Kochbuch von Martina Lessing: Entspannte Küche

Kochbuch von Martina Lessing: Entspannte Küche ★★★☆☆

Entspannte Küche
Martina Lessing, Foto K. Westermann
Braumüller Verlag (2012)

Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Kochbuchautorin Martina Lessing ist auf Valentinas bekannt. Sie hat uns mit ihrem ersten Kochbuch kulinarisch wunderbare Momente bereitet . Ihr Bratapfelmousse läuft unter Legendenstatus, wenn man all die Ah und Ohs zusammenzählt, die es verursacht hat.

Für Martinas Neuerscheinung haben gleich drei Köchinnen ihre Küche warm laufen lassen: Foodbloggerin Alice aus Unterschleißheim (Blog: Kulinarisches Wunderland), Foodbloggerin Nele aus Braunschweig (Blog: Küchendelikte) und Valerie aus Herrsching. Sie haben je drei Rezepte und mehr nachgekocht und mir vier Fragen ausführlich beantwortet.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

LessingDas Kochen zählt seit ca. 10 Jahren (seit ich nach München gezogen bin) zu meinen größten Hobbys. Ab diesem Zeitpunkt begann auch meine Kochbuchleidenschaft. Kochbücher werden von mir meist auf 2 Arten verwendet, 1. Ich suche mir Rezepte nach den Zutaten, die ich gerade im Hause habe aus und 2. Wenn Feierlichkeiten anstehen, werden spezielle Gerichte und Menüs aus verschiedenen Büchern ausgewählt. Manchmal lasse ich mich aber auch spontan von den Fotos inspirieren und muss das Rezept einfach nachkochen.

LessingIch koche seit meinem 11. Lebensjahr. Damals gab es eine Koch-AG in der Schule, an der ich teilnahm. Zuerst wurde ich natürlich durch durch die Gerichte meiner Familie
inspiriert. Seit ich eine eigene Küche habe, also seit meinem 18. Lebensjahr, befinde ich mich auf meinem eigenen Kochweg.
Kochbücher sind bei mir sehr häufig im Einsatz. Ich sammle Kochbücher, ich lese sie wie Krimis und sie sind ständig mit Zettelchen bespickt, damit ich nicht vergesse, was ich unbedingt aus den einzelnen Kochbücher Kochen möchte. Meine Kochbücher haben im meinem Wohnzimmer ein eigenes Regal. Sogar meine Krimis dürfen nicht ins Wohnzimmer… 😉 Kurzum, ich liebe gute Kochbücher genauso wie gute Krimis.

LessingIch koche, seitdem ich ein Kindergarten-Kind war. Damals noch an Omas Küchentisch, mit dem großen Küchenbrett auf dem Plätzchen, Hefeknödel und allerlei anderes entstand (böhmisch Küche einer Bauerstochter – das schmeckt immer!), später dann mit meinem Papa und relativ bald, ich denke mal so mit 12/13, alleine. Meine Stiefmutter arbeitete Schichtdienst im Krankenhaus und bei Spätdienst war ich für das Abendessen verantwortlich. Damals meist ‘frei Schnauze’, viel Gemüse, ein wenig Fleisch oder einfach Nudel und Sauce. Meine besondere liebe zu Kochbüchern begann mit Jamie Oliver’s ‘Happy Days with the Naked Chef’ und dem Kennenlernen meiner zukünftigen Schwiegermutter, die ein paar Hundert Kochbücher ihr Eigen nennt. Mittlerweile besitze ich selbst um die 150 Stück, lese darin wie andere in einem Roman oder Fachbuch und lasse mich gerne inspirieren. Backrezepte mache ich in der Regel relativ starr nach Rezept, da kann man kaum experimentieren. Ich verwende vielleicht ein anderes Mehl, andere Gewürze oder Früchte, aber das war’s dann auch schon. Kochrezepte sehe ich eher als ‘Anleitung’, die variierbarer ist und so entsteht manchmal ein ganz neues anderes Gericht, aber das ist nicht immer der Fall.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

LessingAls ich das Kochbuch zum ersten Mal in den Händen hielt, dachte ich mir: „Ohgott!“ – das Cover haut einen jetzt nicht wirklich vom Hocker und kommt ziemlich langweilig und altbacken daher. Aufgrund des Covers würde ich das Buch mit Sicherheit nicht kaufen und auch der gewisse Kick zum Durchblättern fehlt mir hier. Aber man sollte sich ja nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen….
Das Buch ist in den Standardkategorien Vorspeisen, Suppen, Hauptspeisen und Desserts untergliedert. Im Einleitungsteil findet man hilfreiche Tipps & Trickswie man eine größere Party vorbereitet und plant, ohne in Hektik zu geraten. Jedes Rezept wird mit einem wunderschönen Foto begleitet und zusätzlich bekommt man noch extra Tipps zum Variieren. Zwischendrin findet man auch einige Schritt-für-Schritt Anleitungen, die ich persönlich ganz gelungen finde, denn bei schwierigen Gerichten ist eine extra Anleitung doch recht hilfreich. Im Schlussteil des Buches findet man noch passende Menüvorschläge, wie z.B. Essen mit Freunden oder ein Fstliches Weihnachtsmenü.

