Kochbuch von Molly Shuster: Alles auf 1 Blech

Kochbuch von Molly Shuster: Alles auf 1 Blech ★★★★☆

Alles auf 1 Blech – Clever im Ofen gegart
Molly Shuster
Fotos: Lauren Volo
AT Verlag (2017)
Mehr über den Verlag

Thomas Knogge

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

„Dieses Buch wird Ihnen das Leben erleichtern!“, dieses Versprechen ist mir sehr willkommen. Wer möchte nicht sein Leben vereinfachen? Vor allem als Koch zu Hause? Das Simplify-Werkzeug heißt Backofen und steht in (beinahe) jeder Küche. Der Kniff: Die ganze Mahlzeit kommt vom Blech.

Das Thema liegt in der Luft. Eine Handvoll „Blechkochbücher“ sind gerade erschienen. Sie interpretieren die Sehnsucht nach dem schnellen Kochen wieder einmal neu in einer scheinbar konzertierten Aktion. Auch Molly Shuster will mit wenigen Zutaten aufs Backblech „geworfen“ köstliche Gerichte zaubern. Die so gewonnene Zeit steht zur freien Verfügung. Da greife ich zu.

Molly Shuster (Foto links) erklärt nach einer sehr kurzen Einleitung die zehn Punkte ihres Blechkochen-Vorgehens: Hauptzutat wählen, dann die Methode und damit auch die zugehörige „Bratform“ (Backblech, Bräter oder Auflaufform) aussuchen. Diese Schritte sind allerdings in den Rezepten schon vorsorglich festgelegt. In den weiteren Punkten verrät sie, woher das Aroma kommt: Knoblauch, Schalotten und Zwiebeln dienen als Grundwürze, frische Kräuter sind von Bedeutung.

Dann folgt bereits die erste kleine Einschränkung des Buchversprechens von „Alles auf 1 Blech“: Molly verweist auf die Saucen-Rezepte – wie Aioli und Kapern-Zitronen-Sauce – und auf Beilagen wie Polenta und Blumenkohlpüree, die für eine größere Anzahl Esser die Ofengerichte ergänzen sollen.

Der Notiz folgt dann auch schnell meine Erkenntnis: Nicht alle Ofengerichte sind „vollständige“ Mahlzeiten, es bedarf dann noch weiterer Kochvorgänge. Das Rezept für das marokkanische Hähnchen besteht nur aus dem Huhn (!), könnte aber tatsächlich eben auch gut mit dem Couscous (für das ebenfalls eine eingelegte Zitrone verwendet wird) ergänzt werden.

Nach diesem schnellen Einstieg legt Molly Shuster mit den Rezepten los für Fleisch, Fisch, Gemüse sowie Anleitungen zu Desserts und Snacks aus dem Ofen. Schön die Idee, sich pro Gericht eine Doppelseite zu leisten: links ein Blech-Foto VOR und rechts NACH dem „Ofengang“. Die Texte sind in einem weiß hinterlegten Kasten immer auf der linken Seite untergebracht. Ein übersichtliches und einfaches System, passend zu den Gerichten.

Familientaugliche, unkomplizierte Gerichte

Angefangen habe ich mit dem Rinderfilet mit Pilzen, Brokkoliröschen und Schalotten: Filetsteaks in die Mitte des Blechs legen, alles andere mit Olivenöl und Thymian vermischen und drum herum legen. Salzen und pfeffern und … ab in den Ofen. Das ist ein Paradebeispiel für das Konzept: schnell vorzubereiten, alles zusammen auf das Blech legen und dann einfach in den Ofen schieben. Nach 20 Minuten hatten wir ein absolut zartes Rinderfilet, zu dem das Gemüse wunderbar passte. Das Röstaroma des Anbratens fehlte natürlich, aber ergänzt um Baguette hat es allen gut geschmeckt.

Ähnlich einfach war der gegrillte Halloumi-Käse mit Mangold, Frühlingszwiebeln und Strauchtomaten. Auch hier reichten 15 Minuten Backzeit plus einige Minuten grillen für eine kleine Mahlzeit mit wenigen Zutaten aus. Aber ohne Beilage wäre es zu wenig und auch zu langweilig gewesen. Hier hilft das Buch mit Rezepten zu Reis-Pilaf oder Couscous aus, die, während der Rest im Ofen schmurgelt, zuzubereiten sind.

Der Lachs mit kleinen Kartoffeln und grünen Bohnen (Foto oben) wiederum bildete eine ganze Mahlzeit. Dabei werden die Kartoffeln erst allein vorgebacken und nach 15 Minuten um die weiteren Zutaten ergänzt. Die zerschnittenen grünen Oliven am Schluss darüberzustreuen, ist noch mal eine gute Idee. Die angegebene Menge Harissa von einem Teelöffel pro Lachsfilet sollte mindestens verwendet werden, um eine gewisse Grundschärfe zu bekommen, und bei den Bohnen habe ich noch Bohnenkraut hinzugefügt.

Insgesamt habe ich immer das Gefühl, dass noch etwas mehr Gewürze den Gerichten ganz guttun würden. Als Snack habe ich die Pekannüsse mit Ahornsirup ausprobiert, die sich als nunmehr schon mehrfach hergestellte kleine Überraschung bewährt haben!

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim AT Verlag

Website von Molly Shuster

Als Leser möchte ich immer wissen, wer hinter einem Buch steht. Die Recherche im Netz führte mich auf ihre Website. Angesichts der Flut an ästhetischen Fotos war ich echt überrascht, dass im Buch kein Hinweis darauf zu finden war. Andererseits passt diese Zurückhaltung aber auch zum Konzept des Buches: zum Kochen mit wenigen Zutaten und zum Schreiben mit sparsamen Erklärungen.

Die Erwartungshaltung für das Buch muss stimmen. „Alles auf 1 Blech“ stimmt nur in Teilen. Die Gerichte brauchen immer mal wieder Begleiter, die nicht vom Blech kommen. Dafür kommen sie aber mit wenigen Zutaten aus, und vor allem die Hauptsache stimmt: Die Gerichte schmecken und sind im Herzen einfach. Molly Shuster bietet unkomplizierte Küche, bei dem der Ofen immer zum Einsatz kommt, manchmal auch der Herd & Co.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2018

Meistgelesen

Themen A-Z