Kochbuch von Levi Roots: Karibik Küche. Grill it, bake it, shake it.

Kochbuch von Levi Roots: Karibik Küche. Grill it, bake it, shake it. ★★★★★

Karibik Küche. Grill it, bake it, shake it.
Levi Roots, Fotos Ebury Press
Dorling Kindersley Verlag (2014)
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Stefanie Will

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Anfang des Jahres habe ich einen traumhaften Urlaub in der Karibik verbracht. Kaum mit dem typischen Ich-will-wieder-weg-Gefühl zu Hause angekommen, landete diese Perle auf meinem Tisch: „Karibik Küche“ vom jamaikanischen Starkoch Levi Roots. Insofern sehen Sie es mir nach, wenn ich nicht so ganz unvoreingenommen an die Sache herangehen konnte. Die karibische Küche zählt nunmal meiner Meinung nach zu den besten der Welt – und mit diesem Buch konnte ich am heimischen Herd in die Urlaubsverlängerung gehen. Und die war (fast) genauso traumhaft wie die Reise an sich. Fehlten nur noch tropische Temperaturen, Palmen und Sand unter den Füßen statt Wollsocken an selbigen …

„Gute Freunde, gutes Essen und gute Musik – so sieht ein perfekter karibischer Abend aus“, verriet mir Levi Roots einmal in einem Interview. Für Letzteres ist auf jeden Fall gesorgt: Gleich zu Beginn des Buches findet sich eine CD mit wundervoll karibischen Klängen. Die Freunde wurden eingeladen, die Rezepte nachgekocht und serviert. Die Auswahl fiel allerdings schwer – auf 200 Seiten hat der Autor seine besten Gerichte ausgebreitet: Vorspeisen, Hauptspeisen, Desserts, ja, sogar Brote, Drinks, Dip- und Grillsaucen sowie allerlei fruchtig-scharfe Relishes … ein Traum. Einziger Minuspunkt: An manchen Stellen bewirbt er für meinen Geschmack etwas zu oft seine berühmten „Reggae Reggae“-Sauce (gibt’s über amazon.de), indem er sie einfach in die Zutatenliste aufnimmt. Ob sie schmeckt? Ja!!! Aber man muss sie nicht haben, um in den vollen Genuss der Gerichte zu kommen. Denn zu seiner Verteidigung: Er schlägt auch immer Alternativen vor.

kochbuch-levi-rootsDas Buch ist sehr übersichtlich unterteilt in die Kapitel „Vorspeise, Dips und Kleinigkeiten“, „Fleisch“, „Huhn“, „Fisch“, „Gemüse“, „Beilagen, Salate und Brote“, „Desserts“, „Getränke“ sowie „Würzsaucen und Marinaden“. Letztere sind eine wahre Fundgrube für jede Grillparty – ob sie nun karibisch sein soll oder nicht. Das „Bananen-Ketchup“ etwa ist so raffiniert, dass ich mittlerweile immer ein Glas davon im Kühlschrank habe. Passt zu allem: Fisch, Fleisch, Geflügel oder auf Sandwiches statt Butter, Mayo & Co. Aber fangen wir doch lieber von vorne an …

Gleich das erste Kapitel macht Lust auf mehr. Viel mehr. Ob’s an den farbenfrohen Fotos von Martine Poole liegt, den frischen Zutaten oder den aufregenden Kombinationen – vermutlich eine Mischung aus allem. Das sind auch die „Käse-Ananas-Spieße“: fruchtiges Obst, feinster Schinken, würziger Käse. Toll! Weiter geht’s mit den Hauptgerichten, also den Kapiteln zwei bis fünf. Hier wird der Zauber dieses Buches erst so richtig deutlich: schlichte Gerichte, die aber derart raffiniert zubereitet werden mit Gewürzen, Kräutern und Saucen, die so perfekt aufeinander abgestimmt sind, dass es einem die Sprache verschlägt. Und zwar nicht nur, weil man den Mund gerade randvoll hat …

Das „gegrillte Steak mit Limette und Thymian-Chili-Salz“ etwa ist selbst für mich, die nicht besonders gerne Fleisch isst, eine Offenbarung. Die Fischgerichte (eher meine Baustelle) könnten auch in einem Sterne-Restaurant auf der Karte stehen. Die „gegrillten Lachssteaks mit pikanter Garnelenbutter“ waren mein persönliches Highlight. Sie schmecken nicht nur köstlich, sie machen auch optisch richtig was her und werden im Laufe des Sommers sicher noch einige Male auf den Rost kommen. Und im Winter in die Pfanne – alle Gerichte lassen sich nämlich nicht nur draußen auf dem Grill, sondern auch im Ofen oder in der Grillpfanne zubereiten. Die „gebackenen Süßkartoffeln mit Chipotle-Chili-Butter“ habe ich im Ofen zubereitet statt in der Glut – fantastisch, ob nun als Hauptgericht oder Beilage! Die Desserts bestehen hauptsächlich aus Obst in Salatform oder, tja, gegrillt natürlich. Gegrillte Ananas, klar, kennt jeder. Aber mit Rum-Honig-Glasur? Ein Gedicht!

Dieses Buch sollten alle Fans der fruchtig-feurigen Karibik-Küche im Haus haben. Und zwar griffbereit. Ein fantastisches Werk nicht nur, um einzelne Gerichte oder gar ganze Menüs nachzukochen, sondern auch, um sich inspirieren zu lassen und schlichte Alltagsgerichte mit Saucen und Marinaden aufzupeppen. Hier geht es mehr darum, auf sein Bauchgefühl und seine Zunge zu hören, als einfach nur stumpf dem Rezept zu folgen. Abwandlungen sind möglich und erwünscht – kurzum: „Karibik Küche“ macht Spaß, ist kreativ und beschert das ganze Jahr lang köstliche Urlaubsstimmung!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2014

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