Kochbuch von Louisa Shafia: Die neue persische Küche

Kochbuch von Louisa Shafia: Die neue persische Küche ★★★★☆

Die neue persische Küche
Louisa Shafia, Fotos Sara Remington
AT Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Die persische Küche gehört für mich definitiv zu jenen, die noch aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden sollten. Wahrscheinlich war es vor allem die politische Isolation des so geschichtsträchtigen Landes, die dazu geführt hat, dass die kulturellen und ja, auch die kulinarischen Glanzlichter im Westen bisher derart unbekannt geblieben sind. Also auf zur Entdeckungsreise!

Die Verbindung Louisa Shafias (unten ein Foto der Autorin) zur persischen Küche fußt zunächst einmal auf ihren familiären Wurzeln, ist doch ihr Vater Perser und dessen Familie vielköpfig sowie heimischen Genüssen zugetan. Da stört es auch nicht weiter, dass Louisa Shafia in den USA sozialisiert ist und dort in veganen und Rohkost-Restaurants gekocht hat.

autorenfoto-portrait-louisa-shafia-valentinasDiese modernen Trends haben insofern Einzug in ihr Kochbuch gehalten, als sie Wert legt auf glutenfreies und vollwertiges Mehl, wenig Öl und Fett, sowie auf den Verzicht von raffiniertem Zucker. Glücklicherweise ist jedoch der zu erwartende erhobene Zeigefinger im Buch dann nicht übermäßig bemerkbar. Es wird auch nicht auf Fleischspeisen verzichtet, wohl aber werden bei Fleischgerichten vegetarische Alternativen genannt. Schön auch, dass traditionelle Gerichte ihren Platz finden neben modernen Interpretationen. Und gefreut habe ich mich, dass die Autorin immer ihre Gedanken zu den jeweiligen Speisen kundtut.

Inside der persischen Küche

Neben den 80 Rezepten erhält der Leser auch einen detaillierten Einblick in die persische Küche, erfährt viel über kulturelle und geschichtliche Hintergründe, bekommt jede Menge praktische Tipps präsentiert, u.a. zum leidigen Thema Schälen von Granatäpfeln oder zu den Kniffen, die beim Reiskochen zu beachten sind. Bevor es zu den Rezepten geht, sollte man sich jedoch zunächst einmal mit den typischen Zutaten dieser Küche beschäftigen, Granatäpfel etwa, aber auch spezielle Kräuter, Kardamom, Sumach, Tamarinden, Rosenblüten und – für mich die Entdeckung überhaupt – getrocknete Limetten. Vieles davon wird man in türkischen Geschäften oder Asiashops finden oder im Internet.

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Nun aber zu den Rezepten. Die Reihenfolge der Kapitel orientiert sich am klassischen Schema: Vorspeisen und Snacks, Suppen, Salate, Gemüse- und Eiergerichte, Hauptgerichte mit Fleisch und Fisch, Eintöpfe und Schmorgerichte, Reis und Körner, Süßes, Getränke, Pickles, Chutneys und Eingemachtes.

Besonders interessant fand ich die Kapitel über Eintöpfe, Reis und Eingemachtes. Ich bin immer wieder fasziniert, was für eine Vielfalt es gerade beim Thema Einkochen weltweit gibt. So habe ich mir schon ein Rezept für Sauerkirschsirup vorgemerkt. Und auch das Tamarinden-Dattel-Chutney, das nicht gekocht wird, wartet noch auf einen günstigen Augenblick.

Speisen & meine Vorstellungskraft

Bei für mich fremden Speisen lege ich viel Wert auf Fotos, die menschliche Vorstellungskraft ist ja mitunter etwas beschränkt. An Fotos mangelt es dem Buch nun eigentlich nicht, aber ich habe immer wieder etwas verärgert festgestellt, dass gerade die für mich spannenden Gerichte nicht illustriert waren; stattdessen gibt es viele Produktfotos oder Fotos von Speisen, für die selbst meine begrenzte Vorstellungskraft lässig ausreicht wie etwa Tomaten-Gurken-Salat.

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Die Rezepte selbst sind in der Regel leicht nachzuvollziehen und einfach zu realisieren. Da im Buch schlichte Alltagsrezepte genauso ihren Platz finden wie aufwendige Gerichte für eine festliche Tafel, variiert natürlich die Zeit, die veranschlagt werden muss. Ich bin jedenfalls mit den von mir ausprobierten Rezepturen gut zurecht gekommen.

Wer wie ich neugierig ist auf fremde Küchen, gerne einmal etwas ausprobiert, ist mit dem Buch von Louisa Shafia gut bedient. Wer zudem einen gut sortierten türkischen Süpermarket in der Nähe hat, wird sich auch nicht schwer tun, die nötigen Zutaten zu bekommen. Für eine kulinarische Reise in Tausend und eine Nacht dürfte somit alles gerüstet sein.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2015

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