Valentinas stellt seit 2008 Kochbücher mit ihren besten Rezepten vor.

Über 5.000 Beiträge erwarten Dich: kuratiert & wärmstens empfohlen.

Read, cook, enjoy!
Katharina Höhnk

Kochbuch von Lucy Tweed: Every Night of the Week ★★★

Every Night of the Week – Großartige Rezepte für wirklich jeden Tag der Woche, Lucy Tweed, Knesebeck Verlag (2022)

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Maike von Galen

Von

Ein aufwendiger Braten oder schnelle Pasta – was gekocht wird, hängt maßgeblich davon ab, welcher Wochentag gerade ist, glaubt die Australierin Lucy Tweed und hat ihre Rezepte von Montag bis Sonntag sortiert. Eine schöne Idee, die in der Praxis aber nicht überzeugt.

Kochbuchautorin Lucy Tweed (© Simon Davidson)
Kochbuchautorin Lucy Tweed (© Simon Davidson)

Der Wochenbeginn hat für Lucy Tweed (Foto links) „Potenzial“: „Die Kräuter sind frisch und der Kühlschrank gefüllt.“ Also kocht sie Süßkartoffel-Kürbis-Suppe, Spinatfalafeln oder Maisrisotto. Am Dienstag ist dann Effizienz gefragt, am Mittwoch kocht sie mit einer „Prise Faulheit“, am Donnerstag pimpt sie Reste auf und am Freitag gibt es Pizza für die gesamte Familie.

Witz, Lässigkeit und Allerlei

Mit ihrem Debütkochbuch „Every Night of the Week“ hat Lucy Tweed, die lange als Redakteurin beim „donna hay magazine“ gearbeitet hat, ihren gleichnamigen Blog zum Buch gemacht und darin rund 100 bunt gewürfelte Rezepte abgedruckt. Allerlei Salate sind dabei, Bowls, Dals, Pasta- und Fleischgerichte, allesamt großformatig fotografiert und übersichtlich gelayoutet: links das Rezept, rechts das Bild dazu.

Zum Weiterlesen:

Leseprobe beim Verlag

Website und Instagram der Autorin

Mehr Kochbücher für den Alltag bei Valentinas

Geschrieben sind die Rezepte betont lässig und humorvoll – etwa der Hinweis hinter der Zutatenliste „Nach Belieben dazu“: zur Tomaten-Schinken-Cheddar-Tarte „einen sonnigen Tag und Sport unter freiem Himmel.“ Gleich in der Einleitung ermuntert Lucy Tweed ihre Leser:innen: „Notieren Sie sich Ihre Änderungsvorschläge im Buch! Rezepte sind nämlich subjektiv.“

Ein sympathischer Angang, der mich beim ersten Blättern für die Autorin einnimmt. Sie nimmt sich und ihre Rezepte nicht zu ernst, empfiehlt Abkürzungen, schlägt Alternativen vor und bringt mich mit kleinen Bemerkungen immer wieder zum Schmunzeln. Etwa, wenn sie zu ihrer Gemüsecremesuppe schreibt: „Meinen Ruhestand stelle ich mir so vor: kuschelige Sweater und diese Suppe. Und Martinis dazu …“.

Kochbuch von Lucy Tweed: Every Night of the Week
Kochbuch von Lucy Tweed: Every Night of the Week

Wenig überzeugend finde ich dagegen den originellen, aber nicht nachvollziehbaren Ansatz, die Rezepte nach Wochentagen aufzuteilen. Warum steht die Gemüse-Freestyle-Lasagne montags auf dem Speiseplan, währen ihre – wirklich fulminant schmeckende – „sehr persönliche Lasagne“ ein Donnerstagsgericht ist? Warum gibt es mariniertes gebratenes Rindfleisch am Dienstag und Rippchen mit Ofenkartoffeln am Samstag?

Solide & Instagram-tauglich

Meinen ursprünglichen Plan, wirklich every night of the week etwas aus dem Kochbuch zu testen, verwerfe ich deshalb schnell und suche mir die Rezepte heraus, die mich spontan ansprechen – ganz egal, welcher Wochentag gerade ist. Und das sind erst mal viele: Der Super-Veggie-Pie, der auf Lucy Tweeds Insta-Account regelmäßig „viral“ geht, ist dank TK-Blätterteig und fertigem Mürbeteig schnell gemacht und ist gefüllt mit einer „ordentlichen Gemüseattacke“ aus Mangold, Grünkohl und Spinat. Geriebener Halloumi und Ricotta sättigen zusätzlich. Ein solides Mittagessen, das ich nicht unbedingt ein zweites Mal mache. Auch das Mais-Risotto schmeckt, haut einen aber nicht um.

Lucy Tweed:

„Beim Kochen gehe ich instinktiv vor, möglicherweise eine genetische Veranlagung, die meine gesamte übermäßig kreative Familie vererbt bekommen hat. Ich verlasse mich darauf, dass mein Reptilienhirn genau in der richtigen Sekunde mein Bewusstsein alarmiert. Dann schreie ich: »SCH…, das Huhn!«, und hole es perfekt gegart aus dem Ofen.“

Anders ist das bei der sehr persönlichen Lasagne mit Auberginen und Spinat, die Lucy Tweed stets nur für sich alleine kocht, weil alle anderen aus ihrer Familie Auberginen hassen. Da habe ich mehr Glück: Hier kommt die Gemüselasagne auch bei ausgewiesenen Fleischessern sehr gut an und wird sofort mit einem dicken Eselsohr versehen: Dieses Rezept kommt ins Standardrepertoire, großartig!

Bei anderen Rezepten mache ich mir wie empfohlen Anmerkungen – denn nicht alle Gerichte funktionieren so, wie Lucy Tweed es vorschlägt: Das Rezept für Lachs mit Dillsauce und Frühlingsspaghetti, bei dem unter die Pasta Streifen von Zucchini und Spargel gemischt werden, schlägt vor, die Gemüsestreifen nur kurz mit dem heißen Pastawasser zu überbrühen – ich würde dem Spargel aber mindestens zwei Minuten im Wasser gönnen. Beim „Einfachen Biryani“, das im Ofen geschmort wird, fehlt der Hinweis, ob man dies mit oder ohne Deckel tun soll.

So ist „Every Night of the Week“ eine schöne, aber völlig unsortierte Rezeptsammlung, die das Nachschlagen schwierig macht. Wer sich nicht immer sklavisch an Mengenangaben und Zeiten hält, sondern Rezepte eher als Inspiration betrachtet, der wird hier viel Schönes finden. Den Bleistift für Anmerkungen sollte man sich aber tatsächlich danebenlegen.

Veröffentlicht im Januar 2023

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z 0-9