Kochbuch von Melissa Hemsley: Eat Happy

Kochbuch von Melissa Hemsley: Eat Happy ★★★★☆

Eat Happy – Meine schnellen Wohfühl-Rezepte
Melissa Hemsley
Fotos: Issy Croker
Zabert Sandmann Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Melissa Hemsley wandelt auf Solopfaden. Nach zwei gemeinsamen Büchern mit ihrer Schwester Jasmine legt sie nun ihr erstes eigenes Kochbuch vor. Die 33-jährige Britin hat darin viel mitzuteilen und eine wichtige Message.

Das Cover spricht mich sofort an, es zeigt eine kraftvolle, vor Gesundheit strotzende Autorin, das knackige Gemüse in der unteren Bildhälfte zeigt sogleich, was hier mit „wohlfühlen“ gemeint ist: Auf lange Sicht fühlt sich Gesundsein einfach besser an.

Was für manchen auf den ersten Blick nach Verzicht aussehen mag – „Soll ich jetzt nur noch Möhrchen knabbern?!“ –, sieht auf den zweiten Blick schon viel entspannter aus. Der Autorin ist es wichtig, dass Vorurteile aus dem Weg geräumt werden. „Gut essen sollte jeder – und zwar jeden Tag! Das gelingt auch mit kleinem Budget und mit Zutaten, die es an jeder Ecke gibt, oder mit Resten aus dem Kühlschrank oder Tiefkühler.“

Von der richtigen Strategie, günstig und gut zu kochen

Solche Dinge hat man vielleicht schon oft gelesen, aber mir ist bisher kaum ein Buch untergekommen, in dem dieses Grundprinzip so konsequent umgesetzt wird. Melissa Hemsley (Foto links) möchte den Leser abholen und ihm den Weg weisen. Je nachdem, wo man steht, bedeutet das aber durchaus eine mehr oder weniger steile Lernkurve.

Hemsley beginnt mit ihren „fünf Top-Tipps zum Umgang mit den Rezepten“, u. a.: gleich die doppelte Menge zubereiten und einfrieren oder nach Wunsch auch noch mehr Gemüse verwenden.

Es folgen allgemeine Küchentipps (z. B. zu Timing, Maßeinheiten, Portionsgrößen) und Informationen zu den Produkten, die sie verwendet (z. B. Eier Größe M, Butter). „Zeitspartipps für 30-Minuten-Gerichte“ sollen sicherstellen, dass diese Rezepte auch wirklich in der angegebenen Zeit klappen.

Die Rezepte kommen dann in einer mehr oder weniger klassischen Einteilung daher: „Frühstück & Brunch“, „Bowl-Food“, „Fleisch“, „Fisch“, „Gemüse“, „Salate“, „Beilagen“, „Snacks, Dips und Häppchen“, „Süßes“ und „Getränke“.

Nach den Rezepten folgen noch insgesamt zehn Seiten mit Tipps zur Vorratshaltung, auch in Kühlschrank und Tiefkühler, zu geeigneten Küchenhelfern, zum Austausch von evtl. nicht vorhandenen Zutaten und zur Resteverwertung. Dann folgen noch Basisanleitungen, z. B. zur Herstellung von Knochenbrühe, Nussmus oder Gemüsereis.

Kein gewöhnliches Rezepte-Einerlei

Was das Buch wirklich stark macht, ist, dass Melissa Hemsley nun nicht einfach ihrer Philosophie folgend Rezepte präsentiert, sondern durchgehend ihren Kernprämissen folgt, insbesondere: Fast jedes Rezept kann quasi immer zubereitet werden, wenn man der Jahreszeit entsprechend Zutaten austauscht. Und: No-waste ist möglich, wenn man mit den Resten im Kühlschrank was anzufangen weiß. Deswegen gibt es in dem Buch so viele Verweise, wie ich sie in kaum einem anderen Buch bisher gesehen habe. Tipps zu Beilagen, zum Austausch von Zutaten oder, wie z. B. beim Blitzschnellen Krautsalat, gleich zwei Rezeptvarianten, eine für den Sommer, eine für den Winter.

Was Melissa Hemsley isst und was nicht, ist vielleicht Stammlesern bereits aus anderen Büchern bekannt, hier fehlt mir Vorwissen. Sie thematisiert das auch gar nicht groß, aber es erschließt sich mir dann doch recht schnell, dass offensichtlich Eier, Butter, Fleisch, Fisch und viel Gemüse auf dem Menüplan der Autorin stehen, glutenhaltige Produkte generell nicht, aber auch keine Kartoffeln oder Reis. Zusammengefasst also vermutlich „glutenfrei, low carb und zuckerarm“.

Nicht immer geht es schnell …

Vielleicht hält Hemsley nicht immer das Versprechen aus dem Untertitel des Buches, dass es sich um „schnelle“ Rezepte handelt. Die Zutatenlisten sind manchmal lang, und wenn man der Autorin folgt und die in der Rezepteinleitung empfohlenen Beilagen ebenfalls zubereitet, wird es doch aufwendiger. Hier wird nur derjenige schnell sein, der wie Hemsley die entsprechende Erfahrung mitbringt und dann manches eben „aus dem Ärmel schüttelt“, wofür weniger erfahrene Köche eben etwas länger brauchen. Insgesamt schlage ich mich zumindest tapfer und bin mit den Ergebnissen fast immer zufrieden.

Zum Weiterlesen

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Mich stört das auch nicht, und die einladenden Rezeptfotos tun ihr Übriges. Wobei man sagen muss, dass es leider nicht sehr viele Fotos sind gemessen an der Zahl der Rezepte – längst nicht jedem Rezept ist eines vergönnt. Da zu jedem Rezept aber eine ausführliche Einleitung vorangestellt ist, kann man sich das zu erwartende Ergebnis auch so ganz gut vorstellen.

Mit „Eat Happy“ möchte Melissa Hemsley ihre Leser anregen, auf mehr Gemüse und weniger Fast Food im alltäglichen Speiseplan zu setzen und generell bewusster mit den Ressourcen der Natur umzugehen. Dabei folgt sie ganz undogmatisch einer glutenfreien Ernährungsweise mit wenigen Kohlenhyraten und wenig Zucker. Dass der Genuss aber nicht zu kurz kommen muss, beweisen die sehr abwechslungsreichen Rezepte. Die vielen Querverweise machen das Buch nur bedingt für die schnelle Feierabendküche brauchbar – zumindest so lange man sich noch nicht ein Grundwissen à la Hemsley erkocht hat. Mit dem Buch kann das aber durchaus gelingen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2019

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