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Katharina Höhnk

Kochbuch von Luise Kinseher: Schweinebraten, Hummus und Pad Thai ★★★★

Schweinebraten, Hummus und Pad Thai – Mama Bavarias kulinarische Nachbarschaft. Rezepte und Geschichten, Luise Kinseher mit Karl Ederer und Franz Kotteder, Fotos: Martina Bogdahn, Verlag Antje Kunstmann (2022)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Susanne Hohmann

Von

Die Auswahl an Kochbüchern ist riesig. Für mich braucht es da Alleinstellungsmerkmale, um mein Interesse zu wecken – etwas, das das Buch zu etwas anderem macht als einer bloßen Rezeptesammlung. Orte, Menschen und Geschichten zum Beispiel. Und genau darum geht es in Schweinebraten, Hummus und Pad Thai von Luise Kinseher. Und um meine Heimatstadt München.

Kochbuchautorin Luise Kinseher
Kochbuchautorin Luise Kinseher

Luise Kinseher (Foto links) ist Schauspielerin und Kabarettistin. In Bayern ist sie besonders bekannt für ihre Darstellung der weiblichen Patronin des Freistaats – der Bavaria, und zwar beim traditionellen Derblecken anlässlich des jährlichen Starkbieranstichs. Die Figur hat mit Kochen nichts zu tun, sondern mit staatstragender und -bildender Identität des süddeutschen Bundeslandes. Die gewaltige und immer kampfbereite Bavaria ziert Wappen, Reliefs und Gemälde in Bayern, wohin das Auge blickt.

Bayerische Identität

Dennoch oder gerade deshalb kam Kinseher die Idee für das Kochbuch ausgerechnet zu Füßen der 1850 an der Münchner Ruhmeshalle aufgestellten 18 Meter (!) hohen Bavaria-Statue. Bei einem Spaziergang mit ihrem Dackel auf der Theresienwiese dachte die Kabarettistin einmal mehr, dass die Figur so grob und siegessicher wirke, so schreibt die Schauspielerin eingangs in ihrem Kochbuch, ihr sei sie immer zu kalt gewesen. Der Bavaria fehle etwas Warmherziges. Am liebsten würde sie ihr ein Nudelholz in die Hand drücken!

Vor allem aber sollte die Bavaria etwas Einendes haben, fährt sie fort. Denn um sie herum leben im Münchner Westend-Bezirk immerhin 25 Nationen zusammen. Und das kulinarische Angebot sei auch vielseitig. Vielleicht sei die Bavaria ja deshalb von eher robuster Figur, bemerkt Kinseher spitz und schlägt den Bogen zu ihrem Kochbuch: Warum nicht diese menschliche und kulinarische Vielfalt dokumentieren?

So nahm die Idee ihren Lauf. Die Kabarettistin setzt damit ihre Bühneninterpretation der Figur Bavaria kulinarisch fort. Die charakterliche Kälte ersetzt Kinseher durch Wärme, offene Arme und Wirklichkeit. Das Ergebnis halte ich in Form des Kochbuchs Schweinebraten, Hummus und Pad Thai – Mama Bavarias kulinarische Nachbarschaft in den Händen. Es ist ein Gegenkonzept zu den üblichen bayerischen Kochbüchern, die sich nur um Tradition drehen.

Für ihr Projekt hat Luise Kinseher sich Hilfe geholt: Die Texte hat der Journalist Franz Kotteder geschrieben, und die Rezepte hat der Koch Karl Ederer eingesammelt und entwickelt. Gemeinsam haben sie Münchner Gastronom:innen besucht, gegessen und Geschichten gehört.

Zum Weiterlesen:

Leseprobe beim Verlag

Website und Instagram der Autorin

Gelebte Moderne

Mir gefällt die Bandbreite der Rezepte und Geschichten – von Österreich bis Sansibar sind Menschen und Gerichte vertreten. Die drei nehmen uns mit in Lokale wie das Beirut, Beirut, in dem libanesisch gekocht wird, ins Café Stockholm, wo es spannenderweise schwedische und venezolanische Küche gibt, stellen aber auch den Asiashop und Imbiss Riverland vor. Oder wir kochen mit Imraan Safi, der aus Afghanistan nach München kam, den Blog Zusammen kochen betreibt und ein Kochbuch mit afghanischen Rezepten veröffentlicht hat.

