Kochbuch von Levi Roots: Cooking is fun

Kochbuch von Levi Roots: Cooking is fun ★★★★☆

Cooking is Fun von Levi Roots
Fotos Chris Terry, Fackelträger Verlag (2011)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Patricia Drewes

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Karibik für den Hausgebrauch

Zwischen all den Winterküchenrezepten rund um Kürbis, Steckrüben, Äpfeln und Quitten, die ab September den Kochbuchmarkt dominieren, bringt Levi Roots Kochbuch „Cooking is fun“ Exotik in den Kochtopf. Exotik kann nie schaden, insbesondere nicht, wenn es draußen immer grauer und dunkler wird. Beim Nachkochen stellte ich fest, dass die Exotik stets wohldosiert bleibt – und das ist Vor- und Nachteil zugleich: Der Supermarkt um die Ecke liefert nahezu alles, was man fürs Kochvergnügen braucht, aber an manchen Stellen hätte ich mir eine etwas imposantere Geschmacksexplosion gewünscht.

In der karibischen Küche haben die Köche vieler Herren Länder ihre Spuren hinterlassen, die Indios ebenso wie die Kolonialherren, afrikanische Sklaven ebenso wie Inder, die im 20. Jahrhundert als Arbeitskräfte ins Land kamen, das heißt zuallererst, das Essen ist qua Historie bunt und „crossover“. Das alles spiegelt sich in Levi Roots Buch. Roots, Londoner Kult-Koch, Reggae-Musiker und Multi-Millionär mit eigenem Label, erzählt in seinem ersten deutschsprachigen Kochbuch viel und lebendig über eigene Kindheitserfahrungen in der Küche der Großmutter – der Leser wird mitgenommen in eine Großfamilie, in der Kochen, Essen und gemeinsames Feiern eine große Rolle spielte. Roots Prinzipien sind einfach: Aus einer überschaubaren Anzahl an überall erhältlichen Lieblingszutaten komponiert bzw. „synchronisiert“ er seine Gerichte, oftmals bilden traditionelle Rezepte, etwa für Porridge, Bolognese oder Shortbread, die Ausgangsbasis, an deren Ende das etwas andere Gericht steht. Etwas anders deshalb, weil man die Basis noch erkennt.

Roots Buch ist klar und verständlich gegliedert: über Frühstück und Brunch, Picknick, Grillen, Alltags- und Sonntagsküche bis hin zu Partys und Drinks sowie süßen Desserts und Kuchen. Die Rezepte sind ganzseitig und größtenteils bebildert, wobei der Fokus auf den Speisen liegt – anders als manch andere Kochbücher, in denen sich der Koch auf jeder zweiten Seite präsentiert, geht Roots erfreulich unprätentiös mit seiner eigenen Person um.

Frohen Mutes und mit einem Buch voller Post-its verschwand ich in der Küche, allerdings sorgte das Nachkochen ausgerechnet des ersten Rezeptes, der Sonnenschein-Tarte mit Feta, Süßkartoffeln und roten Zwiebeln, völlig unerwartet für Frustration: die Süßkartoffeln waren trotz Verlängerung der Garzeit al dente, und die Tarte viel zu trocken. Mit weniger Süßkartoffeln und Flüssigkeit wurde das Gericht aber im zweiten Anlauf doch noch ein Erfolg. Im Lauf der Zeit erweiterte sich mein Repertoire an herzhaften wie süßen Gerichten mit Süßkartoffeln, Ananas, Mais, Mango, Ingwer, Kichererbsen und Kürbis enorm. Die Highlights des Herbstes waren Tamarinden-Kichererbsen, die durch die leichte Säure der Tamarindenpaste meine Gelüste auf exotisches Essen befriedigten, Brixton-Pizza mit Backofengemüse, Süßkartoffelsuppe mit wunderbarem Räucheraroma, Grillhähnchen mit Mojo, Cräcker mit Frischkäse und Mango sowie wunderbar saftige Karibik-Cupcakes. Für die nächste Zeit stehen die Hähnchenflügel mit kandierten Orangen und der Ingwerkuchen mit Kokosnusscreme sowie die legendäre Sonnenschein-Sauce auf dem Speiseplan.

Alles in allem hat mir das Kochen mit Roots’ Kochbuch sehr viel Spaß gemacht, die Rezepte waren schnell und leicht umsetzbar, auch unter Zeitmangel und unter alleiniger Verfügbarkeit des Dorfsupermarktes, und das Ergebnis ist kompatibel mit dem Gaumen von Durchschnittseuropäern. Diese Kompatibilität hat zwei Seiten: Einerseits hatte ich alle Zutaten schnell zur Hand, und selbst die Generation Ü70 und U8 hat die Gerichte als äußerst schmackhaft bezeichnet, andererseits fehlte mir bei manchen sehr schlicht gehaltenen Rezepten der letzte Kick.

Verwirrt haben mich neben der teilweisen Verwendung von Fertigprodukten – so etwas erwarte ich eher in Schnellkochbüchern als im gehobenen Kochsegment – manche Mengenangaben: Da wird ein Kilo Gemüse mit einem Teelöffel Öl angebraten. Der kräftige Schuss Olivenöl, den Jamie Oliver in seinen Rezepten verwendet, ist mir da wesentlich sympathischer. Witzigerweise hatten wir, obwohl wir oft zu fünft oder sechst gegessen und dabei keine kleinen Portionen verspeist haben, häufig Reste – man merkt, dass Roots großfamiliensozialisiert ist. Wer zu zweit oder dritt aus seinem Buch kocht, sollte unbedingt die Mengen reduzieren oder viele Gäste einladen. Und ansonsten sollte man die Mengen nach Gefühl und Erfahrung und nicht sklavisch nach Rezeptangaben dosieren.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2011

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