Kochbuch von Marie Melchior: Familienbrunch und Gartenfest

Kochbuch von Marie Melchior: Familienbrunch und Gartenfest ★★★★☆

Familienbrunch & Gartenfest

Marie Melchior, Fotos Betina Hastoft
Jan Thorbecke Verlag (2013)
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Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Dänemark, irgendwann im Sommer, irgendwo auf dem Lande. Ein malerischer Obstgarten. Ein rustikaler Holztisch, geschmückt mit Wiesenblumen. Die Teller warten darauf, mit köstlichen Speisen gefüllt zu werden. Die Gläser sind gefüllt, fröhliche, nette Menschen prosten sich zu. Ich könnte schwören, es duftet nach Holzkohle. Ländliches Idyll pur. Dieser Einladung folge ich gerne. Auch wenn vermutlich ganze Mückenschwärme mitfeiern.

Meine Gastgeberin, die Dänin Marie Melchior, ist Autodidaktin – mit reichlich professioneller Erfahrung aus dem eigenen Catering-Unternehmen, das sie einige Jahre betrieben hat. Heute arbeitet sie als Foodautorin und Bloggerin. Familienbrunch & Gartenfest ist ihr erstes Buch, das auch in Deutsch erschienen ist.

melchiorIn ihrem Buch fühle ich mich sofort willkommen. Klare Strukturen, dazu ein bunter Farb- und Bilderbogen mit einer gewissen Vorliebe für appetitliches himbeerrot, lavendelblau und kürbisorange, dazwischen immer wieder fröhliche Menschen in ländlicher Idylle oder stilvoll-festlichem Rahmen. Einige Rezeptfotos (Fotografin: Betina Hastoft, linkes Bild: die Autorin) zeigen die Köstlichkeiten so beiläufig im lässige Arrangements eingebettet, dass ich sie fast suchen muss. Strukturierte Lässigkeit. Sehr sympathisch.

Die Rezepte sind für jeweils sechs Personen berechnet, so dass sie auch „klein“ funktionieren und sich gut in den Alltag einpassen, sollte mal keine größere Gästeschar aufzutreiben sein. Überhaupt muss es nicht gleich das große Festbankett sein. Marie Melchior spannt den Bogen von Brunch, Sonntagsessen und Kuchenbüffet über Tapas, Cocktailparty und das „große Fest“, von Grillfest und Picknick bis Herbstfest, Dezembertreffen und Mitternachtsmahlzeit.

Vielfältig ist auch die Rezeptauswahl von Müsli und Sonntagsbrötchen über rosa-pinke Torten, Gegrilltes und Salate, Suppen und Aufstriche, viele Kleinigkeiten an Spießchen und in Gläschen, dazu Tartes, Quiches und Wraps, Kir zum Sonntagsessen oder Vin Chaud im Winter- und für mich das absolute Charme-Highlight: Arme Ritter mit Mascarponecreme! Im Kapitel „Das große Fest“! Ich muss gestehen, ich bin fast ein bisschen gerührt, einen guten alten Bekannten in neuen Kleidern in so prächtiger Gesellschaft zu treffen.

Die Zutaten sind problemlos zu beschaffen, zumal Marie Melchior auch auf Fertigzutaten wie Dosengemüse und fertige Tortenböden zurückgreift. An wenigen Stellen geben mir allerdings Angaben wie „1 TL Konservierungsmittel“ oder „1 Tarteboden“ Rätsel auf, deren Lösung ich im Sortiment dänischer Supermärkte vermute.

Vorangestellt hat Marie Melchior außerdem einige praktische Tipps für eine kluge Partyplanung – Was kann ich zwei Tage vorher erledigen, was am Vortag, was am Feier-Tag? Wie berechne ich die Mengen? Bei welchen kleinen Helferlein muss ich die Vorräte kontrollieren – von Küchenkrepp und frischen Geschirrhandtüchern über Flaschenöffner bis zu Müllbeuteln? Dazu gibt sie Tipps aus dem Profibereich, die sich auch im kleineren, privaten Rahmen sinnvoll einsetzen lassen, etwa der Einsatz einer Thermobox aus Styropor, um Fleisch warm zu halten. Schmunzeln musste ich allerdings über den Tipp, die Einkaufsliste danach einzuteilen, wo die Ware im Supermarkt steht, um nicht in Schleifen durch den Laden zu rasen. Da meint sie wohl Leute wie mich.

Bei aller Perfektion in der Vorbereitung ist Marie Melchiors Stil beim Kochen sehr entspannt und pragmatisch. Die Rezeptbeschreibungen sind knapp, sachlich und nüchtern, die Zutaten-, Mengen- und Temperaturangaben fast minimalistisch, mein Ofen lief fast durchgehend auf 200 Grad. Überhaupt verzichtet Marie Melchior auf filigrane Kunstgriffe, ihre Rezepte führen ohne Umwege auf kürzestem Weg zum Ziel.

Mein Rezepttest kam mir vor, als würde ich von einem gut gefüllten Büffet naschen. Kreuz und quer habe ich mich durch das Buch probiert. Alle Rezepte waren gelingsicher beschrieben, schnell und mit wenigen Handgriffen umgesetzt und brachten immer brauchbare, manchmal richtig leckere Ergebnisse hervor, dazu häufig mit einem besonderen Pfiff für eine ansprechende Optik. Könnte man die Rezepte einmal herausschütteln, durchmischen und zu einem neuen Kochbuch zusammensetzen, so könnte es genauso gut auch als pfiffiges kleines Jederzeit-Kochbuch durchgehen, für zahlreiche Gelegenheiten von Morgens bis Mitternacht, von Montags bis Sonntags, von Januar bis Dezember. Ein schönes Buch, das hält, was es verspricht. Versprochen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2013

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