Kochbuch von Leela Punyaratabandhu: Bangkok

Kochbuch von Leela Punyaratabandhu: Bangkok ★★★★☆

Bangkok – Rezepte und Geschichten
aus dem Herzen Thailands
Leela Punyaratabandhu
Fotos: David Loftus
Südwest Verlag (2019)

Isabel Geigenberger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

„Bangkok“, ich schließe die Augen und die Erinnerungen an bunte Straßenbuden mit unbekannten Genüssen zu jeder Tages- und Nachtzeit, an schicke Restaurants am Ufer des Chao Prayas und krabbelnde Zutaten auf den Märkten steigt in mir hoch. Meine Verehrung für eine der kulinarischen Hochkulturen dieser Welt ist groß, und so lasse ich mich von Leela Punyaratabandhu mit in ihr Bangkok nehmen.

Ein üppiger Band liegt vor mir, die goldenen Buchstaben erinnern an die Pracht der thailändischen Tempelanlagen, die angerichteten Speisen verheißen Schärfe und Fülle, der moderne Teller, die Art des Stylings sind ganz im Heute verortet. „Rezepte und Geschichten aus dem Herzen Thailands“ verspricht uns Leela Punyaratabandhu (Foto unten), und sie folgt dabei ihrem persönlichen Pfad und der kulinarischen Entwicklung der Stadt.

Kochbuchautorin Leela Punyaratabandhu

Leela Punyaratabandhu wuchs in einem traditionellen Zuhause im Miteinander der Generationen an einem Kanal in Bangkok auf. Als Studentin kam sie in die USA und – wie so häufig – lernte im Ausland den Wert und die Schönheit der eigenen kulinarischen Traditionen schätzen.

Shesimmers.com, ihr Blog über thailändisches Kochen, besteht seit 2008 und wurde vielfach ausgezeichnet. Ich lernte den Blog erst über das Buch kennen – und seine Detailgenauigkeit lieben. Ihre Ausführungen zu Larb Gai, ein scharfer gehackter Hühnersalat, waren für mich äußerst erhellend.

Das zweite Werk einer erfolgreichen Bloggerin

Leelas an den Blog angelehntes Erstlingswerk „Simple Thai Food“ ist leider nicht auf deutschem Markt erschienen, dafür aber „Bangkok“. Dessen Rezepte stammen vor allem aus Restaurants, von Streetfood-Ständen oder aus dem Familienleben der Punyaratabandhus. Leela möchte uns mitnehmen in die Straßen ihrer Heimatstadt, uns das Leben der Menschen, die Vielfalt der Einflüsse näherbringen, bis wir quasi den Geruch der Speisen vermeinen wahrzunehmen. Straßenszenen und Bangkok-Panoramen lockern die Texte auf, der Fokus bleibt aber bei den wunderbar inszenierten Food-Bildern von David Loftus.

Kochbuch von Leela Punyaratabandhu: Bangkok

Die Einteilung der Rezepte soll die Art und Weise widerspiegeln, wie in Bangkok gegessen wird: Grundgerichte, Herzhafte Bissen, Beilagen zum Reis, Menüs und Einzelgerichte, Süßes, Basisrezepte. Dabei sind Grundgerichte fast wie Zutaten zu verstehen, Sachen wie Chilirelish oder Reiscracker. Basisrezepte hingegen meint Würzsaucen etc. Hätte man doch gut zusammenfassen können, oder? 😉

Hat man ein Basisrezept zubereitet und möchte das für verschiedene Gerichte verwenden, ist munteres Blättern angesagt – ein Index „für welche Gerichte brauche ich diese Zutat“ wäre hier sehr hilfreich gewesen.

Besondere Zutaten erfordern gute Planung

Einfach sind die Rezepte meistens nicht, die Zutatenliste forderte mich immer wieder heraus. Und manches bleibt mir verschlossen, wie das Grundgericht Hummerleber von der Süßwassergarnele – ich weiß wirklich nicht, wo ich diese Tierchen „mit sichtbar orangefarbener Leber“ auftreiben sollte. Diese kleinen Herausforderungen führten dazu, dass das Kochen aus dem Buch immer eher ein besonderes Projekt wurde, mit Einkauf in besonderen Läden, Vorausplanen oder Vorauszubereiten einer Zutat – dann aber lohnte sich der Aufwand in fast allen Fällen.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website der Autorin

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Es bleibt einfach ein schwieriger Grat zwischen hoher Authentizität exotischer Gerichte einerseits und der Koch-Pragmatik auch bei uns zugänglicher Zutaten – die sich in Deutschland wiederum von denen in den USA erhältlichen Produkten unterscheiden. Besonders im Gedächtnis bleibt uns der Pomelosalat – vermutlich würde die Kombination von fruchtiger Säure, Kokos und Knoblauch und Limette auch ohne die Garnelen gut funktionieren.

„Bangkok“ ist eine bunte, emotionale Momentaufnahme der Kochtradition Bangkoks und seiner Bewohner. Ein bisschen Fernwehbuch, ein bisschen Stadtführer, ein bisschen Kulturgeschichte. Vielleicht ist dieser Stil typisch für Blogger, ihre ganz subjektive, keinesfalls repräsentative Art, uns ein Thema, ein Land, eine Stadt nahezubringen. Das Buch ist weniger geeignet für Anfänger im Reich der großartigen, fantastischen thailändischen Küche – aber eine schöne Inspiration für Bangkok-Reisende und Connaisseure.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2020

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