Kochbuch von Mälzer & Witzigmann: Zwei Köche – ein Buch

Kochbuch von Mälzer & Witzigmann: Zwei Köche – ein Buch ★★★★☆

Mälzer & Witzigmann
Zwei Köche – ein Buch

Tim Mälzer & Eckart Witzigmann, Fotos M. Haupt
Mosaik bei Goldmann (2010)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Drei mal drei – so lautet die Idee von Valentinas Kochbuchtest. Drei Leserinnen kochen mindestens drei Rezepte aus einem Kochbuch nach. In diesem Fall waren es Kathrin aus Dänemark, Melanie aus Münstertal und Bloggerin Tina aus Salach, die sich Mälzer & Witzigmann “vorknöpften”.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

WitzigmannMit etwa 14 Jahren begann ich mich für’s Backen und Kochen erst zu interessieren, dann zu begeistern. Damals hatte ich neben der Schule einen Job als Babysitterin für drei wirklich nette Kinder aus der Nachbarschaft, deren Mutter mir eines Tages zwischen Tür und Angel kurz mitteilte, dass ich den Kleinen zum Mittag doch Spaghetti Bolognese zubereiten solle – Zutaten wären vorhanden!… Dann entschwand sie und ließ mich – die bis zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein Ei gekocht hatte – völlig ahnungslos zurück! So warf ich dann später mutig und entschlossen ein Pfund Hackfleisch in kochendes Wasser, worauf der fünfjährige Thomas anmerkte, dass seine Mutter das aber irgendwie anders machen würde… Lange Rede, kurzer Sinn: zu Hause gab mir meine Mutter ihr altes Dr. Oetker Schulkochbuch und ich begann, unsere Familie regelmäßig mit “Frankfurter Kranz”, “Obstmichel” oder anderen Leckereien zu beglücken! Heute nutze ich – hauptsächlich – regionale und internationale Kochbücher (Rezeptsammlungen) als Inspiration und Ideengeber oder einfach als Lektüre und erfreue mich an schönen Fotos!

WitzigmannIch kann mich zurückerinnern, dass ich schon seit meiner Kindheit gerne bei meiner Mutter in der Küche war. Unbewusst oder bewusst mitgeholfen habe ich so ab dem 6. Lebensjahr und erste eigene Gerichte sind mit 12 Jahren in der Küche entstanden. Ich empfand es immer als interessant zuzuschauen und von anderen zu lernen, wie man mit Lebensmitteln umgeht und was man alles aus und mit ihnen machen kann. Ich bin mit jedem neuen Kochbuch immer noch verblüfft, wie unterschiedlich Köche die Zutaten zusammenstellen und variieren.

WitzigmannWie lange ich koche, ist schwer zu sagen, die ersten Bilder von der tatkräftigen Hilfe in der Küche sind so ab meinen 3. Lebensjahr zu finden und Kochen hat mich seitdem eigentlich immer begleitet. Kochbücher werden als Nachschlagewerk, Impuls- und Ideengeber verwendet, meine Lieblingskochbücher auch gerne mit post-its bestückt.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

WitzigmannMit einem Glas Rotwein bewaffnet, habe ich mich an die Lektüre des gespannt erwarteten Kochbuchs gemacht und zwei Stunden mit allergrößtem Vergnügen geschmökert! Das Buch startet mit einem unterhaltsamen und informativen achtseitigen Interview und ist dann übersichtlich in 10 Rubriken gegliedert, die vorab jeweils einen kleinen Einblick in die Warenkunde der jeweiligen Lebensmittel bieten. Die Rezeptpalette reicht von gutbürgerlich, regional über mediterran bis hin zur gehobenen Küche und wirkt niemals zu “abgedreht” oder zu spektakulär, aber immer besonders – eben Lieblingsgerichte der beiden Köche, von denen einige sicher auch meine werden… Besonders erwähnenswert finde ich auch die Doppelseite (!!) über die Kunst, ein Ei hart zu kochen.

WitzigmannAlso erst einmal hat dieses Kochbuch einen schönen Einband und, was sich fast von selbst versteht, auch ein zweites Leseband, das ist sehr praktisch und mitdenkend angebracht worden. Es fasst sich gut an und hat eine schöne Größe, Seitendicke, Aufmachung und Schriftgröße sind passend gewählt. Die Einteilung der Rezepte von der Vorspeise bis hin zum Dessert halte ich auch für gelungen und habe mich so schnell zurechtgefunden.

