Kochbuch von Melissa & Jasmine Hemsley: Hemsley und Hemsley

Kochbuch von Melissa & Jasmine Hemsley: Hemsley und Hemsley ★★★★☆

Hemsley und Hemsley. Natürlich gut essen
Melissa & Jasmine Hemsley
Fotos Nick Hopper
Edel Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Sylvia Peters

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Der Guardian hat eine überaus wohlwollende Rezension verfasst, das Buch war letztes Jahr auf der shortlist zum National Book Award in der Kategorie “Food and Drink” neben Ottolenghi und anderen Größen der Branche, der Spiralschneider, den die hübschen Schwesterchen im Internet offerierten, war kurz vor Weihnachten ausverkauft und die Nachfrage derart überwältigend, dass die nächsten Geräte erst ab April geliefert werden können und das alles, zack!, aus dem Stand heraus.

Jasmine und Melissa Hemsley, die eine Model, die zweite Fashion Brand Manager, ständig unterwegs und immer auf der Suche nach kleinen, wirklich gesunden Snacks, gründeten den schwesterlichen Familienbetrieb, um den celebrities plus Familien den sagenhaften glow, der aus ihren Gesichtern strahlt, auf den Tellern zu servieren.

Zwei wunderschöne junge Menschen (unten ein Foto der beiden Autorinnen) bekochen und betreuen ebenso junge, schöne Menschen kohlenhydratarm, gluten- und laktosefrei und selbstverständlich mit Superfood wie Chia-Samen, Acai-Beeren, jeder Menge Seegraszeugs, japanischer Sojasauce und sackweise Leinsamen und Buchweizen. Kein (handelsübliches) Brot, kein Reis, keine Kartoffeln, keine Nudeln. Alles nicht für den Hausgebrauch, nichts für den Otto Durchschnittskoch, hochpreisiges Essen für Öko-Spinner? Ha, ha, mitnichten!

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Stress dich nicht damit, perfekt sein zu wollen

Eigentlich will ich nicht gleich meine komplette Ernährung umstellen, aber ach, wenn man mit ein bisschen Kohlenhydratverzicht und von mir aus auch dem sinnlos teuren Acai-Beeren-Pulver so ein bisschen mehr … respektive ein bisschen weniger …? Und dann ist das ja auch alles noch so schrecklich gesund und superhip?!

Die Schwesterchen geben sich richtig Mühe, das sieht alles nach viel Liebe und Arbeit aus, sie stellen sich vor, erläutern ihre Food-Philosophie, gehen mit Absätzen über gute und schlechte Fette, Gemüse, Zucker, die Zusammenstellung eines optimalen Essens mit stärkereichen und stärkearmen Gemüsesorten und Pseudocerealien, Proteinbestandteilen usw. ins Detail, lassen sich generell zur Nahrungsaufnahme, Verdauung, über Toxine, Stress, Kochen mit Kindern usw. aus, was die Basis für jede gute Ernährungsberatung ist.

Und es gibt 12 goldene Regeln, die den Leser auf dem Weg zu einem gesünderen Essen begleiten und zum Nachdenken anregen. In Kürze vielleicht – wähle klug aus, iss mit Bedacht und Vernunft, achte auf beste Qualität, vermeide stark bearbeitete Lebensmittel, iss nicht zu viel am Abend – aber! Stress dich nicht damit, perfekt sein zu wollen. Das Schöne – es wird auf das Überflüssige verzichtet, nicht hingegen auf das Notwendige.

Inklusive Fleisch, Fisch, Eier

Fleisch, Fisch, Eier sind gleichberechtigte Bestandteile nebst allen erdenklichen Gemüschen und ja, leider, viel, viel Buchweizen. Letzteren mag hier im Umkreis von 5 Kilometern keiner, weswegen ich die Rezepte mit dieser Zutat nicht getestet habe.

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Quellen, trocknen & schreddern

Das Buch ist unterteilt in die Kapitel Frühstück, Suppe, Salate, Snacks, Fisch und Fleisch, Dressings und Dips, Desserts und Drinks. Im Vorfeld die zwölf goldenen Regeln, Tipps zur Vorratswirtschaft, Küchengeräten und am Ende des Buches noch mal ein paar Basissachen wir Einweichzeit von Quinoa und hier im Buch ganz wichtig – dem Quellenlassen von Nüssen und der anschließend bis zu zweitägigen Trocknung im Dehydrator.

