Kochbuch von Martin Kintrup: Festlich vegetarisch

Kochbuch von Martin Kintrup: Festlich vegetarisch ★★★★☆

Festlich vegetarisch
Martin Kintrup
Fotos Julia Hoersch
Hölker Verlag (2016)
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Maria Kufeld

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Die klassische Festtagsküche wird traditionell von Fleisch und Fisch dominiert. Nicht so bei Martin Kintrup. Er zeigt, wie man seine Gäste vegetarisch – teils sogar vegan – satt und glücklich macht. Neben typischen Anlässen wie Ostern, Weihnachten, Silvester serviert er seinen Lesern in „Festlich vegetarisch“ auch spannende Ideen für die Tea Time, den sommerlichen Grillabend oder das romantische Dinner für Zwei.

Zu besonderen Anlässen vegetarische Gerichte anzubieten, finde ich absolut zeitgemäß. Deshalb habe ich mich wirklich auf das Buch von Martin Kintrup gefreut. Seinem festlichen Namen mit der Goldprägung, dem edlen, grauen Deckel und Lesebändchen macht es alle Ehre. Beim Durchblättern bestätigen die opulenten Bilder den ersten, schönen Eindruck. Hier steckt viel Liebe in der Produktion.

„Festlich vegetarisch“ begleitet dich mit insgesamt 18 Menüs fürs ganze Jahr durch alle vier Jahreszeiten und freut jeden saisonalen Koch. Klar, waren damit in der Testphase einige Rezepte automatisch raus. Aber es gab immer wieder genug Ausweichmöglichkeiten. Mit den verschiedenen Themenbereichen wird es nie langweilig. Sicherlich gehört in ein solches Buch das Oster-, Weihnachtsmenü, der Sonntagsbruch und „Silvester Glamour“. Dazu kommen aber viele Ideen, die mich überrascht haben. Ergänzend und noch naheliegend bietet Kintrup (links ein Foto des Autors) zur Weihnachtszeit netterweise auch das Menü für einen „entspannten Heiligabend“ oder gleich das vegane Festmahl an. Noch weiter gedacht – und wie ich finde sehr schöne Ideen – sind außerdem seine vorgeschlagenen Sammelgerichte zum Thema „High Tea“, „Mezze aus 1001 Nacht“, „Blüten- und Beerenzauber“ und „asiatische Chill-Out-Party“.

Glühweinsirup, Radieschensalsa, getrüffeltes Kartoffelgratin

Wer hier nicht fündig wird, dem ist nicht zu helfen. Ich bleibe immer wieder hängen und bin begeistert von Rezepten wie Sekt mit Glühweinsirup, getrüffeltem Kartoffelgratin mit glaciertem Gemüse oder Schoko-Macarons mit Holundercreme. Auch Gerichte, denen ich eher skeptisch gegenüber stehe wie Polenta, möchte ich glatt austesten, wenn ich sehe, wie Kintrup sie mit Rahmspinat und Bergkäse-Radieschensalsa kombiniert.

Obwohl sich der Kochbuchautor viel einfallen lässt, verbannen einen die Zubereitungszeiten nicht ständig für einen halben Tag in die Küche, was ein Braten oder Schmorgericht mit Fleisch locker einfordern würde. Noch ein Argument für die fleischfreie Feiertagsküche.

Da es in „Festlich vegetarisch“ aber auch mal recht leger um den Grillabend geht oder „Dinner for two“, lassen sich einige Rezepte sogar abends leicht ausprobieren. Wie schnell bei ihm zum Beispiel das Gelbe-Bete-Carpaccio mit Postelein und Grapefruit geht (20 Minuten!). Keine gelbe Bete im Angebot? Alternativ schlägt Kintrup Rote Bete, Rettich oder Kohlrabi vor. Eine Ergänzung, die er bei fast jedem Gericht im Buch mitliefert.

Immer wieder trifft süß auf herzhaft

Relativ schnell liest man seine Lieblingszutaten heraus, die einem immer wieder begegnen: Knoblauch, Honig, Minze, Feta, Walnuss und Zitrone. Alles Basics, die mir persönlich gut schmecken. Eine zweite Vorliebe dürfte allerdings einigen Nachkochern missfallen. Kintrup hat definitiv eine Schwäche für herzhaft-süße Kombis, etwa bei den Crostini mit Ziegenkäse und Cranberrys, dem Tex-Mex-Salat mit Mango oder Orangentaboulé mit Halloumi. Da haben meine Testesser schon mal gemosert. Mango im Salat? Rosinen in der Suppe? Geschmackssache!

Abgesehen von geschmacklichen Differenzen, fallen mir handwerklich zwei Schwächen des Buches auf. Zum Teil sind Mengenangaben zu knapp kalkuliert. Ein Taboulé als Hauptgang für vier Personen mit 100 Gramm Couscous? Das mag im Restaurant stimmig sein, aber nicht zuhause. Gerade wenn es auf eine Einladung – erst recht einer festlichen – hinausläuft, möchte man seinen Gästen ja im Zweifel einen kleinen Nachschlag anbieten können, wenn es ihnen schmeckt.

Außerdem ließ sich bei zwei Gerichten über die Konsistenz streiten. Das Bircher-Müsli war mir nicht pampig genug und die Buttermilchcreme wurde trotz verordneter 2-Stunden-Kühlung nur oberflächlich fest. Das sollte beim krönenden Festessen-Finale natürlich nicht passieren.

Ohne viel Küchen-Tamtam, dafür im hübschen Gewand kommt das Buch von Martin Kintrup daher. Trotz vegetarischem Fokus präsentiert er einen tollen Querschnitt an Gerichten – definitiv mit dem Fokus auf Genuss, nicht auf gesunde Kost. Das sind die hübschen bunten Teller, Schüsseln und Gläser von ganz allein. Der Aufwand bleibt übersichtlich. Wobei man sich an der Stelle streiten kann, ob alle Rezepte auch wirklich feierlich genug sind.

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Veröffentlicht im November 2017

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