WitzigmannZutaten, die auch in meinen Supermarkt großteils zu finden sein dürften, begleitet von tollen Bildern und eine lange Liste von Rezepten die ich gerne ausprobieren würde. Ganz nett zum Lesen zwischen dem Blättern fand ich auch den kurzen Textteil als Einleitung zu den jeweiligen Kapiteln gelungen.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

WitzigmannDa ich Hülsenfrüchte – insbesondere Linsen – liebe, habe ich mir als erstes Rezept Linsensuppe mit kross gebratener Chorizo ausgesucht. In Verbindung mit der feurigen und geschmacksintensiven Chorizo hat nicht nur mich diese Variation einer Linsensuppe mehr als überzeugt, sondern auch meinen Lebensgefährten, der sonst kein großer Fan von Eintöpfen ist. Lecker!
Knusprige Drumsticks mit Chili wurden als nächstes ausprobiert – auf den ersten Blick nichts Besonderes, aber die Chilisauce ist ein Traum! Frisch-fruchtig-scharf mit Limettensaft wird sie nicht nur jede Grillparty aufwerten!
Calamari mit Risina-Bohnen und Reisnudel-Risotto ist mir leider mißlungen… Schade, denn es hat wirklich wundervoll geduftet! Die Bohnen waren viel zu hart, die Calamari haben sich zum Teil in Gummi verwandelt und ein wirklicher Reisnudel-Fan werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr…
Estragonhuhn in sahniger Tomatensauce wurde zu unserem Lieblingsrezept erklärt! Butterweich geschmorte Hühnchenteile in einer raffinierten, delikaten, aromatisch-sahnigen Sauce entschädigen für die relativ lange Zubereitungszeit.
Zu guter Letzt möchte ich gerne bemerken, dass die Schokoladentarte immer wieder eine Sünde wert ist…

WitzigmannIch habe mittlerweile schon einige ausprobiert, fasse aber hier jetzt mal drei zusammen, die mir auf Anhieb besonders gefallen haben.
Sofritto mit Büffelmozzarella ist ein günstiges, leckeres und sehr vielfältig einzusetzendes Gericht. Ich habe es zuerst ganz klassisch nach der Vorgabe zubereitet und es kam in der Familie sehr gut an. Es eignet sich aber nicht nur zu Brot und Kartoffelchips, sondern kann durchaus auch als eine Art Chutney oder Sauce zu Penne oder Fleisch gereicht werden durch leichte Veränderungen in der Zutat oder Schärfe. Hier zeigt sich wieder mal die Möglichkeit zur Kombination einer Rezeptvorlage. Ich werde das mit Sicherheit noch ganz oft kochen und als Geheimtipp: anstatt Chips/ Tacos mit Dip ist es ein klasse Snack mit geröstetem Knoblauchbrot.
Lammragout mit Frühlingsgemüse war mein zweiter Versuch und auch hier überzeugen die Angaben, Zusammenstellungen und das Ergebnis. Alles passt hervorragend, ist fein aufeinander abgestimmt und die ganze Familie war von diesem Essen begeistert. Ein wahrer Gaumenschmaus, der sicher noch oft am Sonntag oder wenn Besuch kommt gereicht wird.
Ein Dessert wollte ich dann natürlich auch noch testen und habe mich für den marmorierten Käsekuchen entschieden. Er wird ohne Boden gebacken, so portioniert dass jeder ein fertiges Schälchen vor sich hat und schmeckt lauwarm einfach köstlich. Dazu passen sogar Frucht- oder ein gutes Vanilleeis, frische Himbeeren oder die Variation mit Kirschen und optisch ist die Farbkombination auch ein Highlight. Die Mengenangaben lassen sich einfach für mehr oder weniger Personen hochrechnen, so dass man da flexibel bleibt. Dieses Rezept kann man auch gut zu einer Feier mitnehmen und für die Anzahl der Personen zubereiten, da es nicht unbedingt lauwarm sein muss. Es schmeckt kalt ebenso gut und so hat jeder ein kleines, fertiges Dessert für sich.

WitzigmannFeldsalat mit Kalbsleber: Sehr einfache Zubereitung, allerdings benötigte ich deutlich weniger als die angegebenen 25 Minuten. Leider fand ich das Dressing etwas fade.
Frittierte pochierte Eier: Dass frittierte pochierte Ei war der Hammer, leider haben das Pesto & das Rote-Beete-Dressing sich nicht harmonisch ergänzt, sondern versucht sich gegenseitig zu übertrumpfen.
Wiener Hühnertopf mit Butternockeln: Erinnerte mich sofort an Omas Sonntagssuppe und genauso schmeckte sie auch.
Blumenkohl in Curry-Kokos-Sauce: Der Versuch, ein vegetarisch asiatisches Rezept einzubauen, ist nett zu werten, nur leider versagte die Umsetzung in der Zubereitung. Zuerst das Gemüse anbraten, dann erst die Zugabe der fertigen Curry Paste, da sträubte sich mein Curry-Liebhaberherz. Auch sonst war es uns durch die Zugabe von Zucker im Ganzen zu süß.
Möhren mit Koriander und Radicchio: Perfekt, genial, wann gibt es das wieder ? waren die Worte meiner 4-jährigen Patentochter, die bisher Radicchio nur mit hochgezogenen Augenbrauen beäugte und auf ihrem Teller von A nach B schob. Die Kombi aus Karotten, Feigen und Radicchio klingt sehr schlicht, weckt aber ungeheure Geschmackskomponenten.

