Kochbuch von Lisa Eisenman Frisk & Monica Eisenman: Speisekammer

Kochbuch von Lisa Eisenman Frisk & Monica Eisenman: Speisekammer ★★★★★

Speisekammer – Vorräte einfach selbst gemacht. Über 350 Rezepte
Lisa Eisenman Frisk & Monica Eisenman
Fotos: Helén Pe
Hölker Verlag (2018)
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Julia Eckl-Dorna

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

In meiner Kindheit war die Speisekammer meiner Großmutter für mich immer ein besonderer Ort, fast wie eine Schatzkammer. Neben dem Vorrat an Schokoladenkeksen für Gäste (von dem wir gerne heimlich naschten), reihten sich Gläser mit diversen Kompotten, Marmeladen, eingelegten Gemüsen bis hin zu Rumpflaumen schön geordnet und beschriftet aneinander. Auch wenn ich von meiner Großmutter viel in puncto Kochen gelernt habe, die Kunst des Vorrätezubereitens hat sie mir leider nicht mitgegeben.

Seitdem bin ich auf der Suche nach einem Kochbuch, das mir genau jenes Wissen umfassend vermittelt. Mit 350 Rezepten erschien mir das Buch „Speisekammer“ ein guter Kandidat zu sein.

Die schwedischen Schwestern Lisa Eisenman Frisk (Foto links, l.) und Monica Eisenman (Foto links, r.) sind ein eingespieltes Duo. Ursprünglich haben sie in Stockholm das Cookbook Café, eine Mischung aus Buchhandlung und Lunchrestaurant, betrieben. Mittlerweile arbeiten sie jedoch freischaffend als Kochbuchautorinnen und Foodstylistinnen. In ihrer schwedischen Heimat sind sie sehr bekannt und führen auch einen Blog (leider ausschließlich in Schwedisch, wie ich feststellte). Sie haben in den letzten zehn Jahren einige Kochbücher verfasst, von denen allerdings nur eines bisher auf Deutsch erschienen ist. Hier ist Nachholbedarf!

Keine Angst vor Unbekanntem

Schon in dem Moment, wo ich das Buch das erste Mal durchblättere, gerate ich ins Schwärmen. Hier geht es nicht „bloß“ um Einlegen und Marmeladen – nein, hier wird Käserei- und Metzgereitechnik und sogar Beizen und Pökeln in einfachen und kurzen Kapiteln erklärt. Wahre Freaks der „Do it yourself“-Bewegung können hier Austernsauce oder Ramen und Udon-Nudeln selbst herstellen.

Auch wer Süßes liebt, kommt nicht zu kurz – haben Sie schon mal Karamellbonbons oder Gelee-Himbeeren selbst hergestellt? Meine Großmutter wäre jedenfalls hellauf begeistert gewesen, und so mache ich mich beschwingt an die ersten Versuche. Und es ist verblüffend, wie einfach man zum Beispiel Ricotta selbst herstellen kann, indem man Milch mit Schlagobers erwärmt und etwas Zitronensaft und Essig hinzufügt.

Die Tatsache, dass nicht jedes Rezept einzeln bebildert ist, sondern alle paar Seiten ein „Sammelbild“ zu finden ist, stört nicht – im Gegenteil, die Kapitel sind dadurch übersichtlicher und die Rezepte (auch dank eines guten Index) leichter zu finden. Die selbstverständliche und enthusiastische Herangehensweise der Schwestern Eisenman nimmt dem Leser auch die Angst vor „komplizierteren Themen“, wie etwa Milchsäuregärung, Essigherstellung oder Brotbacken.

Besonders sympathisch an diesem Kochbuch ist, dass keine der Kapiteleinführungen mehr als drei Seiten braucht und trotzdem die wichtigen Grundbegriffe kurz und bündig vermittelt. Die Begeisterung der Autorinnen, so gut wie alles selbst herzustellen, ist ansteckend und motiviert mich, die Vorratskammer und den Kühlschrank mit selbst gemachten Köstlichkeiten zu bestücken.

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So habe ich zum ersten Mal Home-made-Knäckebrot zum Frühstück und bin verblüfft, um wieviel saftiger und zugleich knuspriger es ist verglichen zu industriell hergestellten Produkten. Auch eingelegte Zucchini und Mxed Pickles gelingen problemlos und schmecken köstlich. Für Kimchi muss ich endlich nicht mehr in den asiatischen Supermarkt pilgern, sondern greife in meinen Kühlschrank, wo er sanft gärt. Dank des Kochbuchs ist meine Speisekammer nun weitaus besser und vielfältiger bestückt, als die meiner Großmutter es jemals war! Meinen Ratgeber für diverse Fragen bei Vorratshaltung habe ich eindeutig gefunden.

