Kochbuch von Leah Koenig: Die moderne jüdische Küche

Kochbuch von Leah Koenig: Die moderne jüdische Küche ★★★★★

Die moderne jüdische Küche
Leah Koenig
Fotos Sang An
Übersetzung Nicola T. Stuart
Jacoby & Stuart (2015)
Mehr über den Verlag

Stefanie Hofeditz

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Meine Zeit in Tel Aviv im November letzten Jahres hat mir viele Aha-Momente beschert. Meine Angst, ich würde als Deutsche beschimpft werden, hat sich nicht bestätigt (“You’re from Berlin? Toll, ich liebe Berlin“), fast alle haben bis ins hohe Alter eine unglaublich gute Figur, und dass man in Israel entweder nur gut oder fantastisch essen kann! Das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Egal ob Nobel-Restaurant, abgeranztes Café oder Filiale einer israelischen Imbiss-Kette: ich habe ausnahmslos hervorragend gegessen. Umso neugieriger war ich auf „Die moderne jüdische Küche“ von Leah Koenig, eine amerikanische Jüdin aus Brooklyn, New York.

Auf 319 Seiten gibt’s zwölf Kapitel: 1. Frühstück, 2. Salate und mehr, 3. Suppen, 4. Gemüse, 5. Nudeln, Matzen, Körner und Bohnen, 6. Fisch, Huhn und Fleisch, 7. Vegetarische Hauptspeisen, 8. Brote und Teigwaren, 9. Plätzchen, Kuchen und andere Süßigkeiten, 10. Füllungen und mehr, 11. die Feste und 12. die Register.

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Leah Koenig (links) startet mit einer Einführung in die jüdische Küche, die inzwischen nicht nur ihre Wurzeln in der osteuropäischen Küche hat (Gefilte Fisch, anyone?), sondern weltweite Bezüge hat. Die Hauptströmungen sind die Aschkenasim (Ostblock), Sephardin (Portugal, Spanien) und Mizrahim (Naher Osten). Und genau dieser Mix macht die jüdische Küche so spannend!

Koscheres Kochen

Natürlich gibt’s einen kleinen Exkurs zum koscherem Kochen: „Dieses Kochbuch ist koscher, und ist es nicht“. Die Autorin handhabt die Speisegesetze (Kaschrut) recht locker, wie sie wahrscheinlich von den meisten modernen Juden interpretiert werden: es verirrt sich auch mal eine Chorizo (aus Schweinefleisch) in eine Suppe.

Beim Lesen habe ich das Gefühl, eine coole Freundin würde mir die jüdische Küche erklären, und das ist auch das, was dieses Buch so besonders macht: jedes Rezept wird in einen kulturellen Kontext gestellt. Die Leserin erfährt nicht nur auf fünf Seiten wie ein perfektes Berches-Brot gelingt, sondern auch die Geschichte, rituelle Bedeutung und warum und zu welchem Festtag dies gegessen wird. Oft lässt Koenig Einblicke in die Geschichte und Traditionen ihrer Familie zu, die einfach sympathisch und spannend sind, wie über das Lieblingsfrühstück ihrer Großmutter, der zu Ehren Leah einen Schmandkuchen mit Pekanussstreuseln kreiiert hat (die Großmutter mag es zum Frühstück bereits süß).

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Und auch die hervorragende deutsche Bearbeitung muss ich loben – hier wurde nicht nur stumpf übersetzt, sondern für den Leser mitgedacht, beispielsweise schreibt wird zu Sour Cream erläutert: „Sour Cream: wie sie in den USA verkauft wird, mit einem Fettgehalt zwischen 12% und 18% gibt es so in Deutschland nicht, lässt sich aber wunderbar durch Creme légère ersetzen, die es inzwischen auch in jedem Supermarkt gibt. Und wer es etwas reichhaltiger mag, kann natürlich auch Schmand oder Crème fraiche nutzen“. Vorbildlich – das sollten sich die deutschen Herausgeber von vielen britischen und amerikanischen Backbüchern mal zu Herzen nehmen!

Eine Nachkochliste, die nicht endet

Normalerweise, finde ich drei, vier Rezepte in einem Kochbuch, die ich nachkochen möchte. Ich kennzeichne sie mir einem gelben Post-It. Hier habe ich nach einmal Durchblättern 28 Rezepte gefunden, die ich SOFORT machen möchte. Von klassischen jüdischen Rezepten wie „Gefilte Fisch“ über „Matzen“ bis hin zu „Rhabarber-Haferflocken-Riegel“ oder „Gegrillter Lachs mit Orange und Kräutern“, „Die moderne jüdische Küche“ animiert auch durch die wunderbar schlicht gestylten und fotografierten ganzseitigen Food-Fotos zum Nachkochen. Unmissverständliche Zutatenlisten und Kochanleitungen machen dieses Buch auch ideal für Kochanfänger.

Ein Kochbuch, wie eine gute Freundin! Charmant, aber nicht geschwätzig, gebildet, kultiviert und interessant. Und dabei sieht es noch so gut aus!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2016

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