Kochbuch von Laura Santtini: Flash Cooking

Kochbuch von Laura Santtini: Flash Cooking ★★★★☆

Flash Cooking. Blitzschnell kochen
Laura Santtini, Fotos A. Laycock, Rolf Heyne Collection
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Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Diese Frau hat eine Mission. Laura Santtini will unser gesamtes Leben umkrempeln. Dafür hat sie nicht weniger als die Welt bereist. Und was hat sie alles mitgebracht – Flash Aromen, Flash-Philosophie, Flash Persönlichkeitstipps, Flash Mantra, Flash Happyend! Soviel Lärm haben ihre Rezepte eigentlich gar nicht nötig, denn die haben richtig Spaß gemacht.

Wer ist diese Laura Santtini, die sich so schwungvoll in mein Leben einmischt? Auf ihrer Webseite finde ich eine hübsche blonde Frau, Engländerin mit italienischen und persischen Wurzeln, Tochter einer Gastronomenfamilie. Perfektes, schneeweißes Zahnpastalächeln, sehr telegen und anscheinend sehr geschäftstüchtig. Eine Kollektion von Gourmet-Zutaten hat sie bereits auf den Markt gebracht, die wie edle Kosmetik in schillernden Tiegelchen und Tübchen verkauft werden. Eine Allround-Zutat, ihre „Taste #5 Umami Paste“ spielt auch in ihrem Buch eine Hauptrolle.  Mit ihrem Erstling hat sie 2010 einen Guild of Food Writers Award abgeräumt. Flash Cooking – Blitz Schnell Kochen – ist ihr zweites Buch.

Blitzschnell verflog eigentlich nur mein erster Eindruck. Nach dem Umschlagfoto mit explosiv auseinanderspringenden Zutaten vor laborweißem Hintergrund hätte ich eine moderne, reduzierte, doch feinsinnige Gestaltung erwartet – weit gefehlt! Die Grafik erinnert mich eher an die Kochbücher der späten 80er und frühen 90er Jahre: kühl, plakativ und nüchtern. Scheinbar wahllos erscheinen mir die eingestreuten Stimmungsfotos mit Motiven, die vom urbanen Schablonenbild über Sonnenuntergang unter Palmen bis zu einem grünstichigen Pudel reichen – alles wirkt auf mich ein bisschen aus der Zeit gefallen.

Aroma-Baukastensystem

Was hat es nun mit „Flash Cooking“ auf sich? Schnell und einfach zubereitete, gesunde und nahrhafte Mahlzeiten, die etwas hermachen, ausgefallen schmecken und dem Wohlbefallen dienen, fasst Laura Santtini zusammen. Hierzu stellt sie eine Art Aroma-Baukastensystem vor:  Für die vier recht grob als „Western“, „Naher Osten“, „Indien“ und „Asien“ etikettierten Geschmacksrichtungen werden einfache Würzmischungen, Glasuren, Marinaden, Pasten, Gewürzsalze, Joghurts, Dekoideen und Dressings vorgestellt, darunter auch zahlreiche gute alte Bekannte wie Baharat, Harissa oder Garam Masala. Als fünfte Kategorie kommt außerdem die besagte Umami-Paste zum Einsatz, die sie selbst vertreibt. Im Rezeptteil kann sodann etwa eine indische Glasur, eine asiatische Gewürzmischung oder eine nahöstliche Marinade durch eine beliebige ihrer jeweiligen Schwestern aus einer anderen geografischen Schublade ersetzt werden, sodass sich nahezu beliebig viele Variationsmöglichkeiten ergeben.

Eingebettet hat Laura Santtini ihre Rezeptideen in ein selbstgestricktes Ernährungskonzept sowie ein Kapitel zur „Flash-Persönlichkeit“, das unter Stichworten wie „Flash-Mantra“, „Flash-Diät“ oder „Flash-Happyend“ zahlreichen Tipps zur Gewichtsreduktion und zur Lebensführung enthält. Hier finde ich durchaus brauchbare Ernährungstipps, vermischt jedoch mit persönlichen Überzeugungen, Halbwahrheiten und Kalendersprüchen, die bei mir eher irritiertes Kopfschütteln auslösen („Jede lebende Zelle hat einen Grund für ihr Dasein, sie alle sind zum Zusammenwirken in einem großen universalen Ganzen geschaffen.“ Na ja.)

Treffsicher

Da lege ich doch lieber mit dem Nachkochen los – mit Erfolg! Zwar war war die Zubereitung meist nicht „blitzschnell“. Die Rezepte, die ich ausprobiert habe, erwiesen sich jedoch ausnahmslos als absolut treffsicher beschrieben, kurz, knapp, verständlich und in jeder Hinsicht verlässlich, die Ergebnisse sehr brauchbar. Eine besondere Erwähnung verdient das verblüffend einfache dunkle Zauberelexier, das keineswegs nur zu Entenbrust passt – damit kann man wirklich im Handumdrehen Eindruck schinden.

Ganz nebenbei habe ich es endlich geschafft, dass einige exotische Langzeitbewohner meiner Vorräte – meist für ein einzelnes Rezept oder ein bestimmtes Thema angeschafft, ein paarmal verwendet und dann vergessen – nun regelmäßiger zum Einsatz kommen. Sehr gerne habe ich auch im „Glossar der globalen Genüsse“ gestöbert, in dem zahlreiche exotische Zutaten porträtiert sind (auch wenn ich bei der Miniatur-Schriftgröße beinahe eine Lupe zur Hilfe hätte nehmen müssen).

Kurzum: Ich werde in diesem Leben wohl keine von Laura Santtinis „Flash-Persönlichkeiten“  mehr werden – aber mit ihrem Aromabaukasten und den pfiffigen, leckeren Rezeptideen hat sie mich mich glattweg überzeugt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2013

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