Kochbuch von Meera Sodha: Original Indisch

Kochbuch von Meera Sodha: Original Indisch ★★★★☆

Original Indisch – Über
130 Familienrezepte
Meera Sodha
Fotos David Loftus
Dorling Kindersley (2015)
Mehr über den Verlag

Kathrin Sebastian

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Eine junge Britin, mit indischen Wurzeln und Charme erwartet uns mit den Rezepten ihrer Familie in dieser Neuerscheinung. Ich bin gespannt, was ihre Küche auszeichnet: eine Feuer an Aromen, aber wilde Gewürzeinkauforgien? Oder praktikable Rezepte, die es sogar auf meine Tafel am Feierabend schaffen?

„Original Indisch“ ist ein schönes Buch – hochwertig gestaltet, gebunden und in leuchtenden Farben – so wie Indien aus der Ferne wirkt. Nahezu alle Gerichte sind großartig bebildert von David Loftus, die Rezeptfotos erscheinen klar, frisch und unkompliziert. Meera Sodha bietet ihren Lesern 130 Rezepte von Vorspeisen über Gemüse und Fleisch bis Brot, Chutneys und Drinks.

Im Vorwort beschreibt Meera Sodha (unten), dass ihre Familie aus dem nördlichen Westen Indiens stammt, aus dem Bundesstaat Gujarat, und wie sie nach Großbritannien kam. In der indischen Heimatregion der Familie wird besonders eine variantenreiche und würzig-vegetarische Küche zubereitet, die ich auch in den Rezepten wiederentdeckte, aber es ist keinesfalls ein vegetarisches Kochbuch.

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Meer und ihre Familie

Meera selbst hat niemals in Indien gelebt, sie ist in Großbritannien aufgewachsen und beheimatet, daher auch im Untertitel der Verweis auf die Familie. Die Rezepte stammen aus den Rezeptbüchern ihrer Mutter und Großmutter und sind – was die Zubereitung und die Auswahl der Zutaten betrifft – an europäische (britische) Verhältnisse angepasst – ohne dabei ihren typischen Geschmack aufzugeben. Die Gewürzlisten konzentrieren sich meist auf Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma, Cayenne, Chili, Garam Masala und Senfsamen – wer diese Zutaten zuhause hat, kommt hier sehr weit. Praktisch.

Einige der Familien-Rezepte wurden für das Buch erstmals verschriftlicht, schreibt die junge Autorin stolz. Das Stichwort Familie zieht sich dabei durch das gesamte Buch: alte Fotoaufnahmen und Anekdoten begleiten die Rezepte. Ich habe sie irgendwann eher überlesen, weil das Kulinarische hier weniger im Vordergrund steht. Aber vielleicht ist das auch der Altersunterschied oder mein Interesse am Kulinarischen.

Was mir an dem Kochbuch ausgezeichnet gefällt ist die konzeptionelle Gestaltung des Nebensächlichen wie zum Beispiel das „alternative Inhaltsverzeichnis“, wo Rezepte für besondere Anlässe auflistet sind, z.B. Essen für Kinder, vegane Speisen, Party Food usw. Besonders sympathisch ist die Idee, Rezepte vorzustellen, die direkt nach der Zubereitung in den Gefrierschrank können, um später Koch-Zeit zu sparen. Sehr alltagstauglich und vorausschauend gedacht. Das sollten alle Kochbücher übernehmen.

Unter dem Stichwort „Selber machen“ gibt die Autorin Hinweise zum Herstellen von Paneer (deutsch: Panir, eine Art Frischkäse, vergleichbar vielleicht mit italienischem Ricotta), Ghee (geklärte Butter) oder Masala-Würzmischungen. Eine weitere gute Anregung sind die Vorschläge, wie mit möglichen Resten sinnvoll zu verfahren ist unter dem Titel „Was tun mit“: z.B mit der angebrochene Dose Kokosmilch? Ab in den Dal.

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Vorbildliche konzeptionelle Details

Eine Doppelseite interessanter Menüvorschläge, eine dreiseitige Weinempfehlung und eine kurze Anleitung zum Essen mit der Hand (natürlich rechts) sind informativ und tragen somit dem Umstand Rechnung, dass Menschen in Europa hier und da ein bisschen Nachhilfe in Sachen indischer Küche benötigen könnten.

Abgerundet wird das Buch mit einer Hilfestellung bei Kochproblemen („Nicht genug Sauce!“) sowie einigen informativen und bebilderten Seiten rund um die vielfach nicht so geläufigen Gewürze und Zutaten. Der Index ist so gestaltet, dass hier jeweils auch nach den Hauptzutaten gesucht werden kann, sehr hilfreich und sinnvoll. Wer sich also „systematisch“ an das Buch heranarbeiten möchte, wird kaum etwas finden, was wirklich „fehlt“. Bravo!

Keine Explosionen, aber Zufriedenheit

Die für ein indisches Kochbuch überraschend übersichtlichen Zutatenlisten beeinflussten meine Auswahl der Rezepte. Der Autorin ist es gelungen, eine große Anzahl gerade solcher Gerichte aus den alten Familienkochbüchern zu extrahieren. Mein Gedanke es daher, hier der Idee entsprechende Rezepte auszuwählen, die gut nach Feierabend zubereitet werden können und geschmacklich überzeugen.

Der Auftakt war ein Donnerstagabend: Zum pikanten Frühkohl (ich habe Weißkohl verwendet) gab es Knoblauchhähnchen mit Chaat und Zimt-Nelken-Pilau mit Cashews. Das Mahl war einfach zuzubereiten und schmeckte fein. Zwar war ich etwas enttäuscht, erwartete ich doch eine gewisse indische Explosion von Aromen nach dem ersten Bissen, aber mit jedem Gericht wurde dann deutlicher: das ist der Preis für unkomplizierte Gerichte, die wirklich jeden am Tisch zufrieden machen, aber nicht die tiefe indische Exotik präsentieren. Auf der anderen Seite – es gibt zweifellos auch so genug zu entdecken, wie z.B. den Chili-Panir oder das Hähnchen-Curry mit Koriander-Chutney. Als LeserIn muss man sich sozusagen entscheiden.

Meera Sodhas Original Indisch verlockt mit einer wunderbar praktikablen indischen Küche, die auch keinen Gewürzschrank so schnell überfordern sollte. Das hat zwar seinen Preis im Hinblick auf die aromatische Exotik, aber dafür bleiben die Rezepte auch im Alltag machbar. Perfekt für Anfänger und Pragmatiker. (Fortgeschrittene sollten eher in andere Windrichtungen blicken.) Die begleitende Familiengeschichte der Autorin ist hübsch im leichten Small-Talk erzählt, das Buch reich bebildert. Was beeindruckt ist hier das konzeptionelle Nebensächliche vom alternativen Inhaltsverzeichnis bis Hilfe in Sachen Überbleibsel. Top.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2016

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