LessingDer erste äußere Eindruck war eher neutral. Das Cover würde mich im Laden nicht unbedingt dazu animieren, das Buch in die Hand zu nehmen und darin zu blättern, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Und es kommt ja auf den Inhalt an. 🙂
Ich habe das Buch, so wie ich es immer mache, zuerst grob durchgeblättert und mir das eine oder andere Rezept angeschaut. Auch hier war der erste Eindruck eher neutral,der Aufbau der Gerichte ist aber gut.Mit Lesen der Einleitung bekommt man dann eine andere Sicht auf das Kochbuch und es erklärt sich auch, warum der Titel des Buches “Entspannte Küche” heißt. Besonderns positiv aufgefallen sind mir die letzten Seiten. Hier gibt es thematische Menüvorschläge – von 3-Gänge-Menü bishin zum Sommerbuffet.

LessingAls ich ‘Entspannte Küche’ das erste Mal durchblätterte, war ich sehr angetan. Auf den ersten Blick wirkten die Rezepte sehr einfach und leicht nachzukochen und vor allem sah alles sehr schmackhaft aus.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

LessingAls erstes entschied ich mich für die Geflügelleberpastete mit Portwein und Thymian, da ich noch nie selbst eine Pastete selbstgemacht habe. Die Zubereitung ist wirklich kinderleicht und man benötigt nur wenige Zutaten dafür. Geschmacklich hat mich das Rezept jedoch nicht überzeugt, da mir der Lebergeschmack zu intensiv war. Wer jedoch auf Terrinen und Pasteten dieser Art steht und auch Leber sehr gerne mag, dem kann ich dieses Rezept ans Herz legen.
Als nächstes folgte die Eierschwammerlsuppe mit Kernöl, ebenfalls ein Rezept, dass im Handumdrehen fertig ist. Bei der Suppe handelt es sich ja schon fast um einen Klassiker, nur die Zugabe von Kürbiskernöl war für mich neu, aber hat dem Ganzen einen finalen Kick gegeben. Sehr lecker!
Und zu guter Letzt kam dann der phantastische Orangenkuchen mit Mandeln an die Reihe – WOW! Was für ein Kuchen! Aufgrund der Zubereitungsmethode, bei der die Orangen wirklich komplett verarbeitet werden, ist dieser Kuchen megaorangig und super saftig. Sehr zu empfehlen!

LessingSpinatsalat mit Tintenfisch, Chorizo und Aioli
Spinat als Salat habe ich noch nicht gegessen. Daher fiel meine Wahl auf diesen Salat. Der Salat ließ sich gut zubereiten und war lecker. Ich werde diesen Salat bestimmt nochmal machen, dann aber mit Feldsalat.

Rote-Linsen-Suppe mit Apfel und gebratenem Speck
Sehr leckere Suppe und sehr entspannt zu kochen… fast zu entspannt für meinen Geschmack. Bei den Zutaten bin ich über “Gemüsesuppe” gestolpert. Es war hier wohl Gemüsebrühe gemeint.

Kräuterroastbeef mit geschmolzenen Zucchini
Ein Fleischgericht, dass man wieder sich selbst überlassen kann. Da ich nur die halbe Menge an Fleisch zubereitet habe, stimmten die Garzeiten natürlich nicht ganz. Aber ich habe den Garpunkt trotzdem gut getroffen 😉
Was mich hier total ins Schleudern gebracht, war die Beschreibung zur Zubereitung des Fleisches. Es heißt, man solle eine Pfanne mit Wasser befüllen, ein Rost hineinlegen, darauf das Roastbeef platzieren und die Pfanne dann in den Ofen schieben… Ich hab das Fleisch einfach auf das Ofenrost gelegt und zusätzlich ein Backblech mit etwas Wasser mit in den Ofen geschoben. 🙂

Schweinemedaillons mit Zitronen-Chili-Sauce
Die Medaillons waren sehr zart, die Zitronen-Chili-Sauce war aber nicht so meins. Meinen Mit-Testern hat es aber geschmeckt 🙂

Ahornsirup-Parfait mit Pekannüssen
Einfach zuzubereiten und lecker.

