Kochbuch von Max + Eli Sussmann: Kochhelden

Kochbuch von Max + Eli Sussmann: Kochhelden ★★★☆☆

Kochhelden – Rezepte für das wahre Leben

Max + Eli Sussmann, Fotos A. Farnum
Callwey Verlag (2013)
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Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Ein echtes Jungs-Buch – in den Händen von Frauen. Na, was da wohl rauskommt? Barbara und Gabriele haben für uns nachgekocht.








Katharina: Ganz kurz zu Dir als Köchin: wie lange und leidenschaftlich bist Du dabei?



Barbara: Ich glaube, ich habe die Liebe zum Essen bereits ein wenig in die Wiege gelegt bekommen, da ich im schönen Saarland aufgewachsen bin, wo ganz nach der Devise „Hauptsach gut gess“ (Hauptsache gut gegessen) gelebt wird. Dazu kommt, dass mein Vater dem Kochen verfallen ist und mein Gaumen schon früh verwöhnt wurde. Bis heute ist es am wichtigsten, was wann gegessen wird und natürlich gehört ein guter Tropfen dazu (Es gibt sogar beim Frisör i) mmer ein Gläschen Crémant.  Gemeinsames Essen bringt Familie und Freunde zusammen. Durch diese frankophile Lebensweise geprägt habe ich dann eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht und mit großer Freude einige Monate in der Patisserie verbracht. Meine heimliche Leidenschaft, die mich sogar zur Teilnahme einer Backshow im TV gebracht hat. Heute fliege ich beruflich in der Welt herum und geniesse vor allem die orientalische und asiatische Küche.
Obwohl ich ein Kochbuchjunkie bin und diese lese wie einen Roman bin ich keine aussergewöhnlich gute Köchin (eine etwas bessere Bäckerin) aber ich tue es mit viel Liebe und Freude.

Gabriele: Ich koche seit mehr als 30 Jahren mit großer Leidenschaft für meine Freunde, meine Familie, sehr gerne auch für mich allein. Letztere Situation nutze ich häufig zum Ausprobieren exotischerer Gerichte oder ungewöhnlicher Kombinationen.

Katharina: Was hat Dir spontan an dem Buch gefallen, was nicht so?

Barbara: Das Kochbuch hat ein witziges cooles Cover, etwas anders als die anderen ohne aufwendiges Foto, sondern mit verrückter Schrift und einer kleinen Zeichnung. Unterhaltsam finde ich auch die kleinen persönlichen Anekdoten der Köche und die tollen Fotos im Kreise ihrer Freunde und Familie. Besonders mag ich die kleinen gezeichneten Lebensmittel im Buch.  Die Aufteilung der Rezepte finde ich gewöhnungsbedürftig, es geht nach Kategorien, wie Brunch, Grill-Futter, Mitternachtssnack etc. und alles wirkt etwas unstrukturiert. Mein erster Eindruck von den Gerichten ist, dass alle sehr gehaltvoll sind. Die beiden Köche Max und Eli sind zwei angesagte gute Typen. Leider hat nicht jedes Rezept ein Foto.

Gabriele: Ich war sehr gespannt auf das Buch, da ich die Autoren nicht kannte. Leichte Enttäuschung überkam mich, als ich es in den Händen hielt. Da sprach mich kaum etwas an, weder das Erscheinungsbild mit vielen Comic-Sprechblasen, schwarzen und weißen Seiten im Wechsel und unzähligen Bildern von notorisch gut gelaunten jungen Menschen. Ok, dachte ich, bin ich doch tatsächlich schon zu alt für moderne Kochbücher, und legte das Buch meinem 16-jährigen Sohn sowie einigen sehr jungen Kolleginnen vor. Keinem gefiel es so richtig. Zur Einstimmung ein Vorwort von Rob Delaney. Wer hierzulande kennt ihn, den kalifornischen Komiker, wie mir Wikipedia verriet? Witzig fand ich es nicht, eher albern.

Katharina: Welche Rezepte hast Du nachgekocht und wie waren sie?