Kochbuch von Luise Kinseher: Schweinebraten, Hummus und Pad Thai
Kochbuch von Luise Kinseher: Schweinebraten, Hummus und Pad Thai

Die vorgestellten Gerichte sind oft Klassiker aus der jeweiligen Länderküche – also Hausmannskost im besten Sinne. Das ist dann eher einfach und deftig wie bei der schwedischen Lachssuppe, die ein unprätentiöses Alltagsessen ist. Die gefüllten Weinblätter nach Ali Güngörmüş hingegen sind ein bisschen aufwendiger abgeschmeckt als die Originalversionen, die ich bisher kannte – uns haben die kleinen Änderungen gut gefallen. Und unser Highlight war der asiatisch inspirierte Schweinebauch aus dem SAM, das für seine Mischung aus Sushi-Gerichten, Ramen und Bowls bekannt ist.

Karl Ederer hat den Gastrom:innen zum Teil ihre Rezepte entlockt – nicht alle wollten alle Geheimnisse preisgeben –, sie aufgeschrieben und entwickelt. Manchmal ist beim Kochen etwas Mitdenken gefragt. So wird laut Rezept die schwedische Lachssuppe gemixt, auf dem Foto ist sie aber eher stückig. Im Großen und Ganzen gibt es aber wenige Fallstricke. Besonders nett finde ich die kleinen Küchentipps, die immer wieder eingestreut werden.

Geschichten aus vielerlei Leben

Aber mindestens ebenso wichtig wie die Rezepte sind die Geschichten, und da hat man sich wirklich Zeit genommen, die Menschen erzählen lassen und liebevoll porträtiert – man merkt, dass das Autorenteam daran seine Freude hatte. So sorgt zum Beispiel die Art, wie der Asiashop Riverland beschrieben wird, dafür, dass ich mich gleich heimisch fühle im Laden und das Gefühl habe, seinen Inhaber Anisul Islam Talukder ein bisschen persönlich zu kennen.

Luise Kinseher:

„Das Buch ist in einzelne Länder aufgeteilt, in der Reihenfolge unserer Besuche! Wir haben wundervolle Menschen kennengelernt, mit abenteuerlichen, lustigen und manchmal auch traurigen Geschichten. Wir haben uns durch die verschiedensten Aromen der Welt geschmeckt, und das alles im Radius von ein paar Kilometern. München ist bunt, und ich wünsche Euch viel Spaß beim Nachkochen!“

Seine Eltern waren Händler in Bangladesh. Er studierte in Deutschland zunächst Chemie und arbeitete auch in der Branche, bevor er sich mit einem asiatischen Lebensmittelhandel selbstständig machte. Heute ist er nicht nur Spezialist in puncto Gewürze, sondern auch glühender Fan des FC Bayern. Und isst immer noch am liebsten das Essen, das ihm seine Frau in der Tupperdose mitgibt.

Zusammengeführt werden die Rezepte und Geschichten von den Fotos, die Martina Bogdahn gemacht hat. Die Rezeptfotos sind recht schnörkellos, und die vielen eingestreuten, atmosphärisch dichten Porträts erzählen die Geschichten wunderbar weiter.

Kochbuch, Geschichtensammlung, kulinarischer Reiseführer für München – Schweinebraten, Hummus und Pad Thai vereint vieles. Es hat mir Spaß gemacht, mehr von den Münchnern zu erfahren, die das weltläufige Bild der Stadt prägen. Das gilt auch für ihre Gerichte. Die sorgfältige Rezeptsammlung ist für mich eine Einladung, die Lokalitäten einmal „in echt“ zu besuchen.

Veröffentlicht im August 2022

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