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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 29, 2017

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Kochbuch von Lizzie Mabbott: Chinatown Kitchen ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Lizzie Mabbott: Chinatown Kitchen
Rezension

Chinatown Kitchen – Sommerrollen, Wan Tan,
Mangosalat, Kimchi, Glasnudelsalat,
Thaisuppen, Currys und sehr viel mehr
Lizzie Mabbott
Fotos David Munns
Autorenfoto Luke Kneafsey
Edel Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Dietmar Adam Von

Es gibt immer noch einige weiße Flecken auf meiner persönlichen kulinarischen Weltkarte. Der Ferne Osten gehört eindeutig dazu und so bin ich immer auf der Suche nach Kochbüchern mit zwar exotischen, aber auch praktikablen Rezepten. „Chinatown Kitchen“ verspricht, sich am Angebot eines typischen Asia-Markts zu orientieren. Hört sich schon mal gut an.

Zwar stehe ich dort bei meinen gelegentlichen Exkursionen nicht selten wie der bekannte Ochs vorm Berg angesichts unbekannter Packungen, Dosen und Beutel, wobei Etiketten auch oft wenig hilfreich sind, sofern sie sich überhaupt einer mir verständlichen Sprache bedienen.

Dieses Problem scheint der Autorin (Foto links), einer in Hongkong aufgewachsenen Food-Bloggerin („Hollow legs“) bewusst zu sein, führt sie doch den Leser durch einen virtuellen Supermarkt. Ganz am Anfang begibt sie sich in die Nonfood-Abteilung. Welche Küchenutensilien braucht man? Auch wenn Lizzie Mabbott einen Wok, einen koreanischen Steinguttopf, chinesische Tontöpfe und ein Küchenbeil als essenzielle Grundausstattung ansieht, halte ich mich an dieser Stelle erst mal dezent zurück. Einen Reiskocher besitze und schätze ich schon lange und auch ein Mörser befindet sich in unserem Haushalt. Das muss in Kombination mit europäischen Gerätschaften fürs Erste reichen. Bei den Basiszutaten sieht mein Fundus schon besser aus. Diverse Saucen, Reis, Gewürze, Pilze, alles da, jedoch meist selten bis nie benutzt.

Weit mehr als China

Ach ja, was gleich auffällt: Chinatowns Supermärkte führen natürlich nicht nur chinesische Artikel, der übrige Ferne Osten spielt eine mindestens ebenso gewichtige Rolle im Buch. Der Untertitel deutet es bereits an. Aber weiter im Gang durch die Regale. Als nächstes stehen Saucen und Pasten auf dem Programm – und damit geht es zu den Rezepten. Für mich kommt allerdings auch gleich ein Problem, denn bei Rezepten mit mir total fremden Namen und dazu ohne Foto streike ich. Die meisten Gerichte haben jedoch Fotos, manche zusätzliche Schritt-für-Schritt-Illustrationen, etwa wenn es um das Füllen von Teigtaschen geht. Darüber hinaus gibt es Designelemente, die wohl junge Leute ansprechen sollen, aber mich nicht sonderlich stören, bis auf die Angabe der Portionen, die oft im Layout wechselt und deshalb von mir leicht übersehen wird.

Einmal durch den Asia-Markt

Im Supermarkt geht es nun kapitelweise weiter zu Reis und Nudeln, Gemüse und Früchten, zur Abteilung Kühlschrank und Gefriertruhe, dann zum Eingelegten und endet mit Gewürzen und Trockengemüse. Nachdem die Einteilung des Buches sagen wir mal gewöhnungsbedürftig ist, kann ich als Bibliothekar das Sachregister als Hilfsmittel für eine konventionelle Suche nur loben. Wer also z. B. Pilz- oder Fischrezepte sucht, wird hier fündig.

Von moderner Fusionsküche bis hin zu traditionellen Fischköpfen

Was fällt sonst noch auf? Die Autorin hat keine Scheu, Fusionsrezepte wie etwa Udon Carbonara, chinesische Bolognese oder Kimchi-Käse-Toast zu präsentieren. Andererseits kommen aber auch traditionelle Zutaten wie Sehnen, Fischköpfe und Hühnerfüße auf den Tisch, was so manchen Europäer abschrecken dürfte. Vegetarier werden mit diesem Buch ohnehin nicht glücklich. Aber für alle, die sich jetzt noch nicht abgewendet haben, bietet Lizzie Mabbott durchaus interessante asiatische Gerichte, die leicht und meist in kurzer Zeit zu realisieren sind. Noch nicht nachgekocht, aber vorgemerkt habe ich Speisen wie Curry mit sauren Bambussprossen, gegrillte Auberginen in vietnamesischer Sauce, einen japanischen Spinat-Gurken-Salat und Chinakohl in Reisessig-Sauce. Voraussetzung ist wie gesagt ein gut ausgestatteter Asia-Markt.

Mit meinen Nachkochergebnissen bin ich ausgesprochen zufrieden gewesen. Manches davon hat gute Chancen, in unser Repertoire aufgenommen zu werden. Wer sich nicht am unkonventionellen Aufbau des Kochbuchs stört, bekommt hier allerlei Basiswissen und Anregungen für fernöstliche Rezepte, die sich sehen lassen können. Die weißen Flecken auf meiner kulinarischen Landkarte sind nun ein wenig geschrumpft. Aber die Suche geht weiter, denn da gibt es bestimmt noch viel zu entdecken.

Nachgekochte Rezepte:

Curry-Fischbällchen nach Hongkong-Art
Dies ist ein Essen, das auch unter der Woche, wenn es schnell gehen muss, gut ankommt. Ambitionierte Köche mögen bitte wegschauen, denn es wird eine Mehlsauce mit Curry und Kokosmilch gekocht. Da ich die Schnitttechnik für den Daikon-Rettich nicht auf Anhieb verstanden habe und auch nicht 40 Minuten auf das Resultat warten wollte, habe ich auf den Rettich verzichtet und die fertigen Fischbällchen zusammen mit Lauchzwiebeln gegart.

Vietnamesische Frühlingsrollen
Schön, wenn man selbst entscheiden kann, was in die immer wieder gern gegessenen Rollen rein kommt. So habe ich das Rezept gleich abgewandelt in eine vegetarische Variante, die hervorragend geschmeckt hat. Auch das Rezept für die knackigen Sommerrollen, die ja nicht frittiert werden, hat mich begeistert, nicht zuletzt dank der praktischen Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Sichuan-Feuertopf mit Fisch und Tofu
Man sollte den Hinweis beachten, dass die Chilis nicht mitgegessen werden sollen, sonst … Aber auch so trägt der Feuertopf zu Recht diesen Namen. Die Kombination Tofu und Fisch war mir neu, hat aber voll überzeugt.

Kimchi-Eintopf
Das ist richtiges Soulfood und gerade recht, wenn der Frost in die Glieder steigt, der Himmel grau und das Gemüt bedrückt ist. In einer Dashi-Brühe wird Kimchi mit Chilipaste, Sesamöl und Knoblauch gegart, dazu gesellen sich Seidentofu und ein hineingeschlagenes Ei. So kann man getrost der Kälte trotzen.

Geschrieben im März 2017