Barbara: Gebackene türkische Eier – 
Ich mag Shashuka, ein israelisches Frühstück mit Eiern, das Rezept ging in die gleiche Richtung.  Das Rezept ist sehr einfach nachzukochen und nicht sehr aufwändig. Das geschmackliche Gesamtergebnis war gut, aber nicht umwerfend. Die Konsistenz war bei mir leider zu flüssig (die Tomaten hätte ich noch mehr einkochen müssen) und die Zeit bis die Eier stockten betrug fast 30 min anstatt 20-25min. Bei der Temperatur war nicht klar,  ob Umluft oder Ober- und Unterhitze. Die Joghurtsosse fand ich seltsam, sehr dünn und wie geronnen. Nicht zu vergleichen mit dem israelischen Original.
Linguine mit Sardellen, Petersilie und Walnüssen
: Sehr einfach und schnell zuzubereiten. Je nach Art des Chilis sollte man vorsichtig mit der Dosierung sein. Sehr lecker, ich hab allerdings wesentlich mehr Walnüsse genommen.
Schokoladen-Erdnuss-Butter-Pie
 – Sah super aus aber … Oh weh, nicht wirklich lecker. Keiner meiner fünf Gäste mochte den Kuchen. Im Rezept sind zu viele Nüsse, dadurch ist die Pie sehr salzig und die Erdnussbuttercreme ohne Geschmack – nur fettig. Meiner Meinung fehlte hier die Süsse. (Kein Zucker im Rezept). Die Schokomasse wurde immer als Sosse beschrieben, die daraufgeträufelt werden sollte bei mir war es eher eine Ganach, ich habe diese wie eine Mousse daraufgestrichen. Für mich keine Offenbarung, aber vielleicht für Erdnussjunkies. Die Zubereitung ist nicht aufwendig.
Nutellabrötchen
 – Auch hier hatte ich einige Probleme mit der Mengenangabe der Rezeptur. Die Trockenhefe war mit 1 Päckchen angegeben oder mit 2 ¼ EL. Ein Päckchen ist normalerweise für 500g Mehl, die Rezeptur bestand aus 650 g Mehl. 1 Päckchen  wäre wahrscheinlich zu wenig gewesen hier habe ich ca. 1,5 Päckchen genommen. Der Teig wurde dann wunderschön. Die Beschreibung die Teigrolle über Kreuz schneiden ist nicht so ganz klar, ich habe immer schräg geschnitten so dass die Brötchen in Form von Ecken waren. Hier wäre dringend ein Foto nötig gewesen. Der braune Zucker löste sich leider nicht in der Butter auf, keine Ahnung warum, habe ihn trotzdem aufs Blech getan mit den Nüssen. Hätte definitiv flüssig sein müssen. Temperaturangabe leider zu heiss wenn man Umluft nimmt. Geschmacklich waren die Brötchen  lecker.
Gegrillter Pfirsichsalat – Einfache Zubereitung. Bei diesem Gericht ist unbedingt auf die Qualität der Produkte zu achten. Mit einem Pfirsich, der nach nichts schmeckt wird das Endergebnis keine Geschmacksexplosion. Da ich keinen Apfelessig da hatte, habe ich einen sehr hochwertigen Weißweinessig genommen und das Pankomehl (war in der Gegend leider nicht zu bekommen) wurde durch Paniermehl ersetzt.  Das Dressing habe ich nach dem abschmecken mit etwas Limette verfeinert. Ich habe alles auf dem Gasgrill zubereitet. Der Salat war sehr frisch und lecker und mein Favorit aus dem Kochbuch. Die Kombination süss, bitter, salzig, ein wenig sauer und die Konsistenz der verschiedenen Zutaten überzeugen mich und werde beim nächsten Grillabend damit punkten. Allerdings würde ich die getrockneten Kräuter in der Butter-Pankomischung weglassen und dafür frischen Basilikum unter den Salat heben.

Gabriele: Zunächst war ich ziemlich ratlos, wofür ich mich entscheiden sollte. Die Auswahl ist sehr amerikanisch mit der für Kalifornier typischen Neigung zu lateinamerikanischen Gerichten und Gewürzen. Vieles, was da vorgeschlagen und verwendet wurde, hatte ich noch nie im Leben gehört. Das Buch erklärt leider nichts, manche Rezepte sind nicht bebildert, sodass es kaum eine Vorstellung davon gibt, was beim Kochen herauskommen soll. Dem gegenüber stehen dann Rezepte von großer Banalität wie Gurkensalat (mit Zwiebeln, Dill, Zitronensaft und Öl), überbackene Zucchini (mit Oregano, Olivenöl und Parmesan) oder Kraut- und Rüben-Pasta (mit gewürfeltem Gemüse). Was tun? Ich entschied mich für etwas Bekanntes (Bauernmarkt-Frittata), etwas Ungewöhnliches (Gerösteter Blumenkohl mit Röstzwiebeln) und etwas Feines (In Butter pochierter Kabeljau mit Kräutersalat). Und: Je mehr ich nachkochte, desto klarer wurde mir: Das ist alles sehr, sehr lecker! Der Knüller war der geröstete Blumenkohl, das Ungewöhnliche daran nicht die Röstzwiebeln, sondern eine Tahini-Soße. Das Sesammus hatte ich bisher nur im süßen Kontext gekannt. In dieser Kombination schmeckte es herrlich. Gästen jedoch würde ich es nicht unbedingt anbieten, das Auge isst bei dieser beige-grau-braunen Mischung nicht mit! Die Frittata mit allem, was man an Gemüse so da hat, bot nichts wirklich Neues, schmeckte aber auch sehr gut.
Hervorragend auch der in Butter gegarte Fisch. Angegeben sind 500g Butter für zwei Fischfilets, es tut auch die Hälfte. Die Kombination mit den marinierten frischen Kräutern ist ganz wunderbar, allerdings wusste ich nicht, wie man mit 15g Kräutern einen Salat hinkriegen soll, und habe die dreifache Menge genommen.

Katharina:Dein Fazit zu dem Buch und Deine Empfehlung, in welchen Händen es besonders gut aufgehoben ist?

