Kochbuch von Lizzie Mabbott: Chinatown Kitchen

Kochbuch von Lizzie Mabbott: Chinatown Kitchen ★★★★☆

Chinatown Kitchen – Sommerrollen, Wan Tan,
Mangosalat, Kimchi, Glasnudelsalat,
Thaisuppen, Currys und sehr viel mehr
Lizzie Mabbott
Fotos David Munns
Autorenfoto Luke Kneafsey
Edel Verlag (2016)
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Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Es gibt immer noch einige weiße Flecken auf meiner persönlichen kulinarischen Weltkarte. Der Ferne Osten gehört eindeutig dazu und so bin ich immer auf der Suche nach Kochbüchern mit zwar exotischen, aber auch praktikablen Rezepten. „Chinatown Kitchen“ verspricht, sich am Angebot eines typischen Asia-Markts zu orientieren. Hört sich schon mal gut an.

Zwar stehe ich dort bei meinen gelegentlichen Exkursionen nicht selten wie der bekannte Ochs vorm Berg angesichts unbekannter Packungen, Dosen und Beutel, wobei Etiketten auch oft wenig hilfreich sind, sofern sie sich überhaupt einer mir verständlichen Sprache bedienen.

Dieses Problem scheint der Autorin (Foto links), einer in Hongkong aufgewachsenen Food-Bloggerin („Hollow legs“) bewusst zu sein, führt sie doch den Leser durch einen virtuellen Supermarkt. Ganz am Anfang begibt sie sich in die Nonfood-Abteilung. Welche Küchenutensilien braucht man? Auch wenn Lizzie Mabbott einen Wok, einen koreanischen Steinguttopf, chinesische Tontöpfe und ein Küchenbeil als essenzielle Grundausstattung ansieht, halte ich mich an dieser Stelle erst mal dezent zurück. Einen Reiskocher besitze und schätze ich schon lange und auch ein Mörser befindet sich in unserem Haushalt. Das muss in Kombination mit europäischen Gerätschaften fürs Erste reichen. Bei den Basiszutaten sieht mein Fundus schon besser aus. Diverse Saucen, Reis, Gewürze, Pilze, alles da, jedoch meist selten bis nie benutzt.

Weit mehr als China

Ach ja, was gleich auffällt: Chinatowns Supermärkte führen natürlich nicht nur chinesische Artikel, der übrige Ferne Osten spielt eine mindestens ebenso gewichtige Rolle im Buch. Der Untertitel deutet es bereits an. Aber weiter im Gang durch die Regale. Als nächstes stehen Saucen und Pasten auf dem Programm – und damit geht es zu den Rezepten. Für mich kommt allerdings auch gleich ein Problem, denn bei Rezepten mit mir total fremden Namen und dazu ohne Foto streike ich. Die meisten Gerichte haben jedoch Fotos, manche zusätzliche Schritt-für-Schritt-Illustrationen, etwa wenn es um das Füllen von Teigtaschen geht. Darüber hinaus gibt es Designelemente, die wohl junge Leute ansprechen sollen, aber mich nicht sonderlich stören, bis auf die Angabe der Portionen, die oft im Layout wechselt und deshalb von mir leicht übersehen wird.

Einmal durch den Asia-Markt

Im Supermarkt geht es nun kapitelweise weiter zu Reis und Nudeln, Gemüse und Früchten, zur Abteilung Kühlschrank und Gefriertruhe, dann zum Eingelegten und endet mit Gewürzen und Trockengemüse. Nachdem die Einteilung des Buches sagen wir mal gewöhnungsbedürftig ist, kann ich als Bibliothekar das Sachregister als Hilfsmittel für eine konventionelle Suche nur loben. Wer also z. B. Pilz- oder Fischrezepte sucht, wird hier fündig.

Von moderner Fusionsküche bis hin zu traditionellen Fischköpfen

Was fällt sonst noch auf? Die Autorin hat keine Scheu, Fusionsrezepte wie etwa Udon Carbonara, chinesische Bolognese oder Kimchi-Käse-Toast zu präsentieren. Andererseits kommen aber auch traditionelle Zutaten wie Sehnen, Fischköpfe und Hühnerfüße auf den Tisch, was so manchen Europäer abschrecken dürfte. Vegetarier werden mit diesem Buch ohnehin nicht glücklich. Aber für alle, die sich jetzt noch nicht abgewendet haben, bietet Lizzie Mabbott durchaus interessante asiatische Gerichte, die leicht und meist in kurzer Zeit zu realisieren sind. Noch nicht nachgekocht, aber vorgemerkt habe ich Speisen wie Curry mit sauren Bambussprossen, gegrillte Auberginen in vietnamesischer Sauce, einen japanischen Spinat-Gurken-Salat und Chinakohl in Reisessig-Sauce. Voraussetzung ist wie gesagt ein gut ausgestatteter Asia-Markt.

Mit meinen Nachkochergebnissen bin ich ausgesprochen zufrieden gewesen. Manches davon hat gute Chancen, in unser Repertoire aufgenommen zu werden. Wer sich nicht am unkonventionellen Aufbau des Kochbuchs stört, bekommt hier allerlei Basiswissen und Anregungen für fernöstliche Rezepte, die sich sehen lassen können. Die weißen Flecken auf meiner kulinarischen Landkarte sind nun ein wenig geschrumpft. Aber die Suche geht weiter, denn da gibt es bestimmt noch viel zu entdecken.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2017

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