Kochbuch von Madeleine Shaw: Natürlich essen – natürlich schön!

Kochbuch von Madeleine Shaw: Natürlich essen – natürlich schön! ★★★★☆

Natürlich essen – natürlich schön!
Madeleine Shaw
Fotos Martin Poole, Ellis Parrinder
Dorling Kindersley (2016)
Mehr über den Verlag

Stefanie Hofeditz

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Der Titel heißt im Englischen „Get the Glow“ – leider unübersetzbar, ungleich schöner. In sechs Wochen soll die Leserin ihre Ernährung umstellen, auf der Rückseite ist die Philosophie der Britin zusammengefasst: „Industriezucker, Gluten und ungesunde Fette fliegen raus, dafür kommen jede Menge gesunde Zutaten und Superfoods auf den Teller (…)“. Das entspricht den aktuellen Food Trends. Nur – wer mich überzeugen will, auf meine Wochenend-Schrippe – oder mon dieu – mein Croissant zu verzichten sollte gute Argumente haben.

Ein Argument ist Shaw selber – gesund sieht sie auf dem Umschlagbild aus, die hat definitiv den Glow! Sie studierte in Sydney, jobbte dort in einem Biocafé, lernte Kochen und begann, darüber zu bloggen. Seit 2012 bietet sie Kurse und Workshops zu gesunder Ernährung an. Hat sie Ernährungswissenschaft studiert? Im Buch steht leider nichts dazu, auf ihrer Website schreibt sie, „I am currently studying Naturopathic Nutrition at CNM“. Leonardo da Vinci war auch Autodidakt – schauen wir doch mal.

Gesund & fit

Auf 271 schön gestalteten Seiten will Shaw uns gesünder, wacher, fitter machen. Der erste Teil des Buches ist theoretisch und in Wochen aufgeteilt – alle sieben Tage soll eine neue Ernährungsregel verinnerlicht werden. Im zweiten Teil gibt es Rezepte von Frühstück bis Abendbrot. Im Großen und Ganzen entspricht Shaws theoretischer Unterbau den aktuellen Ernährungstrends wie kein Gluten, gesunde Fette, kein Zucker, komplexe Kohlenhydrate.

Dazu gibt sie Tipps, die man teilweise so aber auch schon vor zehn Jahren in der Brigitte gelesen hat. So empfiehlt sie Stress- oder Frustessern statt an den Kühlschrank unter die Dusche zu gehen oder ein Buch zu lesen. Sie gibt aber auch hilfreiche Hinweise, wie z. B. welche Produkte man besser bio kauft („Das dreckige Dutzend“) und wo’s auch ohne bio geht („Die sauberen Fünfzehn“).

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In Woche eins steht Junkfood weglassen auf dem Programm. Shaws Fokus liegt auf Industriezucker und sie mahnt: „Alles in Maßen, nicht wahr? Ab und zu ein bisschen schadet nicht“. So rechtfertigen wir unseren Zuckerkonsum. Aber so einfach ist das leider nicht. Sie erklärt schlüssig, warum wir drauf verzichten sollten, zu Obst rät sie allerdings in Maßen, Mango, Ananas, Bananen und Trockenfrüchte sollten Sie sich ein paar Mal die Woche gönnen.

Thesen, aber wenig Belege

Statt Zucker sollen wir mit Honig, Stevia, Kokoszucker und Datteln süßen. Allerdings nur ein, zwei Mal die Woche. Sie berücksichtigt in ihren Argumenten auch den glykämischen Index – aber nicht die glykämische Last. Darüber lässt sich streiten. Das Argument, wie viel Nährstoffe Honig im Gegensatz zu Industriezucker hat, liest man nicht nur bei ihr – finde ich allerdings auch zumindest streitbar, wenn man die Verarbeitung und die geringe Menge, die man verwendet bedenkt – nicht jeder hat zu Hause ein 50-Euro-Glas Manuka-Honig stehen. Hm.

Aber immerhin dürfen wir ein paar gesunde Fette essen – vollfetter Käse: ja, Diät-Salatdressing: nein (wir sind in Woche zwei: gesunde Fette). Interessanterweise sollen wir Milch trinken und Eier essen, Käse mit Rinde ist ein No-No (warum?). Von Sojamilch rät sie ab, sie enthält Phytinsäure, die den Körper angeblich daran hindert, Mineralstoffe aufzunehmen. Nach zwei Minuten googeln habe ich drei wissenschaftliche Studien, die belegen, dass der Phytingehalt zu gering ist, um das zu verursachen.

In Woche drei geht es um Klarheit im Kopf – der Fokus liegt auf positiven Affirmationen und einen liebevollen Umgang mit sich selbst. Gluten knöpft sie sich in Woche vier vor, es soll Hauptauslöser für einen Blähbauch sein. Also: kein Brot, keine Pasta. Stattdessen fermentierte Lebensmittel, viele Proteine (witzigerweise empfiehlt sie u. a. Hülsenfrüchte) und Knochenbrühe. Es folgt ein Kapitel über die Wichtigkeit von Ruhen und Verdauen (Achtsamkeit, Meditation, Bürstenmassage) und in Woche sechs wird erklärt, wie man die erfolgreich umgestellte Ernährung beibehält.

Aber die Rezepte: inspirierend!

Die Rezepte bieten vom Frühstück über Snacks und „Schnelles am Abend bis hin zu „Wochenende-Genüsse(n)“ ein breites Spektrum. Schön fotografiert und gestylt machen die sie richtig Lust aufs Nachkochen. Die Zutaten sind problemlos erhältlich, die Anleitungen eindeutig. Gar kein Problem auch für Kochanfänger! Eine schöne kosmopolitische, frische Rezeptauswahl von „Overnight Bircher Müsli“ über„Thai Hühnersuppe mit gerösteten Erdnüssen“ bis hin zu „Rohe Schoko Avocado-Mousse“, alles in den meisten Fällen super easy und schnell zuzubereiten. Der Rezeptteil ist wirklich schön und inspirierend.

Ein schönes, wertiges Buch! Die Stärke liegt in den einfach nachkochbaren, aber sehr aromatischen Rezepten. Der theoretische Teil schadet niemandem und ist für Anfänger spannend. Wer sich etwas mehr mit Ernährung befasst hat, hätte bei einigen Behauptungen wahrscheinlich gerne mehr Informationen. Sachverhalte, die die Autorin als gegeben darstellt, kämen überzeugender rüber, wenn Sie Ernährungswissenschaftlerin wäre, oder sich zumindest dazu jemanden ins Boot geholt hätte. Und verzichte ich auf meine Schrippe? Nein, aber einige Rezepte von Shaw sind jetzt bei mir jetzt in Dauerrotation.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2017

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