Kochbuch von Maddalena Caruso: Amore

Kochbuch von Maddalena Caruso: Amore ★★★★☆

Amore
Meine Liebe zur italienischen Küche

Maddalena Caruso, Callwey Verlag (2013)
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Annahita Aryafar

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Lassen Sie uns gemeinsam träumen: Ein Landhaus inmitten eines prächtigen Gartens, warme satte Farben nuanciert durch eine Sonne, die bis in den letzten Winkel fällt, und ein Esstisch umsäumt von lachenden und zufriedenen Gästen. Was für mich hier und heute leider nur ein Traum ist, ist tägliche Wirklichkeit für Maddalena Caruso, die ihr Leben in der italienischen Provinz Traviso sichtlich auskostet.

Während ich fast neidisch durch das Buch blättere, frage ich mich unentwegt, wer nur so wunderbare Bilder fotografieren und das Licht so durch die Seiten tänzeln lassen kann. Die Landschaft konkurriert mit den Speisen um Farbenpracht und atemberaubende Schönheit – denn tatsächlich erscheint das Essen auch wie gemalt von einem Künstler; keine Frage, da hat sich die Autorin den Besten der Besten ans Bord geholt, jemand, der weiss, dass gutes Essen mehr als nur die Speise an sich ist. Es geht vielmehr um das Ganze drumherum, die Gesellschaft, die Natur, die Muße. Fotograf Stefano Scata ist spezialisiert auf Food & Travel, ist sich demnach der Abhängigkeit beider voneinander bewusst und bringt sie in seinen Aufnahmen in perfekte Harmonie. In seiner Biografie heisst es, „er lebe, was er fotografiert“ – sicherlich gelingt dies einen Tick einfacher, wenn man ein Domizil im ruralen Italien hat…

Hat sich das Auge einmal an die idyllischen Aufnahmen gewöhnt, fällt auf, dass der Fokus des Buchs auf Geselligkeit und Beisammensein gelegt ist, sodass bei mir gleich der Drang aufkam, selbst zu einem Glas Wein und gutem Essen einzuladen. Wer dabei aber an eine rustikale und bodenständige italienische Küche denkt, wird überrascht sein von der Eleganz und dem modernen Schick, die dem Landhaus innewohnen. Weggestaubt ist das Klischee von Mamma Mia! Stattdessen erhält die italienische Upper-Class Einzug. Dabei könnte man befürchten, sich bald sattzusehen an all der Opulenz, aber ehrlich gesagt konnte mein Auge nicht genug bekommen von den Bildern, die alles in Bewegung erscheinen lassen und ein mondänes Gefühl vermitteln – eben eine gute Art der Opulenz, falls man so will. Inszenierung einer heilen Welt? Klar! Schlimm? Diesmal nicht, denn es wirkt nicht gefaket, vielmehr lebensnah in Szene gesetzt.

Aber wie lässt sich der gehobene Gaumen der gutbetuchten Italiener kitzeln und reicht da Großmutters Pasta und Pizza?

Die Rezepte lassen direkt eins erahnen: traditionell sieht anders aus. Das soll nicht heissen, dass es keine Pasta oder Risotto gibt, vielmehr ist es die Komposition, die wagemutig und experimentell daherkommt. Autorin Caruso warnt den Leser in ihrem Vorwort vor, dass sie lieber nach Lust und Laune Neues ausprobiert und – sympathisch sympathisch! – auch geschmackliche Niederlagen einkassieren musste. Gleichzeitig mag sie es saisonal und lokal, was bei dem beneidenswerten Angebot, das ihr in ihren Breitengraden zu Füßen liegen mag, die Kreativität bestens anheizen kann. Für uns Mitteleuropäer bedeutet dies aber, etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen, wenn die Rezepte Trüffel, Fasan oder anderthalb Kilogramm Wolfsbarsch für eine Capriccio als Vorspeise verlangen.

Die Einteilung nach Jahreszeiten wird perfektioniert durch Unterkapitel, die einem besonderen Thema gewidmet sind. So ist es die Rose im Frühling, die mit ihrem betörenden Duft als Essenz oder in natura Herzhaftes uns Süßes unterstreicht, die Feige, die im Sommer getrocknet in der Panzanella für die Süße sorgt, alles rund ums Picknick im Frühherbst und Granatapfel und Kohl im Winter. Klasse! So braucht es auch keine lange Zutatenliste, bloß ein kurzer inspirierender Gang über den Wochenmarkt und der Griff in den Kräutergarten, um ein stimmiges Essen zu zaubern – und zu zelebrieren. Selbst wenn es nur ein leichtes Abendessen an einem Wochentag sein soll, tut man sich und seiner Seele etwas Gutes mit einem stilvoll angerichteten Zucchinisalat mit Scampi.

Persönlich war ich begeistert von den kleinen Extras, wie zum Beispiel der Linguine mit Scampi, die aufpoliert werden mit einem Pistazienpüree, oder einem Tatar aus Kabeljau und Zitronenconfit statt Lachs und Olivenöl.

Um in der Küche loslegen zu können, sollte man den Einkauf vorher planen, schließlich hat man nicht eben frische Sardinen im Kühlschrank. Dafür ist aber der effektive Zeitaufwand so herrlich kurz und Schmorgerichte schmoren eben vor sich hin, so lange sie wollen 🙂

Da merkt man, Frau Caruso liebt es ohne viel Aufwand, dafür mit den besten Zutaten, und sie lebt mit dem Luxus, qualitative Produkte in greifbarer Nähe zu haben, die sie mit Innovation und einem Hang zum Experimentieren miteinander kombiniert. Was bietet sich bei ihrer traumhaften Wohnlage Besseres an als die köstlichen Resultate in geselliger Runde zu geniessen? Lassen Sie uns einfach gemeinsam nach Traviso reisen…

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2013

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