Kochbuch von Luisa Zeltner: Pause im Glas

Kochbuch von Luisa Zeltner: Pause im Glas ★★★★★

Pause im Glas. Vegetarisches &
Veganes zum Mitnehmen
Luisa Zeltner
Fotos Lisa Nieschlag
Illustrationen Lars Wentrup
Hölker Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Essen unterwegs kann Vergnügen sein, ist aber häufig ein purer Ernährungsakt zugunsten der Kalorien, der innere Motor will ja laufen. Auf Reisen zwischen zwei Bahnhöfen ist die kulinarische Wüste erwartbar, ich bin dann immer gerüstet. Die werktägliche Mittagspause machte mich aber außerhalb der Überbleibsel-vom-Vortag-to-go ratlos und manchmal phlegmatisch. Aber das hat sich nun geändert.

Salad in the Jar poppte vor einigen Jahren als US-Import auf. Die Methode des Schichtens beendet endlich jeden schlapprigen Salat als Mittagessen, der auf Appetit wie ein Unkrautvernichter auf Giersch wirkt – existentiell. Um mich herum schwappte daher die Begeisterung hoch. Im Kühlschrank meiner Schwester, die als Lehrerin in einer Ganztagsschule ganz besonders dem Knäul Hunger, Energie, kein Angebot ausgesetzt ist, erwarteten fortan jeden Sonntagabend gefüllte Mittagspausen-Gläser die kommende Woche.

Der mittägliche Hunger

Ich blieb noch gelassen, da Mittagspausen in Kreuzberg – dort WAR mein Arbeitsplatz – Schlaraffenland sind. Preise und Qualität stimmen, die Vielfalt erst recht. In Berlin-Mitte, wo ich aktuell arbeite, genauer in der Friedrichstraße, ist das Gegenteil. Teuer, voll oder mäßig.

Und genau in diesem Moment tauchte das vorliegende Büchlein in meinem Fokus auf. Fortan picknicke ich mittags auf dem schönsten Platz Berlins, dem Gendarmenmarkt, und einmal in der Woche gönne ich mir ein teures Mittagessen. Das ist ein lebenswerter Kompromiss.

autorenfoto-portrait-luisa-zeltner-valentinas„Grüne“ Schichten luftdicht verschlossen

Die Autorin der frischen Inspirationsquelle – das richtige Buch im richtigen Zeitpunkt – heißt Luisa Zeltner, lebt in Köln, organisiert Food Festivals und arbeitet laut ihrer Website an einem Restaurant-Sharing-Konzept mit.

Knappe 100 Seiten ist ihre „Pause im Glas“ lang, also eher ein schmales Büchlein. Es gliedert sich in Smoothies und Frühstück-Bowls, Salate und Suppen sowie weiteren Lunch-Ideen. Die Rezepte sind vegan und vegetarisch, was mir praktisch sehr zusagt: zwischendurch muss ich kein Fleisch oder Fisch essen. Und morgens, wenn ich in der Eile den Lunch vorbereitet, möchte ich auf keinen Fall Düfte des Grillens und Bratens einatmen. Das ist einfach zu früh für mich.

Zuerst Praktisches

Luisa Zeltner beginnt mit der scheinbar modischen Frage an: Warum nur diese Mason Jar-Gläser? Sie seien wegen der Verschlusstechnik absolut lufticht. Perfekt für die Haltbarkeit, schützen aber auch vor Katastrophen in der Handtasche und vermeiden Müll. Und ich füge hinzu: Glas ziehe ich Plastik einfach vor, das Essen wirkt darin wertiger. Der einzige Nachteil: Es scheppert beim Fahhradfahren auch mal.

Die nächste Säule des Büchleins – die Methode der Schichtung. Man kann sie gleich verinnerlichen als künftiges Scan-Muster für die eigenen Vorräte. Denn es lässt sich wirklich aus dem gefühlten Nichts etwas Passendes machen, ist meine Erfahrung, wenn denn das Dressing zuerst im Glas ist, Hülsenfrüche und anderes Robustes folgen, man dann Weiches, schließlich Salatiges und obenauf ein Finsih in Form von Nüssen, Käse oder Sprossen schichtet. Und fertig ist die Rettung.

Spaziergänge inmitten des Salat-Kapitels

Die Rezepte richten sich hinsichtlich der Portionen an dem Sujet aus: bei Verderblichen gibt es nur 1 Portion, bei Unempfindlichen 2. Ein wirklicher wichtiger Tipp ist auch, die Gläser 30 Minuten vor dem Genuss aus dem Kühlschrank zu nehmen. Sonst haben die Aromen einfach keine Chance. Ich packe übrigens gerne auch ein gekochtes Ei ein, als kleinen Sattmacher.

kochbuch-luisa-zeltner-2-pause-im-glas-inside-valentinasIn diesem Sommer habe ich mich fast ausschließlich im Salat-Kapitel aufgehalten. Die Rezepte fürs Frühstück wie Knusper-Mohn-Müsli mit Pflaumen, Overnight Oats mit Apfelmus und Melonen-Petersilie-Smoothie müssen warten. Auch die Asia-Suppe mit Räuchertofu, Auberginen-Caponata und cremige Apfel-Selleriesuppe gedulden sich.

Trotzdem brauchte ich meine Zeit, ich wollte gar nicht zur Rezension schreiten. Aber fassen wir nun endlich zusammen. Meine Headline zu ihren Lunch-Rezepte – sehr stilsicher. Luisa Zeltner weiß, worauf es ankommt bei diesem Take-Away-Genre – die Gerichte im Glas müssen einfach gut gewürzt sein (Koriander + Kreuzkümmel sind ihre Favoriten). Ihre Rezepte weisen zudem immer eine kleine Finesse auf, für die es sich lohnt, die Rezepte einmal 1:1 nachzukochen: hier gedünstete Koriandermöhren, dort Rotes Quiona mit Linsen oder Crunchy-Mandelblättchen.

Abgesehen von vereinzelten Superfood-Zutaten bestimmt hier die Regionalität die Zutatenlisten, d.h. man tafelt sparsam. Sehr netter Nebeneffekt, den man aber nicht in dem nächsten Fashion-Shop zunichte machen sollte!! (Das ist ein Appell für mich.)

Bei den Dressings bin ich ihr allerdings hinsichtlich der Menge von Essig oder Zitronensaft nie gefolgt: ein Öl-Säure-Verhältnis von 3:2 ist mir zu sauer. Wichtig auch für Hungrige: Die Portionen sind großzügig.

Etwas mehr Coolness für Luisa

Das Buch ist dabei hübsch und gefällig fotografiert von Lisa Nieschlag, jedes Rezept bebildert – man kann also fast auch nach Auge „kochen“. Jetzt im Rückblick würde ich sagen: die Fotos dürften auch etwas weniger lieblich, etwas cooler und stylisch purer sein. Denn diese Klarheit haben auch die Rezepte.

„Pause im Glas“ empfehle ich allen, die ihre Mittagspause lieben, aber kulinarisch leiden. Sich hier einmal durchzukochen, schärft die Sinne, wie diese Methode wohlschmeckend ein Glas füllt. Luisa Zeltner ist eine stilsichere Köchin mit Überzeugung, die Keep-it-simple! trotzdem mit Leben füllt, weil sie Gewürz-Akzente setzt. Die Vorbereitung für das Take-away bleibt zwar bei uns, aber das Erfolgserlebnis beflügelt, so kann ich berichten: ein Mittagessen nach eigenem Geschmack, vielleicht noch unter freiem Himmel ist eine wirkliche Pause.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2016

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