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Bon appétit!
Katharina Höhnk

Kochbuch von Meredith Erickson: Alpen-Kochbuch ★★★★★

Alpen-Kochbuch – Gerichte und Geschichten von Europas Gipfeln, Meredith Erickson, Fotos: Christina Holmes, Karten: Samuel Bucheli, Prestel Verlag (2020)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Christiane Schwert

Von

Das Alpen-Kochbuch erreicht mich in einer Zeit, in der der letzte Skiurlaub lange her ist aufgrund der Corona-Maßnahmen und die Sehnsucht groß ist. Nur zu gern folge ich daher einer kundigen Reiseführerin – schnell wird klar, es könnte keine bessere geben – zu einer sehnsuchtsvollen Reise zwischen zwei Buchdeckeln.

Die Kanadierin Meredith Erickson (Foto unten) lebt in Montreal und Mailand, ist Reise- und Foodjournalistin und Mitautorin zahlreicher Kochbücher. Doch ihre Liebe gilt den Alpen. Um dieses herrliche Buch über ihre Lieblingsregion zu verfassen, ist sie sechs Jahre gewandert und gereist, hat recherchiert und gespeist.

Meredith Erickson (© Jimmi Francoeur)
Meredith Erickson (© Jimmi Francoeur)

Den Anstoß gab der Wunsch, selbst solch ein Buch kaufen zu können „über alles Alpine: von den besten Berghütten und Hotels über die Familienhistorie ihrer Besitzer bis hin zu kitschigen Bergfilmen (…), der Schweizer Volkskunst, der Literatur, der Geschichte und der Mythen. Und, oh ja, auch mit Rezepten. Und mit Karten.“ Nun hat sie dieses Buch geschrieben, welch ein Glück. Kein Weg zu weit für Zürcher Geschnetzeltes (auf Skiern durch einen Schneesturm), kein Berg zu hoch für Schweizer Rösti. Dieses Koch- bzw. Reisebuch erzählt so mitreißend und voller Leidenschaft über die Alpen und ihre Menschen (Köche, Hoteliers, Winzer, Käseproduzenten…), dass ich es auf einen Rutsch von vorne bis hinten durchgelesen habe.

Hüttenkost und Sterneküche im Winterparadies

Das Alpen-Kochbuch gliedert sich in vier Teile: Italien, Österreich, Schweiz und Frankreich. Mit Gerichten aus einfachen Berghütten wie auch der Sternegastronomie; Rezepte, die Erickson selbst entwickelt hat oder die KöchInnen ihr verraten haben. Dabei sind Klassiker wie Tafelspitz und Apfelstrudel, aber auch aufwendigere Rezepte wie z. B. eine Gamspastete aus dem Restaurant Chesery in Gstaad. Die Rezepte hat sie witzigerweise – wie Ski-Abfahrten – in blaue (einfach), rote (mittel) und schwarze (schwer) Schwierigkeitsgrade unterteilt.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website & Instagram der Autorin

Apropos Skifahren. Die Alpen zeigen sich in den Bildern der Fotografin Christina Holmes als sonnenbeschienenes Winterparadies, mit blauem Himmel und weißen Bergspitzen. Sie zeichnet ein solch einladendes Bild – ich war sofort in Urlaubsstimmung, am Schwärmen und ja, auch am Planen. Es gelingt Holmes, in ihren Bildern eine gewisse Zeitlosigkeit der Orte und der Natur festzuhalten, eine unvergängliche Schönheit, die war und hoffentlich noch lange sein wird. Sei es der Charme und die Noblesse alter Grandhotels oder die imposante Ursprünglichkeit der Gipfel. Ebenso bei den Gerichten, die meist traditionell, manchmal rustikal, aber stets mundwässernd in Szene gesetzt sind.

Kochbuch von Meredith Erickson: Alpen-Kochbuch

Die Zeitlosigkeit des Alpen-Kochbuchs spiegelt sich auch in der Rezeptauswahl. Es geht nicht um Trends, eher um Klassiker, um „substanzielle und authentische Rezepte“. So startet unsere Berliner Skiferien-Woche mit einer großen Portion Kasspatzn, die so gut sind, dass man dafür – ein kleiner Trost – zumindest nicht verreisen muss. Für den Spätzleteig wird halb Weizenmehl, halb feiner Hartweizengrieß genommen, das gibt einen sehr schönen Biss. Die fertigen Spätzle werden dann mit etwas Brühe und reichlich Käse im Topf verrührt, bis der Käse schmilzt. Das finde ich viel besser, als sie im Ofen zu überbacken. Köstlich dazu auch die mehlierten Röstzwiebeln.

