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Viel Freude
Katharina Höhnk

Kochbuch von Misha & Vicki Collins: Mmh, mir schmeckt’s! ★★

Mmh, mir schmeckt’s – Wie Sie Kinder für gesundes Essen begeistern, Misha & Vicki Collins, Fotos: Michèle M. Waite, Riva Verlag (2020)

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Maike von Galen

Von

Brokkoli isst man mit großem Salatbesteck – alles andere direkt mit den Fingern. Wer keine Angst vor Chaos in der Küche hat, wird mit diesem etwas anderen Ernährungsratgeber des amerikanischen Schauspielers Misha Collins und seiner Familie viel Spaß haben. Und nie wieder sagen: „Iss den Salat, dann gibt es einen Keks.“

Ein Tisch voller frischem Gemüse, daran zwei lachend entspannte Eltern und zwei Kinder, die fröhlich Kohlrabi naschen und Parmesan reiben – so präsentieren sich die Collins (Foto unten) auf ihrem Kochbuchtitel, der zugleich ein Versprechen ist: Seht her, unsere Kinder essen bergeweise Gemüse, das können eure auch.

Kochbuchautoren Misha & Vicki Collins

Nun sind meine Kinder (fünf und drei Jahre sowie acht Monate alt) gar nicht völlige Grünzeug-Verweigerer. Vor allem Paprika, Gurken und Tomaten vertilgen sie in Mengen. Und doch kenne auch ich das klassische „Mag ich nicht“-Gemecker, die Skepsis vor Fremdem und Neuem auf dem Teller. Für mehr gute Laune am Abendbrottisch blättere ich also durch das 260 Seiten starke Kochbuch, das zu zwei Teilen Ratgeber und einem Teil Rezeptsammlung ist.

Der Schauspieler Misha Collins und seine Frau Vicki wurden 2010 das erste Mal Eltern. Ihren Sohn West wollten die beiden gesund ernähren, viel selbst kochen, ihn früh mit einbeziehen, für Essen begeistern. „Doch dann holte uns die Realität ein“, schreibt Misha Collins in seiner Einleitung: „Bald ertappten wir uns dabei, dass wir den Kleinen Beutel mit Fruchtmus zum Ausquetschen in die Hand drückten und sie ermahnten, Ruhe zu geben, während wir ihre Nudeln auf dem Herd aufwärmten.“

Chaos & Geduld

Also doch keine Übermenschen, denke ich beim Lesen und fühle mich ihnen gleich ein bisschen näher. Auf vielen Seiten Theorieteil beschreibt das Ehepaar seinen „neuen Weg“ zum Essen mit Kindern, mit netten Nachdenk-Elementen wie der Frage: „Welcher Elterntyp sind Sie: Der Diktator? Der Bettler? Der Verkäufer?“ Während die Collins offensichtlich jede Menge Literatur zum Thema Kinder und Ernährung gelesen haben, ist ihr eigenes Prinzip herrlich unwissenschaftlich: Es beruht im Wesentlichen auf Chaos und Geduld.

Um Kinder für gesundes Essen zu begeistern, muss man sie damit spielen lassen, so das Credo des Buches: mit überdimensioniertem Besteck oder gleich ganz mit den Fingern. Mit selbst kreierten Rezepten und ungewöhnlichen Geschmackskombinationen. Warum müssen schließlich immer Erwachsene entscheiden, was gut zusammenpasst?

Kochbuch von Misha & Vicki Collins: Mmh, mir schmeckt’s

Also stelle ich den 5-Jährigen und die 3-Jährige in die Küche, gebe jedem ein leeres Marmeladenglas und stelle vor sie eine große Auswahl an Zutaten für eine Salatsauce: Essig, Öl, Zitrone, Joghurt und Senf, aber auch Ketchup und Mayonnaise sind dabei. Und während meine Tochter in ihr Glas Berge von Ketchup und Mayo türmt, beginnt der Große wirklich zu probieren: Fehlt noch Salz? Ist die Sauce zu sauer? Zu süß? Zum Abendessen gibt es dann ein Salatbuffet – jeder darf das in seine Schüssel tun, was er mag, ohne Diskussionen.

Ernüchternd: die Rezepte

Es sind solche Experimente, die mich an dem Buch begeistern. Auch die Butter, die die Kinder selbst hergestellt haben, indem sie mit einem Glas Schlagsahne durch die Wohnung gehüpft sind, ist eine geniale Idee.

Die Gemüserezepte selbst sind dagegen ernüchternd: Die knusprigen Shiitakepilze schmecken eher nach Holzkohle, die gebackenen Kochbananen sind staubtrocken. Auch die Bananen-Haferflocken-Kekse überzeugen nicht, auch wenn ich sie lobe – schließlich hat mein Sohn sie selbst gebacken.

Und das ist auch die Essenz des Buches: dass eben nicht alles gelingen muss – Hauptsache man hat Spaß am Kochen. „Mmh, mir schmeckt’s“ ist ein ungewöhnlicher Ernährungsratgeber, der vor allem mit einem Mythos aufräumt – mit Essen spielen darf man eben doch. Und wenn dann Eltern einmal tapfer das essen müssen, was auf den Tisch kommt, überlegt man sich in Zukunft zweimal, seinem Kind einen fremden Geschmack aufzudrängen.

Veröffentlicht im September 2021

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