikanischen Küche bercircen ließen. Aber ich kann mir Homecooks vorstellen, die bei dem Spiel von Schärfe, Frische und Säure abwinken. Nicht aus mangelndem Abenteuergeist, sondern aus praktischen Gründen. Denn die Schlüsselzutaten gehören hierzulande nicht zur kulinarischen Allgemeinbildung und schon gar nicht in das Standardrepertoire eines Supermarkts. Ich erwähne nur Tomatillo, Guajillo, Jalapeno, Ancha und Pasilla.

Ein Kochbuch kann auf die Tatsache nur eine Antwort geben: Den Leser für die Suche nach den Zutaten an die Hand zu nehmen bzw mit ihm das Herstellungswissen zu teilen. Eigentlich selbstverständlich. Die Autorinnen Monica Medina-Mora und Angeles Ayala überraschten mich – wir scheinen in diesem Punkt unterschiedlicher Meinung zu sein. Zwar erläutern sie auf acht Seiten die Landesküche, aber sie werden knauserig wenn es um die einzig unmissverständliche Darstellungsart geht – Fotos. So gibt es keine Abbildungen von Chili & Co in dem sonst reich bebilderten Buch. Und keine Rezepte für Tortillas. Gerade sie habe ich vermisst, seit ich die kleingedruckte Zutatenliste abgepackter Tortillas studiert habe. Die klang nicht gesund.

Mein Auftaktrezept waren Garnelen in Limettensaft. Sie wurden wohlwollend aufgenommen. (Nur ich dachte im Stillen, dass es mit mir und den TK-Teilchen nichts mehr wird – ich schmeckte nur Gummi, aber das hat natürlich nichts mit dem Rezept zu tun.) Es folgte eine gute Suppe und eine nette Salsa zum Fisch. Auf die Spur, was in dem Kochbuch wirklich steckt, brachten mich die Rezepte für grünen Reis und Guacemole. Sie beglücken keinen Koch. Mit ihnen wurde mir klar, dass es gelungenere Varianten der Rezepte aus Mexikanisch kochen gibt. Z. B. wird normalerweise Guacemole als Creme zubereitet. Hier spielt die Avocado ihre einmalig samtige Konsistenz aus. Für die Zubereitung aus Mexikanisch kochen wird die Avocado gewürfelt. Das mag authentisch sein, aber die Frucht büßt ihre kulinarischen Möglichkeiten ein. Ähnlich beim Grünen Reis, der trotz vieler Zutaten wie Koriander und Spinat völlig geschmacksfrei war. Ich habe dann bei den Kollegen der Autorinnen gelinst: Sie verwenden Petersilie statt Spinat – das klingt nach mehr Aroma. Trotz der mauen Erlebnisse entdeckte ich auch köstliches Neuland mit dem Heißgetränk Erdbeer-Atole aus Zucker, Milch, Maismehl, Beeren und Wasser sowie den Hackbällchen in Chipotle-Sauce. Das war allerdings dem Glück der Unkenntnis und weniger der Rezeptsammlung geschuldet.

Die Foodfotos werden jedem Betrachter zufrieden stellen, stimmungsvoll und reich in der Anzahl sind sie. Leider werden sie begleitet von einem Layout, das die Ursprungsidee seines Sinn & Zwecks vergessen hat – Betonung des Sujets und Klarheit für den Leser. Besonders irritiert haben mich die Kalorienangaben und Gesundheitstipps, die in gleicher Schriftgröße – also in der Wichtigkeit knapp auf Augenhöhe – jedes Rezept „untermauern“. Noch rätselhafter ist, warum die Aufzählungen 1, 2, 3 als Wort ausgeschrieben werden und im Fließtext erscheinen. Das entlockt ein Grrrr in der Hektik des Kochens für die Unübersichtlichkeit.

Vergessen werde ich die Rezeptsammlung allerdings aus einem Grund nicht, einem wortwörtlich scharfen Erlebnis: In einer großen Supermarktkette entdeckte ich unerwartet eine Selecion aller Chilis, die ich für das Kochbuch benötigte. Ich war begeistert. Zuhause habe ich mir von allen ein feines Scheibchen abgeschnitten, um den Unterschied der Sorten zu schmecken. Ich Naive. 1 Liter Milch trank ich, um das Feuer auf meiner Zunge zu löschen. Die von mir ausprobierte Habanero erreicht auf der Schärfeskala lockere 10/10 – das habe ich später nachgelesen. Das vergesse ich nie.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2011

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