Kochbuch von Lisa Lemke: Sommerküche. Die schönsten Rezepte für Familie und Freunde

Kochbuch von Lisa Lemke: Sommerküche. Die schönsten Rezepte für Familie und Freunde ★★★★☆

Sommerküche. Die schönsten
Rezepte für Familie und Freunde
Lisa Lemke
Callwey Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Katja Böttger

Von

Sommer. Sonne. Schweden. Ein rot-weißes Holzhaus, ein wilder Obstgarten. Ein geselliges Zusammensein mit Familie und Freunden, alle Generationen sind willkommen. Eine lange, rustikale Tafel, ein bunter Mix an Stühlen, Geschirr, Gläsern und Besteck. Auf den Tellern lockt die marktfrische Vielfalt des Sommers, die Eiswürfel klirren, die Holzkohle duftet verheißungsvoll. Ach, dieses Landidyll …

Ich muss gestehen, beim ersten Durchblättern ist meine Euphorie eher gebremst. Fröhliche Menschen, in gleißend helles Licht getauchten Szenen, viel leuchtendes Rot und Blau, abgeblätterte Farbe, wohldosiert angeschlagene Emaille. Hübsch … nett … ansprechend … da wäre ich jetzt auch gerne … aber auch ziemlich klischeehaft, diese Inszenierung, oder? Und mittendrin immer wieder die weizenblonde Lisa Lemke, schwedisch hübsch wie aus einem Bullerbü-Bilderbuch, die mit ihrer „Sommerküche“ bereits ihr zweites Kochbuch in deutscher Übersetzung vorgelegt hat. Andererseits – wissen nicht gerade die Skandinavier ihren besonders kostbaren Sommer besonders intensiv zu genießen? Also los geht’s, dem skandinavischen Sommer sollten doch zumindest einige kulinarische Geheimnisse zu entlocken sein!

rezept-lisa-lemke-pikante-brataepfel-mit-chilispeck-valentinasDie Rezepte verteilen sich auf neun Kapitel, sortiert nach Anlässen, die von „Let’s Brunch“ über „Süße Stunden“ einer Kuchentafel bis zum „Großen Fest“ reichen. Zugleich spannt Lisa Lemke den Bogen über die Zeiten und Stimmungen des Sommers, angefangen vom Frühsommer im Kapitel „Hallo Sommer“ mit Spargel, Holunder und Erdbeeren, weiter über den faulen, hitzeverwöhnen Hochsommer mit Picknick, Limonaden und Grillvergnügen, dann über die spätsommerlichen After-Work-„Cocktailzeit“, wenn der Sommer zur Neige geht und der Arbeitsalltag uns wieder hat, bis schließlich zum „Erntedankfest“, wo es heißt, Abschied nehmen bis zum nächsten Jahr. So trifft ganz nebenbei auch saisonale Küche auf saisonale Ess- und Genusskultur, und beide zusammen irgendwie auch mein Sommer-Bauchgefühl – sehr stimmig!

Aber was ist das Geheimnis, wie gelingt es den eifrigen Gastgebern in Skandinavien, dass das Essen schmeckt und den eigenen kulinarischen Ansprüchen halbwegs genügt und die Feierlaune trotzdem nicht unter der Last der Vorbereitung und hektischem Aktionismus erdrückt wird? Nun, vorweg stellt Lisa Lemke ihre persönlichen „besten Tipps“, wo sie verrät, welche Grundausstattung an Küchenutensilien sie für unverzichtbar hält, dass sie lieber eine Extrarunde Volleyball spielt als an guter Butter zu sparen und lieber einmal pro Woche einen exzellenten Käse verspeist als täglich einen minderwertigen. Das ist mir alles sehr sympathisch, aber in praktischer Sicht leider nicht allzu hilfreich.

Viel mehr können dazu die Rezepte beitragen, stelle ich beim Testkochen fest. Kurze Zutatenlisten mit vorwiegend saisonalen Hauptzutaten ersparen mir lange Einkaufstouren, und auch wenigen exotischeren, meist asiatischen Öle und Gewürze dürften mittlerweile in den meisten Küchen zu finden sein. Auch die Zubereitung ist geradlinig und zielsicher beschrieben und einfach umzusetzen.

Die Ergebnisse sind fast durchweg bemerkenswert. Vieles ist zwar recht einfach, das Meiste auch nicht unbekannt, kommt hier aber mit einem hübschen Detail oder einer kleinen, aber wirkungsvollen Raffinesse versehen daher. Es sind nicht allzu viele Rezepte, dafür gibt es wirklich von Allem etwas: Kuchen oder Deftiges aus dem Ofen, viele Dips und Salsas, knackige Salate und rustikale Brote, Säfte, Limonaden, und Eistee, Marmelade und Müsli, Krebs und Lachs. Und mittendrin immer wieder „Exoten“ wie Hoisin-Hähnchen, chinesische Bratpflaumen und englische Scones. Und immer wieder Früchte, Beerenobst, Melone, Kirschen, Erdbeeren, Pflaumen, Pfirsich, in vielerlei Variationen.

kochbuch-lisa-lemke-insideUnd dann mein absoluter Höhepunkt: Dulce-de-leche-Brot – mit Salzflocken und Himbeeren! Das spricht mir aus der Seele – wer so ein Rezept vorstellt, deren Buch muss ich einfach ins Herz schließen. Ja, ich mag Lisa Lemkes zupackende, praktische Art, ihren kompromisslos genussbetonten Stil. Ich mag, wie sie den kostbaren Sommer genießt, jeden Tag, von den ersten warmen Frühsommer-Sonnenstrahlen bis zu den ersten Vorboten des Herbstes, Regentage eingeschlossen. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, aber wir haben uns doch noch angefreundet, die „Sommerküche“ und ich.

Dieses Landidyll! Perfekt-unvollkommen inszenierte Lässigkeit, wie man sie derzeit am Zeitschriftenkiosk im Übermaß findet. Ein solches Buch kann man leicht unterschätzen. Zu Unrecht. Sicherlich ist Lisa Lemkes „Sommerküche“ kein kulinarisches Schwergewicht, aber die einfachen, gelingsicheren Rezepte haben durchaus Pfiff und das gewisse Etwas. Ein solides Feel-Good-Buch, inszeniert für den Augenblick. Ein Kochbuch wie ein perfekter Sommertag. Soooo schön – und, ganz leise, schon wieder vorbei …

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2014

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