Kochbuch von Margit Proebst: Kochen für zwei – und nichts bleibt übrig

Kochbuch von Margit Proebst: Kochen für zwei – und nichts bleibt übrig ★★★★★

Kochen für zwei
– und nichts bleibt übrig
Margit Proebst, Fotos Jana Liebenstein
GU (2012)
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Sylvia Peters

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

“Himmel, hilf, nicht auch das noch!” ruft der Mann, als er sieht, wie ich in freudiger Erwartung mein neuestes Rezensionexemplar auspacke. In der Hektik unmittelbarster Urlaubsvorbereitungen und mit einem scheelen Blick auf den Titel las er “Kochen zu zweit”. Aber keine Sorge, mit meinen Kochbuchfreunden, in meiner Küche und in meinem kleinen Kräutergarten bin ich am liebsten allein, auch wenn ich gerne für zwei und mehr koche.

Die Auswahl an Rezepten soll neben dem Besonderen vor allem jede Menge schnelle und einfache Gerichte für jeden Tag bieten. Und zwar für alle Paare, die gemeinsam genießen. So steht es erst einmal im Vorwort. Die Praxis sieht bei uns allerdings folgendermaßen aus, ich koche und esse mittags alleine, die Kinder essen in der dankenswerterweise guten Kinderküche der Kita, der Mann wird in der Kantine abgefrühstückt. Keiner ist aber böse darob, falls am Abend noch launige kleine Fitzelchen vom Mittagessen da sind. Die kühne Rechnung bei uns hieß also: ich esse mittags die eine Portion, die Kinder teilen sich abends Portion zwei, und der Mann kriegt ein Feierabendbier. Dazu kam es in den meisten Fällen leider nicht, weil ich bei fast allen Rezepten, die ich ausprobiert habe, beide Portionen gegessen habe.

Um es gleich mal auf den Punkt zu bringen: Dies ist ein detailreiches, fotovollgestopftes, akkurates und unaufgeregte Buch besonders (nicht nur!!) für Anfänger. Vielleicht muss ich ergänzen – für aufgeschlossene Anfänger ohne Scheu, die die Themen Tomatensoße, Kartoffelgratin und Omelett bereits abgehakt haben und nicht gleich den Kochlöffel ins Korn werfen, wenn sie Zutatenlisten mit Zitronengras oder Fischsauce lesen. Hier kann alles und nichts muss.

Es gibt einen Serviceteil mit Informationen zu Küchenausstattung, Vorratshaltung, zu Kräuter- und Gewürzverwendung, darüber, wie man verschiedene Aromen wie Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer einsetzt, wie man der Suppe mit Pfeffer, Harissa oder Sambal Oelek beikommt, wie man Lebensmittel richtig lagert und, ganz wichtig, wie man Reste verwertet.

Das ist sozusagen eine Art Alleinstellungsmerkmal des Buches. Mir geht es oft so, dass ich etwas übrig habe, aber keinen Appetit auf genau dasselbe Essen vom Vortag. Etliche der Rezepte bieten genau hier einen Querverweis auf ein Rezept, in dem man die Reste zu einem neuen Gesamtbild zusammen setzen kann, wie etwa die Reste des Kalbsbratens für Vitello Tonnato oder die des Schweinebratens zu Tiroler Gröstl. Das macht Lust, sich mal wieder zum guten Sonntagsbraten aufzuschwingen.

Salate und Vorspeisen, Suppen und Eintöpfe, Vegetarisches, Fisch und Meeresfrüchte, Fleisch und Geflügel, Süßes sind die Kapitel, von es jedes auf etwa 20 Seiten bringt. So simpel das klingen mag, aber eine nicht zu überschätzende Sache ist die, dass es zu jedem Rezept ein Foto gibt, das schlicht und einfach einen Teller mit dem entsprechenden Gericht zeigt. Natürlich hübsch dekoriert und ausgeleuchtet. Und auf dem Teller ist drauf, was im Rezept drin ist, was beileibe nicht bei allen Kochbüchern der Fall ist.

Irgendwie strahlt das Buch eine heitere Gelassenheit aus – die Rezepte sind stimmig, die Anweisungen klar (der Fisch in der Salzkruste soll eben nicht geschuppt sein, denn so löst sich später der Salzmantel gleich mit der Haut), es gibt auf fast jeder -seite Tipps für Varianten und Alternativen (mag man keinen Tofu, kann man eben auch Hühnchen in Sesambröseln wenden).

Das einzige Problem war, und das kann man dem Werk nun wirklich nicht anlasten, dass ich häufig mittags beide Portionen verputzt habe. Also quasi: Kochen für einen – und nichts bleibt übrig.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2012

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