Barbara: Mit Eli und Max Sussman hätte ich als Kind bestimmt auch gerne „im Stockbett in der Speisekammer genächtigt“. (Zitat aus dem Buch) Zwei gute Typen, die über sich selbst sagen vom Essen besessen zu sein. Eine Liste mit den Restaurants, die ich noch besuchen will, besitze ich auch. Nicht verwunderlich, dass ich mich aufs Kochen mit den „Kochhelden für das wahre Leben“ gefreut habe.
Leider hat es meine Erwartungen nicht ganz erfüllt. Die Zubereitung der Rezepte ist zwar einfach, für blutige Anfänger manchmal vielleicht doch noch zu wenig, da nicht zu jedem Rezept ein Foto vorhanden ist und die Temperaturangabe ist nicht herdspezifisch. So kann es passieren, dass zB die Nutellabrötchen zu hart werden. Sehr viele Gerichte, die mich persönlich sofort zum Nachkochen inspirieren, gibt es nicht, da mir persönlich einige der Kombinationen zu gehaltvoll und mächtig sind. (Z.B. fritiertes Hähnchen mit Waffeln, Buttermilchkekse mit Chorizosoße) und andere wieder nicht aufregend genug (Gurkensalat, Hähnchenschnitzel, Eiersandwich …)
Von den fünf nachgekochten Gerichten, haben mich leider nur zwei überzeugen können. Den Titel Kochheldin würde ich mir persönlich nicht verleihen. Dennoch glaube ich, dass die ungewöhnliche, unkonventionelle und moderne Aufmachung des ganzen Buchs viele junge Kochmuffels an die Kochplatten holt (alle Gerichte wurden nur auf 2 Platten gekocht).  Und damit ist die Mission der Geschwister Sussman doch bereits erfüllt, weg vom Fast Food, Tiefkühlkost und genormtem Restaurantessen.  Auch die einzelnen Kapitel über die Herstellung von Pasta- und Pizzateig, über  das Einmachen von Konserven und pökeln von Speck zeigen, wie einfach es sein kann auf den Anruf beim Bringservice zu verzichten.

Gabriele: Das Buch mag junge Menschen mit lockerem Lebensstil ansprechen, es wäre dann aber auch von Vorteil, Amerikaner zu sein. Sein größtes Manko ist nämlich die Tatsache, wie es übersetzt wurde. Der Verlag hat keinerlei Anstrengungen unternommen, das Werk dem deutschen Markt anzupassen. Er ist einfach wörtlich übersetzt. Ich hätte mir mehr Erklärungen zu Zutaten wie Heirloom-Tomaten, S.40, Srirachasauce, S.51, Marcona-Mandeln, S.55, Hoisinsauce, S.66, Enokipilze, S. 68, und einige mehr gewünscht. Man hätte auch einiges hätte weglassen oder ersetzen können, was dem deutschen Leser nicht geläufig ist (z.B. das Vorwort bzw. sein Autor, z.B. “Was der Teppich für den Dude aus ´The Big Lebowsky´ ist, …, S.55, z.B. das “Adam-Sandler-Sandwich”,  und “Sloppy Joe”, sowie der Text der dazugehörigen Sprechblase, S. 138). Es stört einfach den Lesefluss, wenn man immer wieder denkt: Was ist das denn jetzt schon wieder!?” Schade für die beiden kreativen Jungs, das haben sie nicht verdient. So unattraktiv mir das Buch zunächst erschienen war, so erstaunt war ich über die Qualität der Rezepte. Ich habe Vertrauen gefasst und werde weiter probieren. Zu einem Kochbuch gehören für mich allerdings nicht nur die Rezepte. Dieses macht mich nicht zufrieden und bekommt nur drei Sterne von mir.

Katharina: Wie viel Sterne bekommt das Kochbuch?


Barbara: 3 Sterne

Gabriele: Zu einem Kochbuch gehören für mich allerdings nicht nur die Rezepte. Dieses macht mich nicht zufrieden und bekommt nur drei Sterne von mir.

Katharina: Herzlichsten Dank!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2013

3 Kommentare

  1. Katharina

    Es freut mich, dass Ihr das als Bereicherung empfindet. Ich rezensiere jetzt seit 2007 Kochbücher hier auf Valentinas und ich finde es immer noch spannend, wie unterschiedlich man Kochbücher sehen kann in ihren Stärken und Schwächen. Und genau das ist der Zauber.

  2. Barbara

    Nachtrag: ich muss mich Gabriele anschließen auch ich hatte den Eindruck, dass die Übersetzung ins Deutsche diesem nichts Gutes gebracht hat. Schade! Ebenso fand ich das Vorwort genauso verwirrend und komisch wie Du.

    • Gabriele

      Hallo Barbara, freut mich, dass wir in dieser Hinsicht einer Meinung sind. Ansonsten ist es ja sehr interessant zu lesen, wie unterschiedlich das Buch aufgenommen werden kann. Danke außerdem für die Vorwarnung, an die Nutella-Brötchen wollte ich mich demnächst wagen!

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