Das habe ich mir in Gänze gespart, da es eigentlich unnötig ist, wenn man nicht Rohköstler ist und keine übermäßigen Mengen an Nüssen zu sich nimmt. Auch der Sinn, Nussmilch, Nussbutter und Kokosnuss-Yoghurt selbst herzustellen, wollte sich mir nicht ganz erschließen.

Dafür habe ich mich auf die Gemüse-Schredder-Varianten gestürzt. Was für eine simple, tolle Idee, den Brokkoli auf der Vierkantreibe auf Reiskorngröße zu schrumpfen oder auch den Blumenkohl, ebenfalls geschreddert, so zu würzen, dass er schmeckt und aussieht wie Tabbouleh!

Aus Goji-Beeren wird Marmelade, aus Cashewnüssen und getrockneter Mango ein Brotaufstrich, aus Sardinen und Butter – ? Richtig! Diese Sardinenbutter hat den Mann auch wieder mit den Damen versöhnt, bei den Leinsamen-Möhren-Keksen hat er tüchtig geschimpft, die fünfjährige Tochter hat sie ausgespuckt (was zwar Schelte nach sich zog, aber nicht mehr zu ändern war). Ein ähnliches Rezept für die ungeliebten Cracker fand sich im Internet übrigens unter “verwöhnen Sie ihren vierbeinigen Liebling”. Ich werde die Hunde der Nachbarin mal zum Thema befragen müssen.

So schön, aber am besten nicht auf die Preisschilder achten

So ist die Bandbreite abgesteckt – es gibt unglaublich tolle Rezepte in diesem Buch – die Hühnchengerichte sind fein, die Idee, Zucchini mit dem Spiralschneider zu bearbeiten und entweder kalt und roh mit gerösteten Kürbiskernen als Salat zu genießen oder warm als Ersatz für Spaghetti zur Bolognese-Sauce, verdient Beifall, wenn auch nicht neu. Das Schneiden macht Laune und es sieht sensationell aus.

Andere Rezepte wie Avocado-Schokoladen-Mousse (oder oben erwähnte Hundekekse, sind gewöhnungsbedürftig. Es gibt auch viele hübsche Rezepte (Salate und eine Terrine) die von der Farbigkeit des Arrangements leben mit roten, gelben und weißen Beeten, die ich aber nirgendwo bekommen konnte genau wie Brunnenkresse, die jetzt eigentlich Saison hat, und in vielen Salaten Verwendung findet.

Pures Entsetzen lösten bei mir die Preise des “Superfood” aus. Der Gedanke, dass ich mit zwei Esslöffeln des Acai-Beeren-Pulvers jeweils zwei Euro im Glas versenke, lässt mich jedes Mal grübeln, ob es nicht ein Apfel auch täte. Aber wenn ich ein bisschen von dem “glow” der beiden Damen abbekomme, dann sei’s drum.

Ein Buch für Leute, denen Gesundheit ebenso wichtig ist wie Genuss, die Freude am Spielerischen haben und denen es auf ein paar Euro hin oder her für wirklich gute Lebensmittel und auch manchmal überflüssigen Schnickschnack nicht ankommt. Hier treffen sich Zeitgeist, guter Geschmack und Optimismus – ein Kochbuch, das Laune macht und Sympathie weckt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2015

5 Kommentare

  1. Isa

    Sehr zutreffend! Ich bin auch großer Fan des geschredderten Blumenkohls. Und meine Na-ja-Erfahrung war auch mit Schokolade und zwar mit den Brownies mit roten Bohnen… Kam hier nicht so wirklich gut an. Dennoch mag ich das Buch, auch wenn ich bis heute keine Nüsse „aktiviere“… Danke für die schöne Kritik!

  2. Dorothea

    Danke für die Rezension, liebe Sylvia. Interessant geschrieben und – ich liebe dieses altmodische Wort – kurzweilig. Ich lache immer noch über das Eugen-Roth-Zitat, das kannte ich noch nicht… Dorothea

    • Sylvia

      Oh, das freut mich. Eugen Roth ist wirklich vielfältig einsetzbar. Ich habe meinen Mann in der Kennenlernphase auch damit beeindrucken können ;-))))
      Liebe Grüße, Sylvia

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