LessingIch habe das Frühlingsrisotto, den Zucchiniflan, das (?) Chicken-Tikka-Masala, den Apfel-Brombeer-Crumble sowie den Orangen-Mandel-Kuchen getestet.
Das Frühlingsrisotto war herrlich, ich liebe Risottos sowieso und finde sie immer gelingsicher. Die feine Zitronennote gepaart mit den Kräutern war perfekt, nur die Mengen angabe musste ich mangels Esser halbieren.
Der Zucchiniflan war eigentlich auch gut. Aber – die Menge an Zucchini war viel zu viel für die Menge an Eiern und Sahne. Weswegen ich da improvisiert habe und 5 Eier sowie 150ml Sahne verwendete. Aus Mangel an kleinen Förmchen verwendete ich meine Glas-Kastenform, was aber ebensogut klappte. Anstelle des Tomatensalates gab es einen Gartensalat, da wir frischen Salat vom Acker meiner Schwiegereltern hatten.
Das (? Der?) Chicken-Tikka-Masala war der absolute Hit bei meinem Mann und unseren drei Kindern. Ich glaube zwar, dass der Garam Masala, den ich von Sonnentor im Bioladen kaufte, keine Originalmischung ist, geschmeckt hat es trotzdem gut. Anstelle der ausgelöste Hühnerschlegel hatten wir aber ein ganzes, zerteiltes Huhn.
Ich liebe alles, das ‘Crumble’ oder ‘Crisp’ heißt. Dieses Gericht passt zu jeder Jahreszeit und funktioniert mit allen Früchten. So aßen wir den Apfel-Brombeer-Crumble mit Aprikosen und Pfirsichen sowie einer Kugel Vanilleeis und waren sehr zufrieden.
Eigentlich als erstes, hier in der Aufführung allerdings als letztes, testete ich den Orangen-Mandel-Kuchen. Geschmacklich sehr fein, auch mit fertig gemahlenen, unblanchierten Mandeln aus dem Supermarkt. Das nächste Mal werde ich aber die Menge an Orangen hablieren, das Aroma war für meinen Geschmack zu intensiv.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

LessingDas Kochbuch gefällt mir im Großen und Ganzen wirklich sehr gut. Die Rezepte sind sehr sorgfältig ausgewählt und man findet für jeden Geschmack das Passende. Das Buch kann man das ganze Jahr über verwenden, da es zu jeder Saison die passenden Gerichte enthält. Die Gestaltung und die Fotos sind ebenfalls sehr gelungen. Auch wenn das Kochbuch sehr fleisch- und fischlastig ist, kann ich es durchaus empfehlen. Das einzige was mich etwas stört ist das Cover, denn das schreckt einen eher etwas ab, aber wie heißt es doch so schön: Man sollte mehr auf die Inneren Werte achten.

LessingDas Kochbuch “Entspannte Küche” enthält schöne Rezepte, die sich gut nachkochen lassen. Ich bin über die eine oder andere Formulierung gestolpert, bei der ich erstmal kurz überlegen musste, was jetzt gemeint ist. Was hat z. B. Gemüsesuppe in einer
Linsensuppe zu tun? Hier war Gemüsebrühe gemeint… 🙂
Das liegt aber eher an meiner Herkunft, ich bin halt eher nordisch geprägt als österreichisch 😉 Ich hätte mir, gerade in Hinblick auf das Ansinnen des Kochbuches (entspannt Kochen für große Runden) schnell ersichtliche Zubereitungszeiten zu jedem Rezept gewünscht.
Wenn man, wie in der Einleitung beschrieben, gesellige Abende für acht bis zwölf Gäste ausrichten und möglichst viel entspannte Zeit bei seinen Gästen verbringen möchte, ist dieses Buch absolut empfehlenswert:

  • Die Zutaten sind nicht zu exotisch, so dass man nicht durch fünf oder sechs Läden rennen muss, bis man alle Zutaten zusammen hat.
  • Die Mengen sind immer für 8 Personen ausgelegt.
  • Die Gerichte lassen sich gut vorbereiten und benötigen meist nur wenige Arbeitsschritte.
  • Am Ende des Buches sind bereits einige thematische Menüvorschläge, was ich persönlich sehr mag

LessingInsgesamt ist das Kochbuch gut strukturiert und mit einer breiten Auswahl an Rezepten. Aber mir fehlt sehr stark die ‘Frischekomponente’. Gerade einen Salat empfinde ich persönlich als sehr entspanntes Kochen und Gemüse hier im Kochbuch war zum einen für meinen Geschmack zu wenig vertreten und wenn, dann geschmort. Das schmeckt mir auch, aber eben nicht immer. Ich hätte ohne weiteres auf die Hälfte der Fleischrezepte verzichten können und dafür mehr vegetarisches gehabt. Auch den Titel ‘Entspanntes Kochen’ finde ich ein wenig irreführend, da oft eine Vielzahl an Schritten nötig ist, bevor ein Gericht ohne Zutun des Kochs im Ofen oder auf dem Herd schmoren kann. Auch die Fotos wirken nur teilweise ansprechend, hätte ich das Kochbuch in einem Buchladen in der Hand gehabt, so hätte ich es trotz der guten Auswahl an Rezepten zurückgestellt und ein anderes gewählt. Bei einem Preis von fast 30€ erwarte ich als Leser und passionierter Kochbuchsammler mehr.


Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2012

2 Kommentare

  1. Valerie

    meine erste Kochbuch-Rezension *freu*

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