Alpine Spezialitätenküche: Gams und Prügeltorte

Erickson erweist sich als sehr detailgenaue Rezeptautorin, die ihre LeserInnen mit ausführlichen Beschreibungen an die Hand nimmt. Nicht nur die „schwarzen“ Rezepte werden gern mal auf mehreren Seiten – in leider recht kleiner Schrift – beschrieben. Darauf musste ich mich während des Kochens erst etwas einlassen.

Meredith Erickson:

„.. über alles Alpine: von den besten Berghütten und Hotels über die Familienhistorie ihrer Besitzer bis hin zu kitschigen Bergfilmen (…), der Schweizer Volkskunst, der Literatur, der Geschichte und der Mythen. Und, oh ja, auch mit Rezepten.“

Auch sei erwähnt: Nicht alle Rezepte sind gleich leicht zu realisieren, teils aufgrund spezieller Zutaten wie z. B. Gams oder regionaler Käsesorten; oder auch spezieller Gerätschaften. Für die Tiroler Prügeltorte braucht es bspw. eine kugelförmige Walze für eine Rotisserievorrichtung. Aber das empfinde ich persönlich nicht als Nachteil, sondern eher interessant. Es ist eben kein klassisches Kochbuch, sondern zeichnet sich aus durch Ericksons allumfassenden Blick auf die alpine Kochkunst in Zeit und Raum. Mit spannenden Ausflügen zu alpinen Weinen, der Käseherstellung, gastronomischen Familienbetrieben und der Beschreibung von Wanderrouten – ich will das alles wissen! Ja, auch die Szenen der verschiedenen Bondfilme der letzten Jahrzehnte, die in den Alpen spielten!

Wer die Berge mag, wird das grandiose Alpen-Kochbuch lieben! Es ist Reiseführer, Gastroguide und Kochbuch, aber vor allem eine persönliche Liebeserklärung an die Alpen. Die fantastischen Fotografien, die Rezepte und Erzählungen stillen zwar nicht ganz die Sehnsucht nach Bergen, Schnee und alpiner Küche, aber sie machen sehr viel Freude und sind ein echter Augenschmaus.

Veröffentlicht im September 2021

6 Kommentare

  1. Stefan

    naja, Knödelbrot muß man auch nicht unbedingt fertig kaufen, altbackene Brötchen(Semmeln oder Schrippen, wie auch immer) kann man auch selber in Würfel schneiden. Auch Brezn(Laugenbrezel) oder mal ein paar Scheiben dunkles Brot darunter mischen, machen Speckknödel noch würziger. Das fertige Knödelbrot ist oft schon knochentrocken, altbacken ist optimal!

    • Thea

      Das wissen sicher auch viele, die hier lesen. Aber manchmal möchte man einfach nur fertiges Knödelbrot kaufen.

  2. Thea

    Meine Food-Trüffel-Funde teile ich immer gerne, vor allem wenn es sich um schwer zu Findendes handelt. Dann müssen ale anderen nicht mehr verzweifeln.

  3. Thea

    Für alle Interessierten in Berlin: Knödelbrot gibt es bei „Feines aus Österreich“ in der Leonhardtstraße, nicht weit vom S-Bahnhof Charlottenburg.
    Die Begeisterung der Rezensentin ist ansteckend, und „Alpenküche“ ist einfach gut für die Seele.

    • Katharina

      Wirklich?! Wie toll. Ein wertvoller Tipp. Ich wusste nicht, dass es irgendwo in Berlin Knödelbrot gibt. Ich habe es mir von einer Freundin mitbringen lassen. Merci Thea!

      • Thea

        Da gibt’s auch die Nudelfleckerl und seit Kurzem auch den Mautner Bio-Estragonsenf, der mir viel besser schmeckt als die französischen Senfprodukte.

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