Kochbuch von Michael König: Kinder Teller

Kochbuch von Michael König: Kinder Teller

Kinder Teller

Leckere Kochrezepte für Kinder
Michael König, Olivia Verlag (2012)

Christiane Schwert

Von Christiane Schwert

Ich glaube alle Eltern kennen das: mäkelige Kinder am Esstisch. Nudeln ja, aber ohne Sauce. Oder: Du weißt doch, ich ess nichts Rotes. Noch besser: Zwiebelkuchen lecker-lecker, aber winzigste Zwiebelstückchen in der Suppe ein No-Go. Spinat, Oliven, Sauerkraut ja bitte, aber keine Sauce Bolognese. Das soll einer verstehen… Aber was isst man mit zwei Kleinkindern Tag für Tag? Gerade wenn man selbst gerne kocht, ist es frustrierend, wenn es nicht gelingt die eigenen Kinder kulinarisch zu begeistern.

Michael König, selbst Vater von drei Kindern, verspricht Abhilfe. Über 70 getestete Rezepte preist das Cover. Ich bin gespannt und stürze mich in den Praxistest!

Seitdem die Kinder von Michael König  in den Kindergarten einer Elterninitiative gehen, kocht er regelmäßig für Kinder und Erzieherinnen. In seinem „Kinderteller“ versammeln sich nun Rezepte aller Kategorien, von Suppen über Hauptgerichte bis zu Desserts. Dabei sind viele Rezepte für Klassiker, wie Kartoffelsuppe mit Würstchen, Käsespätzle oder Gulasch. Aber auch für Paprikarisotto mit Parmesan oder Orangenhuhn mit Reis und Möhrensalat. Wobei die innovative Kraft dieses Buches nicht unbedingt auf Rezeptebene zu suchen ist.

Die Stärke liegt in der getesteten Kindertauglichkeit. König versucht die Bandbreite möglicher Kindergerichte zu erweitern. Er hat wirklich versucht Rezepte zu finden, die Kindern schmecken. Er hat sie gesammelt und teilt sie nun auf ehrliche und sympathische Art mit seinen Lesern. Man merkt dem Buch an, dass es aus einem Anliegen heraus entstanden ist. Super finde ich auch, dass er auf pseudo-witzige Gerichte à la „Würstchen-Krake auf Kartoffelsalat-Monster“, verzichtet hat. Gibt es überhaupt Kinder, die darauf stehen?

kochbuch-kinderteller-rueckenBeim Nachkochen war ich dann tatsächlich sehr gespannt, denn Königs kleine Testesser sind genau in der Altersgruppe meiner Kinder. Der Erfolg war  war durchwachsen (Den Erwachsenen schmeckte eigentlich alles gut). Die „Buchstabensuppe mit Gemüse und Ei“ wartet mit einem einfachen Trick auf: Das darin enthaltetene Gemüse wird sehr klein geschnitten. Zu klein zum Aussortieren! Den Trick merk ich mir! Die sogenannte „Spanische Kindergartensuppe“ war hingegen eher ein Flop, wahrscheinlich war das Gemüse zu groß… Auch der Zucchini-Hackfleisch-Auflauf schmeckte eher uns als den Kindern. Aber Zucchini bezeichnet König auch als „Problem-Gemüse“, das man aber ruhig immer mal wieder anbieten soll. Ein Stück der Schinkenkäsequiche wurde von meinem Ältesten noch tapfer verspeist (unter mütterlichem Druck: Ist schließlich aus einem Kinderkochbuch, extra für euch Kinder!!), die weitere Aufnahme wegen der darin enthaltenen Petersilie abgelehnt.

Ein Renner waren natürlich Apfelpfannkuchen oder Milchreis (hm, mit Vanilleschote aromatisiert). Echt begeistert waren die Kinder auch von Spaghetti mit Lachs. Die im Wesentlichen aus Spaghetti, Lachs und Sahne bestehen. Da fehlte mir etwas die Gemüsekomponente.

Auch an andere Stelle hatte ich den Eindruck, dass die Gerichte nicht immer einer ausgewogenen Ernährung entsprechen. Vielleicht achtet man bei Kinderrezepten einfach auch eher darauf. In vielen Gerichten verwendet der Autor  Schlagsahne, sogar in Tomatensauce! In ein Kartoffelpüree kommt Crème Fraiche, Sahne, Milch (3,5%) und Butter! Fast alle Aufläufe werden mit Schlagsahne und Käse zubereitet. Das finde ich doch recht üppig.

Für meinen Geschmack wird auch ein bisschen viel „Dosenfutter“ verwendet: Mais, Erbsen, Pilze, Thunfisch… Aber auch Zutaten wie Eisbergsalat, Schmelzkäse oder Dosenmandarinen erinnern mich an eine andere Zeit. Nudelsalat mit Fleischwurst, Mayo und Konservengemüse finde ich vielleicht ganz witzig, würde aber meine Kinder nicht dran gewöhnen wollen. Im übrigen auch nicht an Kalbsrahmbraten oder Wiener Schnitzel vom Kalb, allein schon aus finanziellen Gründen. Auch ein Schokoladenkuchen, der sich köstlich anhört, aber beinah ganz ohne Mehl auskommt, hat keinen Platz in meiner Jeden-Tag-Küche. Und Ausnahmegerichte für Kinder kenne ich selber genug. An diesen Stellen finde ich das Konzept nicht ganz klar.

Ich habe das Buch als sehr sympathische Anregung verstanden. Zum einen, den eigenen Kindern auch kulinarisch etwas zuzutrauen. Und eben auch mal wieder die bekannten Klassiker, für die es nicht unbedingt ein Rezept braucht, zu kochen. Für Eltern, die erst mit den Kindern das Kochen anfangen, ist es sogar bestimmt mehr als eine bloße Anregung. Auch wenn man  das ein oder andere Gericht durchaus etwas entschlacken kann!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2014

1 Kommentare

  1. Line

    Das klingt nach einem guten Buch. Werde ich mal für unsere kleine Familienküche besorgen. Vielen Dank für den Tipp!

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