Kochbuch von Luke Mangan: Salt Grill

Kochbuch von Luke Mangan: Salt Grill ★★★★★

Salt Grill

Fine Dining for the whole family

Luke Mangan, Fotos Adrian Lander
Murdoch Books (2013)

Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Sydney, Bali, Singapur. Das sind nur drei der insgesamt zehn Locations zwischen denen Australiens angesagter Koch Luke Mangan pendelt. Dazwischen findet er auch noch Zeit in Fernsehsendungen zu kochen und Kochbücher zu schreiben. Glück für uns! Sein fünftes Buch Salt Grill – Fine Dining for the whole family ist „Große Küche“, schön anzuschauen, kreativ und spannend, sie funktioniert und – inspiriert!

Schon bei der Auswahl des Kochbuchs sind mir die außergewöhnlichen Kreationen sofort aufgefallen: Rezepte wie das Forellen Rillette haben mich lechzen lassen und Australische Edelküche ist nun wirklich mal etwas anderes. In der Tat, das musste ich leider auch immer wieder bei den Zutaten feststellen… Kennt jemand Enoki, Ponzu oder Barramundi*? Wo kriege ich Bread improver oder Titanum Gelatine? Aber all das konnte mich nicht abschrecken, fange ich eben mit einfacher zu besorgenden Ingredienzen und einem weniger exotischem Rezept an!

Curried-Pumpkin-with-Feta-mangan-valentinasFor the whole family?

In sechs Kapiteln von Tapas & Breads über die drei klassischen Menüfolgen Starters, Mains und Desserts bis zu Beilagen und Basics stellt Mangan 140 Rezepte für Freunde und Familie vor. Viele sind für sechs bis acht Personen berechnet. Alle sind dazu da, liebe Menschen zu verwöhnen, zu beeindrucken, zu beglücken. Sharing, Teilen, ist das Zauberwort. For the whole family, würde ich allerdings nicht zu wörtlich nehmen – kleine Kinder und die Oma (zumindest in diesem Teil der Erde) sind vielleicht nicht immer so experimentierfreudig, dass sie Lachs mit Curry-Spinat-Püree, Krabbensalat und Kokosbrühe begeistert begrüßen würden. Aber genau diese neue Herangehensweise, das Kombinieren ungewöhnlicher Aromen, Farben, Texturen, genau das machte mir enorm Spaß. Stellen Sie sich einen weißen Teller vor. Darauf knallgrüne Erbsensauce, ein Kräuter-gesprenkelter Löffel Risotto und dazu ein krosses Fischfilet. Herrlich! Ja, Sie können einfach das Foto unten dazu ansehen, aber probieren können Sie leider nicht. Dieser Dreiklang sich ergänzender Aromen ist genial, wobei jedes für sich allein schon köstlich ist. Das Risotto hatte es mir besonders angetan: Basilikum satt, unterstrichen von aromatischer Zitronennote. Diese stammt von eingelegten Zitronen, einer beliebten Würzzutat in Nordafrika. Hatte ich leider nicht. Aber wofür gibt es Valentinas! Dank Jamie und Patricia konnte ich diese Zutat noch schnell herbeimogeln… Und genau dieser Frische-Zitrus-Kick macht eben den Unterschied zwischen nur gut und yummy-delicious-lecker.

Ein Wermutstropfen ist, dass es leider nur zur etwa der Hälfte der Rezepte ein Foto gibt. Gerade ein signature dish wie das Lakritz-Eisparfait schreit danach in Szene gesetzt und gezeigt zu werden. Dieses Vergnügen wird uns leider nicht vergönnt. Dafür wird ein nacktes Suppenhuhn und eine dicke Scheibe Speck als Teller-Stilleben gezeigt – das hätte ich jetzt nicht abgebildet sehen müssen.

Wenn man sich durch die zum Teil recht umfangreichen Zutatenlisten gekämpft hat, geht das Kochen eigentlich erstaunlich leicht von der Hand. Alles wird knapp aber genau erklärt, die Schritte sind logisch nachvollziehbar, man behält den Überblick. Vielleicht liegt es an der Eleganz der englischen Sprache, dass man mit weniger Worten mehr Informationen unterbringen kann: toast the spices over medium-low heat for 1 minute, or until fragrant, taking care that the spices don’t burn – da ist alles gesagt. Die Garzeiten werden genau genannt, präzisiert noch durch ein „oder bis sie weich“, „golden“ oder „noch knackig“ sind – so wird das Lesen schon zum sinnlichen Genuss!

If you love to cook, you‘ll love this book

In kurzen Notizen findet man Hinweise zu exotischen Gewürzen wie chaat masala oder za’atar, wenn ein besonderes Gerät notwendig ist (Reiskocher, Tajine) schlägt Mangan auch alternative Zubereitungsmöglichkeiten vor. Ein wenig schwierig dagegen finde ich die in englisch-sprachigen Kochbüchern oft übliche Verwendung von Zutaten, die bereits in 2cm großen Würfeln oder geschält, gewaschen und geraspelt sind. Vielleicht wurden die Rezepte dadurch selbst kürzer, dafür geht dies zu Lasten der Lesbarkeit der Zutatenliste. Für deutsche Leser zusätzlich unnötig verkomplizierend sind die Mengenangaben in zum Teil drei (!) Einheiten: 70 g (2 ½ oz/ 2/3 Tasse) fein gehackte französische Schalotten. Wer sich nach getaner Arbeit das Rillette auf der Zunge zergehen lässt, wird darüber aber großzügig hinwegsehen.

Im Pressetext heißt es: If you love to cook, you‘ll love this book. Ja, ich liebe es, auch wenn ich die * Samtfußrüblingspilze, die Zitrus-Sojasauce oder einen Raubbarsch bislang noch nicht aufgestöbert habe.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2013

2 Kommentare

  1. Katja

    Liebe Katharina, jeden Sonntag freue ich mich auf Deine Website. Kochen und den dazu harmonierenden Wein zu finden ist eine meiner Leidenschaften. Deine Website soll Dir sicher auch Geld einbringen durch Werbung, im Prinzip nicht schlecht und verdammungswürdig: Allein, müssen es denn jetzt immer die schnell wechselnden Bilder sein? Das ist für mich ermüdend, wenn ich mit dem „rechten Auge“ das Geflimmere im Blick habe, und mit dem „linken Auge“ die Rezepte und Kommentare dann mühselig studiere. Kann das die jüngere Generation besser, ich mit meinen 62 Jahren bin ja schon ein Grufti/Radisi, wie mich meine Töchter, die mittlerweile 42 und 37 Jahre alt sind, schon vor Jahrzehnten genannt haben, wenn ich mal ihre Wortwahl nicht so schnell verstanden hatte.Kurz gesagt ist mir das Geflimmerre immer öfter so lästig, daß ich keine Lust mehr habe, weiter zu
    lesen. Möglicherweisw geht anderen ja auch so. Trotzdem, vielen Dank für all die Neuigkeiten über Kochbücher, die ich sonst nicht so schnell kriegen könnte. Tausend gute Wünsche für 2014 von Katja.

    • Katharina

      Hallo Katja, merci für Deine Zeilen und ehrlichen Worte. Ooch, ich weiß nicht, ob es am Alter liegt, vielleicht auch an der Akzeptanz vom Zusammenspiel Medien und Werbung, so dass der Leser kostenlos genießen kann. Für einen ganz und gar ruhigen Lesefluss könntest Du übrigens die Funktion >Drucken >Pdf in Vorschau öffnen nutzen.

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