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Katharina Höhnk

Kochbuch von Matt O’Connor: The Icecreamists – Exklusive Eiscreme und andere Laster ★★★

The Icecreamists – Exklusive Eiscreme
und andere Laster
Matt O’Connor, Fotos Anders Schonnemann
Fackelträger-Verlag (2013)
Mehr über den Verlag

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Simone Brokmeier

Von

Wenn man Punk-Fan ist und Vivien Westwoods Style eher schätzt als die good-boy attitude eines Jamie Olivers, dann kann man bestimmt Matt O’Connors Icecreamist mit einem Augenzwinkern cool finden. Alle anderen blättern wohl erst mal ratlos mit hochgezogenen Augenbrauen durch die 160 Seiten und wundern sich, was der Typ wohl so raucht …

Ich mag keinen Punk. Aber Eiscreme. Und die Fotos sehen super verführerisch aus: pinke Eiscreme in einer schwarzen Waffel, gelbe Chilischote – das hat schon was. Aber warum muss man eine Eiskreation „Kalter Schweiß“ nennen oder Hirnfrost? Tabubruch und aufmerksamkeits-heischende Exzentrizität sind Programm. Die Herstellung gleicht dann aber ganz brav und traditionell dem A und O jeder Eisbereitung: Eigelb und Zucker, mit heißer Milch und Crème double aufschlagen. Hier wird also auch nur mit Wasser, pardon Sahne, gekocht. Das poppige Layout und die Sprüche lassen es „cool und easy“ aussehen. Aber nichts desto trotz ist ein perfektes Eis herzustellen harte Arbeit und bedingt Know-how. Leider finden sich aber in der „Alchemie“, wie O’Connor seine Grundlagen nennt, auch keine genaueren Hinweise, wie lange denn nun die Ei-Sahne-Masse heiß aufgeschlagen werden muss.

autorenfoto-matt-oconnor-valentinasDa helfen auch die „10 Gebote der Kühle“ nicht, die unter Gebot zwei – Du sollst Dich nicht verunsichern lassen – verheißen, das Buch sei idiotensicher. Mir ist jetzt kein Rezept daneben gegangen, ich habe aber ein halbes Jahr Patisserie-Erfahrung. Und dieses Buch der „Eiscreme und anderer Laster“ spricht aber garantiert auch andere Leser an. Be warned: es ist nicht alles so chilled und easy und es gibt auch noch Fehler. Hörte bei mir der Spaß schon auf wenn ich die gekünstelten „witzigen“ Sprüche eingangs jeden Rezepts las, sind Fehler im Rezept für mich unverzeihlich. Mal wird der extra zubereitete Zuckersirup nicht mehr erwähnt, mal werden die Textbausteine falsch eingefügt. Sorry, Icecreamist, aber Gebot Nummer eins beim Kochbuchschreiben sollte Sorgfalt sein! Ein wenig schwierig fand ich zum Teil auch die Lesbarkeit, wenn die Rezepte auf dunkel-lila oder -blauem Hintergrund gedruckt sind. (Foto: der Autor)

Ich will aber nicht nur meckern. Sieht man über die ganze Selbstdarstellung hinweg und hat man sich mit der Eiszubereitung vertraut gemacht, sind die Rezepte oft wirklich richtig gut. Mein Erstlingswerk, Schlaraffenland (mal ein Titel, der einen nicht schaudern lässt), war eine Eismasse, die mit gewöhnlichem Apfelmus und Zimt abgeschmeckt wird. Den Clou erhält sie durch die Beigabe von Balsamico. Ein wenig gewöhnungsbedürftig aber irgendwie auch – voll cool. Ich habe die Eiscreme nur zur Hälfte mit Balsamessig gewürzt (zugegeben, ich war skeptisch!) und beide Sorten zusammen angerichtet, das gab einen spannenden Kontrast.

Den Löwenanteil der Rezepte macht die Boutique-Eiscreme aus. Hier gibt es zuerst Klassiker-„Leicht Verdreht“, wo zur eingangs beschriebenen Grundmasse die Standard Aromen (Vanille, Schokolade, Espresso) kommen, aber mit Titeln wie „Sex, Drugs and Choc’n’Roll“ geadelt werden (Milchschokoladeneis). Danach folgen Kreationen für „Schurken und Exzentriker“, worunter Roseneiscreme genauso zu finden ist wie Eis aus, ja, Muttermilch. Schnell weitergeblättert und mich den „sündigen Verführungen“ gewidmet wie Absolut Peanut. Die Eiscreme birgt tatsächlich Suchtgefahr, ohne dass ich vorher Sex-, Alkoholschmuggel- oder Spielsucht-gefährdet war. Verstehen Sie jetzt nicht? Ja, ich auch nicht, aber mit solchen Anekdoten wird jedes Rezept eingeleitet. Ich fand das weder witzig, noch originell, geschweige denn sinnvoll. Eher nervig, zumal am Ende jedes Rezeptes nochmal wortgewaltig ein Nachschlag gleichen Stils folgt. Enough!, möchte man rufen.

In drei weiteren Kapiteln widmet sich unser Icecreamist den Sorbetti, Eis-Cocktails und –Lollies. Auch hier: gute Rezeptideen, kleinere Fehler, abschreckende Namen (oder möchten Sie wissen wie Gehirnwäsche schmeckt?)

Vielleicht bin ich als nüchterner Steinbock zu wenig exaltiert um so richtig Spaß an all den Spielereien zu haben. Vielleicht ist mir alles ein wenig zu dick aufgetragen. Vielleicht suche ich aber das nächste Mal einfach nur ein Rezept nach den Fotos aus und genieße die gute Eiscreme ganz ohne absurde Stories.

Veröffentlicht im Juni 2014

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