Kochbuch von Micaela Stermieri: Lunchbox-Revolution. Veggie to go

Kochbuch von Micaela Stermieri: Lunchbox-Revolution. Veggie to go ★★☆☆☆

Lunchbox-Revolution. Veggie to go
Micaela Stermieri, Fotos Manuela Rüther
Fackelträger Verlag (2014)
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Theresa Kellner

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Selbstbewusst kommt sie daher, die Lunchbox Revolution und voller Freude habe ich zugegriffen. Neue Rezepte, vor allem vegetarische und vegane, für die Mittagspause sind bei mir immer herzlich willkommen und ich bin gespannt, welche Anregungen und Inspirationen mir die Autorin Micaela Stermieri mit ihrem zweiten Kochbuch mit auf den Weg ins Büro geben kann. Ich bin bereit für die Revolution in meiner Lunchbox!

Als ich vor ein paar Jahren meine jetzige Arbeitsstelle antrat, konnte ich noch nicht ahnen was für ein Glücksgriff es werden sollte: unser kleines Büro hat eine komplett ausgestattete Küche. Statt einer verwahrlosten Mikrowelle erwarteten mich ein Herd, eine Spülmaschine und ein Kühlschrank. Was will man mehr? Nichtsdestotrotz wurde anfangs auf kulinarische Erkundungstour in der Umgebung gegangen und in Berlin Mitte bedeutet das angesichts der Fülle an Angeboten ein straffes Programm. Und trotzdem, irgendwann kennt man jedes noch so kleine Restaurant, jede Mittagskarte und im Portemonnaie herrscht gähnende Leere. Also habe ich zum Kochlöffel gegriffen und mir nach und nach ein Repertoire schneller, unkomplizierter Alltagsrezepte aufgebaut.

Über Abwechslung freue ich mich dennoch und über neue Rezepte, die sich reibungslos in den Arbeitsalltag integrieren lassen noch viel mehr. Denn wenn wir ehrlich sind, ist es meist die Zeit, die uns zu Fertiggerichten oder zum belegten Brötchen greifen lässt. Genau diesen Punkt moniert auch Micaela Stermieri. Ihrer Meinung nach ruhen wir uns viel zu sehr darauf aus, dass wir keine Zeit zum Kochen haben und dass es mittlerweile als angesagt gelte, sich nichts selbst zu kochen, weil man zu beschäftigt sei. Die Autorin jedoch ist stark geprägt von ihrer italienischen Mutter, die stets alles selbst zubereitet hat und will auch ihre Leser dafür begeistern, was für eine Freude es sein kann, selbst zu kochen, das Essen mitzunehmen und im Büro zu genießen. Stermieri möchte zeigen, dass es gar nicht so schwer ist – mit ein paar Tricks und Kniffen, guten Zutaten, vorausschauender Planung und unkomplizierten Rezepten.

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Aber halt, noch geht es nicht an den Herd. Zunächst geht Micaela Stermieri auf die grundlegende Ausstattung von Küchengeräten und Transportbehältern ein und gibt dem Leser eine mögliche Checkliste für Basisvorräte an die Hand. Dann schließen sich die folgenden 6 Rezeptkapitel an: Grundrezepte, Dips und Cremes; Auf die Hand; Gemüse, Pasta, Reis; Salate und Suppen; Desserts und Emergency Room, das Kapitel mit ein paar Notfallrezepten. Die Rezepttitel machen bereits deutlich, hier wartet eine große Bandbreite darauf verköstigt zu werden. Ob feurige Tofumarinaden, Mangochutney, Feta-Dip, Antipasti am Spieß, Ciabatta in 5 verschiedenen Varianten, Couscous-Pfanne, Rote-Bete-Salat oder schnelle Apfeltaschen, hier ist für jeden etwas dabei.

Ich lege mit der samtigen Karottencremesuppe los und bin etwas enttäuscht. Samtig? Cremig? Die Variante auf dem Teller vor mir ist eher wässrig und geschmacklich farblos. Dann die Zucchinimousse, die mich auch nicht vom Hocker reißen kann. Aber so leicht lasse ich mich nicht abschütteln und gebe der zweiten Suppe, der indischen Linsensuppe eine Chance. Schon besser, sehr lecker, aber ich frage mich immer wieder: wo bleibt die Revolution? Auch die anderen nachgekochten Gerichte können diese Frage für mich nicht beantworten.

Offen bleibt für mich auch die Frage, wer Micaela Stermieri eigentlich ist. Zu jedem Text finden sich kleine Einleitungstexte, in denen sich die Autorin (wie auch in den Einstiegskapiteln) direkt an ihre Leser wendet und doch findet man keinerlei Hinweise darüber, wer sie ist, was sie beruflich macht (nur Kochbücher schreiben?) und schon gar kein Foto. Man kann es einem Kochbuch positiv anrechnen, wenn sich die Autorin charmant zurückhält, in diesem Fall hätte ich mir schon aufgrund der direkten Ansprache ein paar Informationen gewünscht.

Und gewünscht hätte ich mir außerdem ein bisschen mehr Mut – so wie es eben der mutige Titel des Buches erhoffen lässt. Neue Impulse bei der Zutatenkombination, überraschende Geschmackserlebnisse, doch nichts dergleichen stellt sich ein. Vor allem auf die veganen Varianten, mit welchen schon auf dem Cover geworben wird, war ich anfangs sehr gespannt, bereits nach dem ersten Blättern aber leider erneut enttäuscht. Es läuft jedes Mal auf Soja hinaus. Sojajogurt, Sojamargarine, Sojamilch… Es gibt mittlerweile jedoch eine große Vielfalt an Alternativen neben Sojaprodukten, schade dass hier nicht auf dieses bereichernde Spektrum zurückgegriffen wurde.

Die „Lunchbox Revolution“ hält eine große Vielfalt an Grundrezepten für ihre Leser bereit und eignet sich gut für Einsteiger ohne viel Kocherfahrung. Die Rezepte sind unkompliziert in der Zubereitung und gelingsicher. Wer allerdings auf der Suche nach mutigen, innovativen Anregungen für die eigene Lunchbox ist, wird hier leider nicht fündig.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2015

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