Kochbuch von Li Hong: Der Duft meiner Heimat

Kochbuch von Li Hong: Der Duft meiner Heimat ★★★★★

Der Duft meiner Heimat. Die wunderbaren Rezepte meiner chinesischen Familie
Li Hong, Gerstenberg Verlag (2011)
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Sabine Cikic

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Li Hong hat ein wunderbares chinesisches Kochbuch geschrieben. Ein Buch mit chinesischen Rezepten gemalt. Ein Buch mit Familiengeschichten und Rezepten gemacht. Wer einfach nur ein chinesisches Kochbuch sucht, braucht nicht weiterzulesen. „Der Duft meiner Heimat“ ist nicht einfach nur ein Kochbuch. Wie ja aber auch kein Chinese einfach nur essen würde, um satt zu sein.

Dieses Buch hat mich verzaubert! Hier werden nicht einfach nur Rezepte aneinandergereiht. Sie sind eingebettet in Geschichten und Familienfotos. Und Illustrationen! Die schönsten, die ich bisher in einem Kochbuch gesehen habe. So atmosphärisch, dass ich der Autorin mühelos folgen kann.

Kochbuch von Li Hong: Der Duft meiner HeimatIn ihre Heimatstadt Beijing und in die Küche ihrer Eltern. In die Heimat ihrer Mutter, Sichuan. In die Heimat ihres Vaters und ihrer Vorfahren, ebenfalls tausende Kilometer von Beijing entfernt. In enge Gassen, Bambuswälder oder zum Mondfest. Mühelos springen wir von einer Anekdote zur nächsten, hören Geschichten zur Kultur Chinas, zu Landschaften, Gerichten und einzelnen Zutaten. Geschichten aus der Kindheit der Autorin, Geschichten aus dem Alltag und von nicht alltäglichen Festen und Ereignissen, Geschichten von Gepflogenheiten, Traditionen und Werten. Geschichten, die zeigen, dass wahrer Reichtum nicht an materielle Werte geknüpft ist. Und auch Geschichten aus der neuen Heimat Deutschland. Wie sie in Hamburg ihren Mann Daniel kennenlernte, mit dem sie heute in Berlin lebt, und wie sie ihm – und er sich – die chinesische Küche erschlossen hat.

Keine Hühnerfüsse-Rezepte

Und um die chinesische Kochkunst geht es natürlich auch. Hierzulande bekannte und nicht so bekannte Klassiker der chinesischen Küche sind eingewoben in das Buch, insgesamt 54 Rezepte. Die Rezepte sind nicht nebensächlich, aber auch irgendwie nicht die Hauptsache an diesem Buch, es ist irgendetwas dazwischen. Und natürlich können sie nur einen kleinen Einblick in die vielfältige chinesische Küche geben. Die berüchtigten Hühnerfüße, die in China so gerne geknabbert werden, werden in einer Anekdote erwähnt, auf das Rezept verzichtet Li Hong aber wohlweislich. Das macht die Rezeptauswahl aber nicht minder authentisch.

Zur besseren Orientierung der Leser befindet sich zu Beginn des Buches eine Übersicht, in der die Rezepte in gängige Gruppierungen unterteilt sind: Vorspeisen, Suppen, Teigspeisen. Schwein, Rind, Lamm. Gemüse & Tofu mit Fleisch. Vegetarisch. Fisch & Meeresfrüchte. Huhn & Ente. Desserts. Diese Gruppierungen entsprechen nicht dem Erscheinen der Rezepte im Buch, denn sie haben jeweils ihren eigenen, „richtigen“ Erscheinungsort im Erzählfluss der Autorin.

Einzelne Rezepte sind jedoch über das Inhaltsverzeichnis am Anfang sowie die alphabetische Rezeptliste am Ende des Buches problemlos aufzufinden. Ein kurzes Glossar erläutert die wichtigsten Zutaten und Werkzeuge. Hier hätte Li Hong gerne ein klein wenig ausführlicher sein dürfen. Kein Wort zu verschiedenen Tofuarten, kein Wort zum Vorbereiten eines Woks, neben einem vernünftigen Messer das wohl wichtigste Utensil in der chinesischen Küche.

Kochbuch von Li Hong: Der Duft meiner HeimatNur die Grundausstattung erforderlich

Auch Schneidetechniken werden in diesem Kochbuch nicht explizit vorgestellt. Aber keine Angst, die Rezepte funktionieren trotzdem, und das Schöne ist ja: man braucht gar nicht so wahnsinnig viele verschiedene Dinge, um chinesisch zu kochen: Zucker, Salz, Sesamöl, brauner Reisessig, helle und dunkle Sojasauce sowie scharfe Bohnensauce sind eine Grundausstattung, die in keiner Küche allzu viel Platz wegnimmt. Mal braucht man vielleicht noch ein paar getrocknete Shiitake-Pilze, fermentierte schwarze Bohnen oder Bambussprossen aus der Dose. Und eigentlich immer Knoblauch, Ingwer und Frühlingszwiebeln. (Generell empfiehlt es sich, die Rezepte bei steigender Personenanzahl nicht einfach zu verdoppeln. Stattdessen kocht man einfach mehr verschiedene Rezepte, Faustregel: so viele Rezepte wie Esser am Tisch plus ein bisschen mehr.)

Ich erinnere mich an meine Sprachlosigkeit im Morgengrauen in der Nähe von Yangshuo, eine Landschaft mit spitzen Kalksteingipfeln und Kormoranfischern – und es sah ganz genau so aus, wie auf all den oft so kitschigen Zeichnungen, die es in Souvenirläden zu kaufen gab. Unglaublich! Und deswegen empfehle ich Ihnen dieses Buch, auch wenn sie vielleicht noch nicht in China gewesen sind: schwelgen Sie darin! Lassen Sie sich von den wunderbaren Zeichnungen Li Hongs einnehmen. Und erfüllen sie ihre Küche mit den wunderbaren Düften chinesischer Gerichte. Und glauben Sie mir, genau so ist China.

 

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2011

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