Kochbuch von Marco Baudone: Brasserie – Frankreichs gute Küche

Kochbuch von Marco Baudone: Brasserie – Frankreichs gute Küche ★★★☆☆

Brasserie – Frankreichs gute Küche
Marco Baudone
Fotos Roland Persson & Jimmy Hansen
Christian Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Barbara Meyer

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Marco Baudone, ein Schwede mit italienischen Wurzeln kocht französisch. Die Intention ist gut. Die Ausführung überzeugt nicht ganz.

Meine ersten Erfahrungen mit der französischen Küche verdanke ich meiner leider viel zu früh verstorbenen Lateinlehrerin, die mich zu der Teilnahme an einem Schüleraustausch unserer Schule mit einem Lycée im südlichen Dunstkreis von Paris überredete. Mit meiner Austauschschülerin verband mich bereits nach ihrem ersten Besuch bei uns im Ruhrgebiet eine enge Freundschaft. In den Sommerferien packte ich kurzerhand meinen Koffer, um sie und ihre Familie für eine Woche zu besuchen.

kochbuch-brasserie-frankreichs-gute-kueche-marco-baudone-inside-valentinas

Ich habe herrliche Erinnerungen an diese Sommertage. Ganz besonders gut erinnere ich mich an die wunderbaren, nicht enden wollenden Mahlzeiten in dem großen Wintergarten und an das Essen, das Aurélies Mutter zubereitete. Bei uns zu Hause wurde sicher ordentlich gekocht. Aber die Tage in Frankreich waren für mich eine kulinarische Entdeckung: Zunge, Vinaigrette, Coq au Vin, Artischocken. Rillettes. Selbsthergestellt aus eigenem Federvieh. Käse. Tartes aux pommes und mein erstes Schokoladenfondant. Seit diesen Tagen sind die französische Küche und ich sehr gute Freunde. Umso erstaunlicher, dass ich bei meinen eigenen Experimenten in der Küche bislang nur selten einmal „typisch“ französische Gerichte ausprobiere. Vielleicht fehlte mir bislang nur das richtige Kochbuch?

Gespannt blätterte ich durch „Brasserie – Frankreichs gute Küche“. Die Aufmachung gefiel mir comme çi, comme ça. Roter, aufgeplusterter Einband mit goldener Schrift, verschnörkeltes Layout mit sehr vielen unterschiedlichen Schriftarten, eine kurze Begrüßung des Lesers, ein paar Worte zur Brasserie-Kultur, garniert mit etwas Werbung in eigener Sache. Naja. Mein Auge blieb an einigen wirklich gelungenen Fotos hängen, für die sich Roland Persson und Jimmy Hansen verantwortlich zeichnen.

brasserie-le-rouge-marco-baudone-website-valentinas

Das Restaurant des Autors, die Brasserie „Le Rouge“ in Stockholm, scheint jedenfalls einen Besuch wert zu sein und auch die abgebildeten Rezepte machten mir Appetit. Auch dass das Buch mit dem Kapitel „Cocktails“ beginnt, machte es mir nicht unsympathisch, wenn ich auch leider feststellen musste, dass das Rezept für meinen französischen Lieblingsaperitif, die unwiderstehliche „Soupe de Champagne“, nicht enthalten ist. Zuversichtlich machte ich mich daran, die Rezepte genauer zu studieren.

An der Auswahl gab es nichts zu mäkeln. Alles da, was man in einer ordentlichen französischen Brasserie erwarten würde: Schnecken, Entrecôte, Muscheln, Rinderrippchen, Fondant au chocolat. Sogar ein Rezept für die Herstellung von Entenleberterrine. Eine sinnvolle Kapitelgliederung mit Vorspeisen, „Plat du Jour“, Fisch, Fleisch und Desserts. Neben vielen bodenständigen Gerichten auch einige Besonderheiten für gehobene oder ausgefallenere Ansprüche, wie z.B. Hummersalat, Seeigelsuppe und Fasan mit Polenta. Besonders gut gefallen haben mir die beiden Extrakapitel „Beilagen und Saucen“ und „Gerichte mit Käse“. Hier finden sich viele der leckeren Kleinigkeiten, die für mich das Besondere der französischen Küche ausmachen. Dazu gibt es noch ein Rezeptverzeichnis mit deutschen und französischen Titeln.

Schon beim ersten Durchschauen der Rezepte beschlichen mich dann aber doch Zweifel. Die Zubereitungsschritte waren jeweils nur äußerst knapp beschrieben. Schon beim Lesen bemerkte ich Ungenauigkeiten. Um es kurz zu machen: Beim Nachkochen bestätigte sich der Eindruck, dass es dem Autor bei seinem Werk eher um kurze, knappe Regieanweisungen für bereits erfahrene Köche gegangen ist, als um exakte Kochanweisungen für Jedermann. Mein Gaumen war zwar alles in allem recht angetan von den Ergebnissen. Es schmeckte alles gut und authentisch französisch. Ich zweifle aber, dass ich beim nächsten Nachkochen zuverlässig dasselbe Ergebnis werde reproduzieren können. Dies ist auch der Grund, warum das Buch trotz einiger Stärken von mir nur drei Sterne erhält. Von einem Kochbuch erwarte ich mehr als nur ein bisschen Inspiration. Immerhin hat mir das Buch Lust auf Schweden und Stockholm und einen Besuch im Le Rouge gemacht. Das ist ja auch schon einmal etwas.

Ein nettes Buch zur Inspiration für Liebhaber der französischen Küche, die vor Improvisation und Experimentieren nicht zurückschrecken und auch damit leben können, dass das Ergebnis einmal anders ausfällt, als vielleicht erwartet.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2015

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z