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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | August 23, 2017

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Kochbuch von Michaela Hager: Festtagsküche ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Michaela Hager: Festtagsküche
Rezension

Festtagsküche – Herzlich,
saisonal, entspannt

Michaela Hager
Fotos Susanne Spiel
Brandstätter Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut!

Dietmar Adam Von

Wer mag das nicht: für Gäste fein kochen und dann gemeinsam die Köstlichkeiten genießen? Wenn alles gut läuft, vergisst man auch schnell wieder, wie viel Arbeit das gemacht hat. Bisher habe ich mir passende Rezepte von hier und dort zusammengesammelt. Schön, dass es nun ein Buch zu diesem Thema gibt.

Schon das Äußere nimmt in seiner schlichten Eleganz für sich ein. Leineneinband, Lesebändchen, Ideen für die Dekoration, schöne Fotos (jedes Rezept ist illustriert), da kommt bereits beim Durchblättern Freude auf. Dann die Einteilung nach Jahreszeiten, oft regionale (sprich bayerische) Produkte, das kommt meinen Vorstellungen schon sehr entgegen. Die Autorin Michaela Hager ist bekannt als Köchin im Bayerischen Fernsehen und genießt als Wirtin einer gehobenen Gaststätte bei Bad Tölz einen guten Ruf.

Herbst, Winter, Frühling, Sommer: Die Gäste können kommen

Da der Wirtin auch das Ambiente wichtig ist, kommen in ihrer Festtagsküche Tipps in Sachen Dekoration nicht zu kurz. Auch hier setzt sie saisonale Akzente. Im Herbst etwa bindet sie einen Strauß, dem Äpfel, Hagebutten und Zweige von wild wachsenden Sträuchern einen farbenfrohen Touch verleihen. Doch schauen wir nun auf die Rezepte, denn die stehen klar im Vordergrund.

Auch hier ist wieder alles fein gestaltet und durchkomponiert. Zu jeder Jahreszeit offeriert Michaela Hager (links: Foto der Autorin) zwei Menüs; das sieht dann im Sommer beispielsweise so aus: Geeiste Tomatensuppe, Zucchini mit Almkäse, Safran-Gnocchi mit Tomaten, Parmaschinkenchips und Riesengarnelen, Rahmeis mit Beerensalat. Dazu kommen ein passender Aperitif sowie einige Tipps, was man alles schon am Tag vorher erledigen kann. Wer jenseits der Menüs nach passenden Rezepten sucht, wird nicht enttäuscht. So sollte für jeden etwas dabei sein, für Fleischesser ebenso wie für Vegetarier. Die Vorgaben saisonal und regional werden nicht dogmatisch befolgt, da gibt es schon mal Tomaten im Frühjahr oder ein Mangosorbet, aber insgesamt stimmt die Richtung oder um es bayerisch zu sagen: Passt scho. Denn es sind schließlich Gerichte wie Pfifferlingsgröstl, Almkasnockerl, Hirsch in etlichen Abwandlungen, Kräuterstrudel mit Tafelspitzbrühe, diverse Knödel und Powidltaschen, die den Ton angeben und mehr sind als reine Alpenfolklore.

Vorbereitung und gutes Zeitmanagement sind gefragt

Naturgemäß muss man für ein Festtagsessen schon ein wenig mehr Aufwand betreiben als sonst. Das bezieht sich hier allerdings weniger auf die Zutaten, die zwar von guter Qualität sein sollen, aber nicht aus der Kategorie Trüffel und Co. stammen. Gefragt ist ein gutes Zeitmanagement, vor allem, wenn es drei oder mehr Gänge werden sollen. Da kann Michaela Hager mit ihren zahlreichen Hinweisen punkten. In der Praxis bewähren sich auch die Grundrezepte (etwa Schupfnudeln, Knödel, Tafelspitz, geschmorte Tomaten), mit denen das Buch abschließt. Kochtechnisch werden keine übermäßigen Ansprüche gestellt, allerdings sollte man sich vorher überlegen, für wie viel Gänge die eigenen Fähigkeiten reichen, damit man am Ende nicht völlig ermattet in den Seilen hängt.

Futter für Süßschnäbel

Da bei uns vorwiegend vegetarisch gekocht wird, habe ich die zahlreichen Fleischgerichte, für die die bayerische Küche berühmt ist, zwar mit Wohlwollen betrachtet, aber schließlich doch links liegen gelassen. Ich bin mir aber sicher, dass man sich hier voll und ganz auf die Autorin verlassen kann. Mich haben eher die appetitanregenden Süßigkeiten angesprochen. Leider ist es noch nicht die richtige Zeit für den verführerisch schokoladigen Kirschkuchen, aber das Winterapfeleis war vorzüglich und auch das Espresso-Krokant-Eis erwies sich als eine sündige Verführung. Alles recht einfach in der Zubereitung, mit wenigen Zutaten und so richtig gschmackig – so soll es sein.

Mir hat das von vorn bis hinten durchkomponierte Buch imponiert, auch wenn ich wahrscheinlich eher bei meinem leicht anarchischen Stil bleiben werde. Bei Michaela Hager muss jedoch alles stimmen, von der Deko bis zum Dessert. Wer genauso tickt und Wert legt auf Perfektion, ist hier bestens aufgehoben.

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Nachgekochte Rezepte:

Sellerieknödel mit Mangoldgemüse
Wirklich erstaunlich, diese Vielfalt an Knödel. Schade nur, dass diese feine Variante einiges an Arbeit mit sich bringt.

Maronenschaumsuppe
Auch ohne die von Michaela Hager häufig eingesetzte Tafelspitzbrühe ist die Suppe, die wenig Arbeit und Aufwand benötigt, gut gelungen. Beeindruckend ist hier vor allem die Deko in Form von gegarten karamellisierten Maronen, die auf einen Rosmarinzweig aufgespießt werden.

Geschrieben im August 2017