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

WitzigmannDas qualitativ hochwertige, große und schwere Hardcover-Buch macht einen äußerst strapazierfähigen Eindruck – sehr wichtig für die Nutzung in der Küche! – und ist mit einem ansprechenden Cover und wirklich tollen Fotos und Illustrationen ausgestattet. Es ist übersichtlich und einfach gegliedert und besticht zwischendurch durch Anekdoten der beiden Köche wie z.B. “…während Eckart zu jeder Paprika, jedem Fisch und Kraut eine Beziehung aufbauen möchte…” Ein besonders nützliches und hübsches Detail sind auch die beiden Lesebändchen!

WitzigmannDie Aufteilung und Gestaltung hebt sich gut von anderen Kochbüchern ab und ist durch die vielen Dialoge und Fotos der beiden Köche sehr schön aufgelockert. Klar habe ich eine Erwartung an die beiden Küchenchefs und habe in aller Ruhe gelesen. Ein schöner Austausch der beiden, aufschlussreich, lustig und ich habe auch das Gefühl von Ehrlichkeit in den Antworten. Ich hab’ oft gedacht, nicht wirklich ein stures Kochbuch, sondern eher eine Hommage an das Essen, den Umgang damit und dass es keine Arbeit ist, in der Küche zu stehen, sondern ein Vergnügen, in den Händen zu halten. Klar hätte man sich jetzt anstelle der ganzen Interviews, noch mehr Rezepte wünschen können, aber ich habe das Buch als Gesamtkunstwerk und Aufklärung verstanden und das ist den beiden gut gelungen.

WitzigmannStabiler Einband, dickes Papier, tolle Bilder und zwei Lesebändchen. Dazu noch eine übersichtliche Aufteilung des Texts sowie ganz unten nicht zu übersehen die Zubereitunsgzeit. An der Optik gibt es wirklich nichts zu bemängeln.
Nur schade, dass es kein Zutatenindex gibt, das gestaltet die Rezeptsuche etwas schwieriger.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

WitzigmannEin optisch sehr ansprechendes, tolles, kurzweiliges (Koch-) Buch von zwei völlig verschiedenen Charakteren über ihre zwei großen Leidenschaften: das Kochen und das Genießen. Informativ, kreativ, anregend, gefüllt mit schönen Rezepten und Fotos, gespickt mit Lebensweisheiten und gewürzt mit einer Portion Humor, macht es Lust, direkt zum Kochlöffel zu greifen.

WitzigmannGute Gliederung, tolle Ideen, klasse Bilder und nebenher erfährt man noch eine Menge über die beiden Köche. Ich habe noch ganz viel Lust aus diesem Kochbuch in der Küche zu zaubern und bin zu Dingen angeregt worden. Dieses Buch macht Mut zur Kreativität, man hat keine Berührungsängste und die Auswahl der Gerichte ist nicht abgehoben. Es kann auch prima von Normalverbrauchern genutzt werden, das finde ich wichtig. Ich habe hier nicht den Eindruck erst einen Feinkostladen aufsuchen zu müssen, um die Rezeptvorlage einhalten zu können, alles gibt es eigentlich in einem gut sortierten Geschäft oder frisch und saisonal auf dem Wochenmarkt.

WitzigmannGute, fundierte Rezepte, daran kann kein Zweifel sein. Nur leider fehlt mir eine gewisse Grundrichtung des Kochbuchs. Wohin wollten die Herren Mälzer und Witzigmann damit? Von klassischen einfachen Gerichten wie Makkaroniauflauf bis zum poschierten Kalbsfilet ist alles mit dabei. Somit ist es für jemanden, der bereits eine recht umfangreiche Kochbuchsammlung vorweisen kann, eher ungeeignet. Jedes der Rezepte dürfte in der Art in einem der anderen Bücher zu finden sein. Und würde ich auf der Suche danach in diesem Sammelsurium nachschlagen? Vermutlich eher weniger. Für Kochanfänger gibt es zu viele Rezepte, die ein gewisses Kochverständnis voraussetzen. Mein Fazit, leider ein neuer Staubsammler in meinem Kochbuchregal.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2011

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