Von Bratwurst bis Schimmelkäse

Einziger Kritikpunkt ist vielleicht, dass nicht alle Rezepte einfach umzusetzen sind. Das betrifft aber nur einen Bruchteil der 350 Rezepte und kann bei so einem Standardwerk verziehen werden. So erfordern zum Beispiel Fleischtrocknung und manche Käsesorten Lagerungsorte, die nicht immer einfach zu finden sind. Wer verfügt schon über einen Ort, an dem man die Luftfeuchtigkeit und Temperatur regulieren kann, um Käse 6 Monate reifen zu lassen? Aber sobald ich diesen Ort gefunden habe, steige ich sicher auch noch in die Home-made-Blauschimmelkäse- und Pancettaproduktion ein! Eines ist sicher: Bei diesem Kochbuch gehen mir die Herausforderungen nicht aus.

Ein Standardwerk, das Einsteiger sowie fortgeschrittene Enthusiasten der „Do it yourself“-Vorratskammer begeistern wird! Der weite Bogen reicht von Einlegen, Herstellung diverser Milch- und Fleischprodukte bis hin zur Eigenproduktion von Saft und Süßigkeiten. Und das alles immer mit hoher Qualität und viel Kreativität!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2018

10 Kommentare

  1. Eveline

    Hallo Katharina, habe mir das Buch zu Weihnachten gegönnt 😋 und mich sofort in das rote Sauerkraut verguckt. Frage: Möhre, Zwiebel und Koriander kommen erst dazu, wenn man den Kohl mit Salz bearbeitet hat und anfängt zu Schichten richtig?

    • Katharina

      Oh, wie toll. Schliesse mich gleich an.
      Also das Salzen mit Rotkohl UND Möhren und Frühlingszwiebeln. Bevor es ins Glas geht Koriander und Chilischoten dazu. Viel Freude!

  2. Corinna

    Grandios dieses Buch! Ich habe bisher nur die Hoisin -Sauce nachgekocht – (das gekaufte Glas hatte ich damals weggeschmissen, da scheußlich) KÖSTLICH.

    Was mich aber ein wenig stört ist der viele Zucker in den Marmeladen und das Nitrit Pökelsalz als unbedingt notwendig angedeutet wird, wenn man nicht an einer Lebensmittelvergiftung sterben will… Ich habe bereits sch0n mehrmals Fleisch mit (Meer)salz gepökelt und alle Leben noch.

    • Katharina

      Oh, good to know. Merci. Bei Marmeladen bin ich immer hin- und hergerissen. Viel Zucker konserviert besser, aber ist mir schlicht zu süß. Die kauffertigen 1:3- oder 1:2-Mischungen enthalten allerdings Konservierungsstoffe. Immer tricky.

      Gepökelt habe ich noch gar nicht. Empfehlenswert?

      • Corinna

        Hallo Katharina,

        da geht es mir wie dir. So pappsüßes Zeug mag ich auch überhaupt nicht. Aber die Alternative mit weniger Zucker sieht vor Marmelade in rauen Mengen zu essen und das mag ich auch nicht 🙂 Ich gestehe dass ich immer die 3:1 Mischungen kaufe, irgendwie hab ich noch keine passende Alternative für mich gefunden.

        Pökeln ist sehr empfehlenswert. In dem „Küchentagebuch“ von Rachel Khoo gibt es ein Rezept für gepökelte Entenbrust, habe ich bereits mehrmals gemacht weil es so einfach ist – es dauert allerdings 2-3 Wochen – und es schmeckt hervorragend. Sie benutzt auch nur Meersalz und wie gesagt, ich lebe noch 🙂

        LG

        • Katharina

          Entenbrust: Oh, interessant – das Rezepte schaue ich mir an. Herzlichst

          • Corinna

            Bitte Feedback ob du es überlebt hast .. 😉

          • Katharina

            Kommt! Ich robbe mich noch vor: Habe gerade das fabelhafte Rezept für fermentierten Rotkohl mit Möhren, Chili und Koriander gemacht. Superb!

  3. Katja

    Liebe Julia, danke für die anschauliche Rezension! Da musste ich gleich zuschlagen, ich könnte nicht widerstehen! Und ja, was für ein Buch! Was für eine Bandbreite!

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