Kochbuch von Leila Lindholm: Noch ein Stück

Kochbuch von Leila Lindholm: Noch ein Stück ★★★☆☆

Noch ein Stück: Kuchen, Brownies, Waffeln, Eis, Brot, Pizza und Pasta
Leila Lindholm, Fotos Wolfgang Kleinschmidt, AT-Verlag (2011)
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Simone Brokmeier

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Wenn nur alle Rezepte hielten, was sie …

Was ist das Geheimnis französischen Baguettes? Was versteckt sich hinter einem Glace au four? Was ist der Unterschied zwischen schwedischen Knusperwaffeln und belgischen Erdbeerwaffeln? Und kennen Sie Apfelpizza? Die Antworten auf diese Fragen versucht Leila Lindholm in einem kuriosen Backbuch zu geben.

Die letzten warmen Tage. Auf der Terrasse sitzend, blätterte ich in dem wunderschönen Buch Noch ein Stück. Ließ mich inspirieren von der Vielfalt an Rezeptideen und -variationen (oder kennen Sie 13 Arten von Käsekuchen?). Optisch habe ich fast den Eindruck, hier wird das liebevoll nostalgische Familienbuch geöffnet. Bilder von Leila mit Sohn am Familientisch, beim Pizzabacken im Holzofen auf der Terrasse (!) mit Freunden oder beim Traubenlesen. Auch die Fotos der Gerichte scheinen wie frisch von der Landpartie zu kommen. Das ist arrangiert, aber sehr sympathisch. Die Köchin kommt so natürlich und authentisch rüber, dass man einfach versucht ist zu glauben, dass alle Gerichte gelingen müssen!

Anders als in herkömmlichen Backbüchern wird hier nicht klassisch nach Mürbteig-Biskuit-Hefeteig unterschieden. Die schwedische Fernsehköchin geht weiter, sie wagt einen Spagat. Sie bringt neben Kuchen, Pizza, Brot und Waffeln auch hausgemachte Pasta, Eis und Tortanos (gefüllte Brote aus Neapel) zusammen. Ihr Gedanke: Noch ein Stück soll zusammen mit ihrem ersten Backbuch eine perfekte Grundausstattung sein.

Auffallend ist die internationale Bandbreite der Rezepte. Wer denkt bei Schweden schon an amerikanische Brownies, Blondies (die hellen Varianten der schokolastigen Kuchenstückchen) oder Cheesecake? Und auch „Pizza“ und „Pasta“ oder „Boulangerie“ klingen eher mediterran als nach Smaland. Die Schwedin mit marokkanischen Wurzeln kennt keine Berührungsängste. Genau diese undogmatische, ja kuriose Mischung fand ich spannend. Da hatte ich bald eine wunderschöne Rezension im Kopf. Doch gleich beim ersten Rezept, das ich nachkochte, war ich überrascht, dass nicht alles ganz glatt lief…

Im Pizza-Kapitel gibt es 12 herzhafte und fünf süße Varianten. Mich haben letztere zum Nachbacken inspiriert. Doch schon die Teigzubereitung verlief nicht optimal, da bleibe ich lieber bei meinem bewährten Grundrezept! Weder konnte ich nachvollziehen, warum sie die Mehlmenge (die obendrein nicht ausreichte) in das Hefe-Wassergemisch gibt (statt wie sonst üblich die trockenen Zutaten langsam mit der Flüssigkeit zu vermischen), noch kam ich mit der zu geringen Backzeit klar. Da waren Erfahrung und Fingerspitzengefühl nötig. Das Ergebnis war dennoch überwältigend: die köstlichen in Butter und Zimt gedünsteten Äpfel (die ich noch heiß in der Pfanne vor meinen Kindern retten musste, sonst hätte ich keinen Belag mehr gehabt!) sind ein Gedicht, auf dem Bett aus Ricotta und Marzipan, im Ofen zu einer Einheit geschmurgelt, wird daraus sogar eine kleine Sensation, die bestimmt Einzug in mein Standard-Repertoire finden wird.

Bei der Zubereitung der angeblich weltbesten schwedischen Knusperwaffeln gab es auch Probleme mit der Teigkonsistenz. Beim Backen kam kaum eine ganze Teigscheibe zustande, durch den hohen Fettanteil wurden sie kaum gar oder blieben am Waffeleisen kleben. Als dann auch beim Test eines Kuchens aus der Blondie-Abteilung die Zubereitung nicht so richtig gelingen wollte (die Grundmasse war mit 450 g Butter so schwer, da konnte man kein Mehl unterheben), kamen mir ernste Zweifel: gibt es in Schweden anderes Mehl? Wurden die Rezepte je in Deutschland getestet und ausprobiert?

Endlich ein Highlight: eine schwierige Zubereitung, die auf Anhieb gelang – zum allerersten Mal habe ich Sauerteig selbst angesetzt und daraus ein französisches Baguette gebacken, das locker und knusprig war, köstlich duftete und dem eigentlichen Menü fast die Show stahl! Auch Bagels, die ich nie zuvor ausprobiert hatte, gelangen wunderbar und überzeugten durch ihren köstlichen Geschmack (durch den Honig bekam der Teig genau diese typische, leichte Süße) und eine perfekte Konsistenz.

Die Vielfalt des Kochbuchs (Grundrezept + zahllose Variationen) macht den Reiz aus, ist gleichzeitig aber auch Nachteil, finde ich. Es ist toll, wenn ich Halbgefrorenes zubereiten will und neun verschiedene Rezeptvorschläge finde (köstlich das Tiramisu-Semifreddo). Selbst Glace au four (ein Dessertklassiker aus den 1970er der aus Biskuit, Eis und einer überbackenen Baiserhaube besteht) wird fünfmal anders zubereitet. Aber wie oft will ich so ein Dessert anbieten? So vermisse ich bei den knapp 200 Rezepten und aller schätzenswerter Tiefe, manchmal durchaus eine größere Breite und wie beschrieben mehr Verlässlichkeit bei den Rezepten.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2011

4 Kommentare

  1. Jasmin

    Ich habe bis jetzt die Pizza mit grünem Spargel und Ziegenkäse und ein Tortano-Brot gebacken. Die Zutatenangaben beim Teig scheinen wirklich nicht aufzugehen. Ich musste ebenfalls einiges an Mehl zugeben. Aber das Ergebnis war letztendlich wirklich lecker. Zwei von Leilas Pastasaucen sind ebenso empfehlenswert: Salbeisauce mit Vanille und die Sauce mit frischem Estragon und Oregano – wurden aber beide mit Gambas aufgepeppt. Mal sehen, ob ich mich in nächster Zeit an die süßen Rezepte wage – die enormen Zuckermengen schrecken wirklich ein wenig ab!

  2. Patri

    ja, so ähnlich erging es mir auch. erfolg hatte ich ebenfalls bei einem sauerteig-brot-rezept, auch wenn er etwas zu flüssig wurde um daraus brote zu formen. da hab ich einfach weiter mehl hinzugefügt bis ich der meinung war die konsistenz stimmt. doch die käsekuchen waren wiederum furchtbar – eine klebrige unappetitliche masse. dabei hab ich schon öfter käsekuchen gebacken. schade um die guten zutaten. so recht vertraue ich daher den rezepten noch nicht…aber ich werde wohl nochmal was wagen, die bilder verführen dazu…:-)

    • Katharina

      Ja, in der Tat – die Fotos sind sehr verführerisch. Viel Glück!!

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